21.08.2017 08:04
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Forschung
Druck auf Ackerbaubetriebe steigt
Der Anpassungsdruck auf europäische Ackerbaubetriebe nimmt zu. Das ist eines der Kernergebnisse der Jahreskonferenz des Agrarökonomennetzwerkes „agri benchmark Cash Crop“, die kürzlich in Berlin stattfand.

So wies das Thünen-Institut (TI) als Netzwerkkoordinator am Dienstag vergangener Woche mit Blick auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit darauf hin, dass Russland zunehmend den Weizenmarkt dominiere.

So gingen aktuelle Prognosen davon aus, dass die Föderation 2017 einen neuen Exportrekord bei Weizen aufstellen werde und zum grössten Anbieter dieses Getreides am Weltmarkt werden dürfte. Auch von Argentinien sei ein Angebotsdruck zu erwarten, weil die dortige Produktion von Weizen und Mais massiv von der Abschaffung handelsbeschränkender Massnahmen profitiert habe. Unter diesen neuen Bedingungen hätten die argentinischen Landwirte nach Analysen von „agri benchmark“ Gewinne von bis zu 50 USD/t (48 Fr.) Weizen erzielt. Unterdessen werde die Anbaufläche in dem südamerikanischen Land deutlich ausgedehnt.

Der Staatssekretär vom deutschen Agrarministerium, Hermann Onko Aeikens, nannte als weitere Druckfaktoren die verbreitete gesellschaftliche Skepsis gegenüber aktuellen Produktionsmethoden. Hinzu kämen betriebswirtschaftliche Faktoren, die die Landwirte zu Veränderungen zwängen. Dazu gehörten die strengere Regulierung des Nährstoffüberschusses im Rahmen des Grundwasserschutzes, die abnehmende Verfügbarkeit von effektiven Pflanzenschutzmitteln und rückläufige Gewinnmargen.

Als Kernelement möglicher Anpassungsstrategien sieht der Wissenschaftler Thomas de Witte vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft die Verbreiterung der Fruchtfolge. Das hätten zwei deutsche Fallstudien ergeben. Wie de Witte im Einzelnen ausführte, müssten die Landwirte künftig mehr Sommerkulturen und - soweit ökonomisch machbar - vermehrt Blattfrüchte anbauen. Dieser Weg sei aus ackerbaulicher Sicht positiv zu bewerten und ökonomisch tragfähig. Dem TI zufolge bestätigten „agri benchmark“-Partner aus Dänemark, Grossbritannien und Frankreich, dass die meisten europäischen Landwirte vor den gleichen Herausforderungen stünden.

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