5.04.2015 10:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Melioration
Drainagen verbessern nicht nur Böden, sondern auch Klima
Fast 20 Prozent der Landwirtschaftlichen Nutzfläche der Schweiz wird entwässert. Vor allem Fruchtfolgeflächen konnten mit den Drainageleitungen aufgewertet werden. Neue Entwässerungsprojekte haben es aber schwer.

In der Schweiz werden gemäss Angaben des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW)  192000 ha Land oder 18,1% der Landwirtschaftlichen Nutzfläche mit Drainageleitungen entwässert. Davon sind etwa zwei Drittel Fruchtfolgeflächen.

Boden wird besser

Entwässerungen seien nach wie vor aktuell. Und ökologisch sinnvoll, betont Jan Béguin, beim BLW für Strukturverbesserungs-massnahmen zuständig: «Die wichtigste Funktion der Entwässerung ist es, ein optimales Gleichgewicht zwischen Wasser und Luft im Boden für die pflanzliche Produktion zu gewährleisten. Denn ein Wasserüberschuss im Boden ist einer der gewichtigsten Faktoren, welche die landwirtschaftliche Produktion beschränken.» Dann bringe eine Entwässerung auch den Vorteil, dass die Maschinen einfacher in die Felder fahren könnten.  Weiter werde durch die Entwässerung das Rückhaltevermögen verbessert und damit Überschwemmungen und Erosionsprobleme vermindert.

Denn ein Boden, der nicht schon gesättigt sei, könne Wasser zurückhalten und es verzögert wieder entlassen. Demnach könnten sich Entwässerungen sogar ökologisch positiv auswirken. «Die Drainagen werden auf mehreren Ebenen eine wichtige Rolle spielen, um die Folgen des Klimawandels zu reduzieren», betont Béguin. 

Wert von 4 bis 5 Milliarden

Das BLW unterstützt die Sanierungsarbeiten mit Beiträgen zur Strukturverbesserung. «Wir schätzen den Wert sämtlicher Drainageleitungen in der Schweiz auf 4 bis 5 Milliarden», betont Béguin. Priorität hätten Drainagen in Fruchtfolgeflächen. Unterstützt würden periodische Wiederinstandstellungsarbeiten, welche alle 8 bis 12 Jahre anfallen würden, so etwa die Kontrolle mit Kameras oder punktuelle Erneuerungen. Ziel sei, mit Hilfe der öffentlichen Beihilfen das bestehende Drainagenetz zu erhalten und zu verbessern. «Der Bau von neuen Entwässerungsleitungen auf Parzellen, die noch nie entwässert wurden, wird generell nicht subventioniert», betont er. Zwar sei es heute noch grundsätzlich rechtlich möglich, im kleineren Stil neue Drainageleitungen zu bauen. «Aber man muss anfügen, dass in der Schweiz keine grossen Flächen neu drainiert werden können», betont Béguin.

Für den Bau von neuen Entwässerungsleitungen brauche es eine Baubewilligung. Für die Erneuerung von bestehenden Leitungen ist dies normalerweise nicht erforderlich», erklärt er.  Bei Gesamtmeliorationen gehe es heute in erster Linie darum, alte Leitungen zu sanieren.  Der Erhalt der Entwässerungsleitungen sei ein sehr aktuelles Problem, das sich in den nächsten Jahren noch zuspitzen werde: «Während im vergangenen Jahrhundert das Netz aufgebaut wurde, sind wir heute in einer Phase der Erhaltung und des Unterhalts.» 

Alte Leitungen

Doch die Finanzierung des Unterhalts werde zum Problem. Aufgrund einer Untersuchung wisse man, dass zwei Drittel der Drainageleitungen vor 1960 gebaut worden seien. Einige Leitungen seien gar älter als 100 Jahre. «Die momentan für den Unterhalt und Erneuerung der Drainagen ausgegebene Beträge sind deshalb längerfristig viel zu gering», betont Béguin.

Und dieser Unterhalt gestalte sich in der Praxis nicht immer einfach. Weil die Leitungen im Boden und nicht sichtbar seien, wüssten die Eigentümer oft nicht, wo sich die Leitungen genau befinden und in welchem Zustand sie sind. «Allzu oft reagieren die Besitzer auf plötzlich auftretende Probleme, statt proaktiv das Netz zu unterhalten», fügt er an.

So geht man vor

Was tun, wenn eine Sanierung einer Entwässerung ansteht? Hier die Checkliste des BLW:

  • Wem gehört was (Land, Kanalisation, Sammler, usw.)? Möglich sind: Private, Gemeinden, Flurgenossenschaften usw.
  • Was ist das Problem im Netz, woher kommt es, und welcher Perimeter ist vom Problem betroffen?
  • Welchen Koordinationsaufwand braucht es mit anderen Interessen, beziehungsweise mit anderen laufenden Projekten?
  • Wer ist betroffen, wer sind die Personen, die Spezialisten und die zu kontaktierenden Behörden, die zur Lösung beitragen können?
  • Welche Verfahren sind anzuwenden, und wer ist in der Lage, sie auszuführen?
  • Wie werden die Arbeiten finanziert?
  • Was passiert, wenn man nichts tut?
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