30.04.2013 12:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Boden
BLW gibt grünes Licht - Pflanzenkohle vorerst frei einsetzbar
Pflanzenkohle kann neu unbeschränkt als Bodenhilfsstoff in der konventionellen Landwirtschaft verwendet werden. Eine Aufnahme in die Hilfsmittelliste des Biolandbaus auf Anfang 2014 muss erst geprüft werden.

In der Schweiz wird an zwei Standorten Pflanzenkohle hergestellt. Eine Anlage steht in Lausanne, die andere auf einem Landwirtschaftsbetrieb in Neuheim ZG. Bisher war die Verwendung von Pflanzenkohle als Bodenhilfsstoff nur zu Versuchszwecken erlaubt und mit einer Aufzeichnungspflicht verbunden.

Nun wurde die Bewilligung vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) geändert. Ab sofort ist der Einsatz von Pflanzenkohle in der konventionellen Landwirtschaft unbeschränkt möglich. Die Bewilligung gilt provisorisch bis Mai 2016. Bis dahin soll die Pflanzenkohle in die Düngerbuchverordnung aufgenommen oder durch eine zehnjährige Bewilligung ersetzt werden, falls sich der Einsatz bewährt, sagt Markus Hardegger vom BLW. Die Anwendung als Futtermittel war bereits bisher erlaubt.

Vielfältige Nutzung

Die ursprüngliche Idee der Pflanzenkohle stammt aus dem Amazonasgebiet. Dort haben Ureinwohner über hunderte von Jahren Kohle zusammen mit organischen Abfällen in den Boden eingearbeitet und diesen somit fruchtbarer gemacht. Ein Gramm Pflanzenkohle kann eine Oberfläche von mehr als 300 m2 haben. In den feinen Poren werden Nährstoffe und Wasser gespeichert. Der ausschliessliche Einsatz von Pflanzenkohle als Bodenverbesserer in der Schweizer Landwirtschaft wäre jedoch viel zu teuer. Ein BigBag à 450 kg kostet in Neuheim 335 Franken.

Deshalb strebt Hans-Peter Schmidt vom Delinat-Institut in Arbaz VS die sogenannte Kaskadennutzung an. Als erster Schritt soll Pflanzenkohle als Siliermittel eingesetzt werden. Durch die Silage gelangt sie anschliessend in den Kuhmagen, wo sie ihre positive Wirkung als Mykotoxinbinder entfaltet. Von der Kuh ausgeschieden, reduziert die Pflanzenkohle im Stall Ammoniakverluste und Geruchsbildung. Mit dem selben Ziel kann die Kohle  auch direkt der Gülle oder dem Mistkompost zugegeben werden. Mit der Ausbringung der Hofdünger gelangt sie schlussendlich in den Boden.

Anlage produziert Wärme

Fredy Abächerli ist Geschäftsführer des Maschinenrings Zug und der dazugehörigen Verora GmbH, welche die Pflanzenkohleanlage in Neuheim seit Frühling 2012 betreibt. Ausgangsstoff für die Pflanzenkohle sind Siebreste aus der Holzschnitzelproduktion. Diese werden in der sogenannten Pyreg-Anlage unter Luftabschluss bei mindestens 500 °C verkohlt.

Es sei wichtig, dass diese Pyrolyse richtig ablaufe, sagt Abächerli, sonst können Giftstoffe entstehen, welche anschliessend mit der Kohle in den Boden gelangen. Mit der Abwärme der Pyreg-Anlage werden Holzschnitzel getrocknet. Die Pflanzenkohle wird bei der Verora GmbH entweder direkt verkauft, oder Kompost beigemischt. Der so entstehende Terra-Preta-Nährhumus ist ein Premiumprodukt unter den Komposten und wird vor allem an Hobby-Gärtner verkauft.

Ungeklärte Fragen

Eine gute Pflanzenkohle hat 75 bis 80 Prozent Kohlenstoffgehalt, so Abächerli. Da Kohle über Jahrhunderte im Boden erhalten bleiben kann, wird damit CO2 langfristig gespeichert. Die Verora GmbH wird deshalb von der Klimastiftung Schweiz finanziell unterstützt.

Der Einfluss von Pflanzenkohle auf die Treibhausgas-Bilanz und die Kohlenstoffspeicherung sei aber noch nicht abschliessend geklärt, sagt Thomas Bucheli von Agroscope. Er stellt die vielen positiven Effekte der Pflanzenkohle nicht grundsätzlich in Frage. Vieles sei aber noch zu wenig erforscht. Über die genaue Wirkung der Kohle im Boden wisse man noch zu wenig. Problematisch sei ausserdem die mögliche Entstehung von Giftstoffen und deren Eintrag in den Boden. Die Branche hat dafür ein Zertifikat geschaffen, welches die Qualität der Pflanzenkohle sicherstellen soll.

Bucheli gibt zu bedenken, dass Biomasse eine beschränkte und gesuchte Ressource ist, sodass das Potenzial für die Pflanzenkohleproduktion in der Schweiz endlich sein dürfte.

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