22.08.2019 16:51
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Tabak
Bundesrat steht hinter Tabakbauern
Der Bundesrat will nicht an den Geldern für Schweizer Tabak rütteln, obwohl diese im Widerspruch stehen zur Gesundheitspolitik des Bundes. Zielkonflikte seien in der Politik weit verbreitet, schreibt er in der Antwort auf eine Interpellation von FDP-Nationalrat Marcel Dobler (SG).

In der Schweiz produzieren rund 150 Bauern Tabak. In diesem Jahr ist die Anbaufläche im Vergleich zum Vorjahr um 20 ha auf noch 400 ha gesunken. 

Finanzierungsfonds

2018 wurden 991 Tonnen Schweizer Tabak geerntet, die Zielmenge von 1000 Tonnen wurde verfehlt. Der durchschnittliche Ertrag 2018 lag bei 2'361 kg/ha mit einem Durchschnittspreis von 16.15 Fr./kg. Dieser hohe Preis sei ein Zeichen für hohe Qualität, diese habe aber nur durch sehr sorgfältige Arbeit der Landwirte erzielt werden können, teilte Swisstabac in einer Medienmitteilung Anfang Juli mit.

Für den Tabak lösten die Bauern insgesamt rund 16 Millionen Franken. Das Geld erhalten sie aus dem Finanzierungsfonds Inlandtabak SOTA. Der Fonds wird einerseits durch die Tabaksteuern gespiesen (1.30 Fr./1000 Zigaretten). Andererseits zahlen die Tabakkonzerne jährlich noch einmal direkt rund dreieinhalb Millionen Schweizer Franken in den Fonds ein, indem sie den Schweizer Tabak abnehmen.

Produktion keinen Einfluss auf Konsum

Nationalrat Marcel Dobler (FDP/SG) will vom Bundesrat wissen, wie dieser den Widerspruch, einerseits den Verkauf von Tabakprodukten staatlich immer stärker einzuschränken und gleichzeitig den Anbau des Rohstoffes durch staatliche Massnahmen zu fördern, auflösen will. In seiner Interpellation will der FDP-Nationalrat auch wissen, ob die Regierung mit dem Fonds SOTA auch den Anbau von anderen Pflanzen unterstützen würde. Dobler denkt an CBD-Hanf. Dieser passt sich gemäss dem Nationalrat besser an die Schweizer Witterungsverhältnisse an.

Zielkonflikte seien in der Politik weit verbreitet. Es gelte daher, die auf dem Spiel stehenden Interessen immer wieder neu zu gewichten, teilt der Bundesrat mit. Im konkreten Fall sind das auf der einen Seite die Interessen der Tabakbauern, die zu höheren Kosten als die ausländische Konkurrenz produzieren, auf der anderen Seite der Gesundheitsschutz. Eine Einschränkung der einheimischen Produktion hätte aber keinen Einfluss auf den Tabakkonsum, schreibt der Bundesrat.

Lange Tradition in der Schweiz

Besser für das Schweizer Klima geeignete Pflanzen - zum Beispiel CBD-Hanf - will der Bundesrat damit nicht unterstützen. Dafür fehle die gesetzliche Grundlage, schreibt er. Anpassungen sind auch im Rahmen der Agrarpolitik 22+ nicht geplant.

Das Hauptanbaugebiet für Schweizer Tabak liegt in der Broye. 85% der Tabakflächen befinden sich in der Westschweiz. Der Anbau und der Handel von Tabak in der Schweiz haben eine lange Tradition. Seit über 300 Jahren wird die Tabakpflanze angebaut. Nach einem Höhepunkt mit 6000 Pflanzern und 1450 ha während des Zweiten Weltkrieges sank die Anzahl Produzenten auf 150 und 400 ha.

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