23.02.2016 16:52
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Boden
Boden: Kohlendioxid-Speicher verändern Stoffkreisläufe
Unterirdische Kohlendioxid-Speicher sind umstritten. Was passiert bei einem möglichen Leck mit den Bodenlebewesen? Eine Antwort darauf ermöglichen neue Forschungsergebnisse.

Hohe Konzentrationen von Kohlendioxid im Untergrund können das Nahrungsnetz und den Stoffwechsel im Boden langfristig verändern. Zu diesem Ergebnis kommt ein Team um Kirsten Küsel von der Universität Jena im deutschen Bundesland Thüringen. Für die Studie hatten die Wissenschaftler Bodenorganismen und Stoffkreisläufe an einer natürlichen Kohlendioxidquelle (Mofette) und in einem Vergleichsboden untersucht.

Das Forscherteam fand heraus, dass Kohlendioxid die Lebensbedingungen im Boden stark verändert. Bodentiere werden ausgeschlossen und die Gemeinschaft der Mikroorganismen verschiebt sich hin zu weniger vielfältigen, dafür aber höher spezialisierten Arten, wie die Jenaer Universität am Dienstag mitteilte.

Abbau von organischem Material verlangsamt

Dadurch sei das Nahrungsnetz im Boden weniger effizient beim Abbau von organischem Material, das sich daraufhin im Boden angereichert habe. Die Wissenschaftler fanden im Boden der Mofette deutlich mehr Reste von abgestorbenen Pflanzen und Tieren, die normalerweise von kleinen Bodentieren, Einzellern, Bakterien und Pilzen abgebaut werden.

Mit den Ergebnissen könnten die Umweltrisiken einer unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid besser beurteilt werden. Möglich seien so Rückschlüsse auf die Folgen, wenn ein solcher Speicher undicht würde.

Noch keine CO2-Speicherung im Boden

Um einen weiteren Anstieg der Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre zu vermeiden, wird auch die unterirdische Einlagerung dieses Treibhausgases diskutiert. In Deutschland gibt es derzeit allerdings noch keine wirtschaftlich genutzten untertägigen Speicher. Diese sind nach Einschätzung von Experten auch in nächster Zeit nicht zu erwarten.

Dass unterirdische Kohlendioxid-Speicher Bodenorganismen und Pflanzen beeinträchtigen, hält Jörg Frauenstein vom deutschen Umweltbundesamt in Dessau-Rosslau für unbestritten. Das belegten auch Studien des Umweltbundesamtes.

Differenzierte Risikoabschätzung nötig

Allerdings müsse es bei der Gefährdungsabschätzung eine differenziertere Bewertung geben, sagte Frauenstein. So sei der Kohlendioxid-Fluss in einer Mofette deutlich grösser als bei einem Leck aus einem unterirdischen Speicher. Zudem sei der geologische Untergrund für den Austritt von Kohlendioxid entscheidend.

An der Studie haben auch Forscher der Universitäten Wien, Greifswald und Oslo sowie des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie in Jena und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung in Leipzig mitgearbeitet. Ihre Arbeit ist im Fachjournal «Nature Microbiology» veröffentlicht worden.

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