29.06.2018 10:28
Quelle: schweizerbauer.ch - Albrecht Dreier
Smart Farming
Der Roboter soll es richten
Pflanzenschutzmittel in kleinsten Mengen ausbringen. Mit Hilfe eines Roboters soll dies gelingen.

In Galmiz im Freiburger Seeland bewirtschaftet Thomas Wyssa einen Gemüsebaubetrieb von 25 Hektaren. Wyssa ist Vorstandsmitglied der Schweizer Gemüseproduzenten und kennt daher den Druck der Öffentlichkeit auf die Produzenten, immer weniger Pflanzenschutzmittel zu verwenden. 

Multifunktionaler Pflanzenschutzroboter

Politische Vorstösse wie Trinkwasser- und Anti-Pflanzenschutz-Initiative erhöhen diesen Druck. Wyssa ist daher bestrebt, immer weniger Pflanzenschutzmittel auszubringen. Zusammen mit der Firma Hans Möri, Kartoffel- und Gemüsebautechnik Aarberg, wurde ein kameragesteuerter Hackroboter zum multifunktionalen Pflanzenschutzroboter weiterentwickelt. Dieser wird in der Entwicklungsphase vorerst im Salat eingesetzt.

Ein vom Traktor gezogener Hackroboter des holländischen Unternehmens Steketee, der mithilfe von zwei Kameras die Kulturpflanze erkennt und mit gebogenen, rotierenden Messern auch in der Reihe, zwischen den Pflanzen, jäten kann, wurde zum multifunktionalen Pflanzenschutzroboter ausgebaut. Möglich machen das die Daten der Kameras. Diese erkennen nicht nur das Unkraut, sondern auch die Grösse und Lage der Salatköpfe.

Bis 70 Prozent weniger Insektizide oder Fungizide

Der Hackroboter wurde mit Spritzdüsen ausgerüstet, nun spritzt der Roboter anhand der von den Kameras ermittelten Daten auf jede Salatpflanze eine Kleinmenge Pflanzenschutzmittel. Die Pflanze wird genau getroffen, kein Pflanzenschutzmittel wird auf den Boden, wo keine Pflanzen sind, gespritzt. Damit können zwischen 40 bis 70 Prozent Insektizide oder Fungizide eingespart werden. Die Flächenleistung beträgt ca. 25 Aren pro Stunde. Doch sind bei einer Überfahrt zwei Arbeitsgänge erledigt: Jäten und Spritzen. Die Leistung könnte erhöht werden durch Nebeneinanderkoppeln von mehreren Robotern. Die Wirtschaftlichkeit wird dies wohl in der nächsten Zeit nicht zulassen, kostet doch ein Roboter über 100'000 Franken.  

Seit Mitte April 2018 wird der Roboter auf seine Praxistauglichkeit  getestet. Mitverantwortlich für diese Tests ist Agroscope. Die Durchführung von wissenschaftlich begleiteten Praxisversuchen ist vorläufig nur bei wenigen auserwählten Gemüsekulturen möglich. Die Testphase  wird bis 2020 andauern. Das Projekt wird  vom Bund im Rahmen des AgriQnet-Programmes mit maximal der Hälfte der Kosten für die Entwicklung und technische Begleitung mitgetragen. 

Andere Kulturen

Das Ziel ist, den Roboter auch bei anderen Gemüsearten wie Kohlarten, Fenchel und Zwiebelgewächse einzusetzen. Viele weitere Einsatzmöglichkeiten sind in Entwicklung. So erkennt die mit GPS ausgerüstete Kamera Krankheiten sehr früh und gibt Angaben, wo die befallenen Stellen sind. Der Gemüseproduzent kann anhand dieser Angaben frühzeitig nur die befallenen Stellen seiner Kulturen behandeln. 

Die Kamera nimmt auch die Grösse der Pflanzen wahr, und kann, wiederum mit Hilfe von GPS, dem Produzenten Hinweise über den Erntezeitpunkt seiner Kulturen geben und damit die Ernte mit seinen Abnehmern einfacher planen.

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