25.02.2014 08:28
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Sätechnik
«Ds Füfi u ds Weggli» mit Strip-Till
Die Vorteile einer Direkt- und einer Mulchsaat werden beim Strip-Till-Verfahren kombiniert. Die sogenannte Streifensaat ist seit ein paar Jahren auch in der Schweiz ein Thema. Vier Landwirte aus dem Bernbiet leisten Pionierarbeit.

Die Palette an Sätechniken ist breit: Während die einen auf die Direktsaat schwören, ist für andere der Pflug nach wie vor unverzichtbar. Mit der Mulch- und Streifenfrässaat geht man einen Mittelweg. Seit ein paar Jahren taucht nun ein neuer Begriff in der Schweizer Säwelt auf: Strip-Till.

Zinken lockern Streifen

In den 80er-Jahren in den USA entwickelt, ist das Strip-Till-Verfahren in der Schweiz noch wenig verbreitet. Die Idee ist simpel: Schmale Grubber-Zinken lockern den Boden in Streifen bis zur gewünschten Tiefe. Darin wird anschliessend das Saatgut abgelegt.  Zwischen den Sästreifen bleibt der Boden unbearbeitet.

Damit werden die Vorteile von Direkt- und Mulchsaat kombiniert: Die unbearbeiteten Streifen schützen vor Erosion, machen den Boden tragfähig und erhalten die Bodenstruktur. In den gelockerten Streifen erwärmt sich der Boden rascher, Verdichtungen werden gelöst, ohne eine Pflugsohle zu hinterlassen, und es entsteht kein Säschlitz. Im Gegensatz zur Streifenfrässaat erfolgt die Bearbeitung der Streifen ohne Zapfwellenantrieb und somit bodenschonender. Gerade bei nassen Bodenverhältnissen ist dies ein grosser Vorteil.

Das System Claydon

Die meisten Strip-Till-Maschinen sind auf die Einzelkornsaat ausgerichtet. Bodenbearbeitung und Saat werden in zwei Arbeitsgängen erledigt. Die Strip-Till-Maschine präpariert die Streifen, eine Einzelkornsämaschine sät später in die vorbereiteten und abgesetzten Streifen. 

Anders das System Claydon aus England: Unmittelbar nach dem Grubber-Zinken wird das Saatgut als Bandsaat durch einen Gänsefussschar abgelegt. Das Samenkorn wird dadurch auf dem festen und feuchten Saathorizont abgelegt und mit lockerer Erde bedeckt. Ein System, dass vier Landwirte und Lohnunternehmer aus dem Kanton Bern überzeugt hat.

Philipp Böhlen, Grafenried, Matthias Kummer, Limpach, Stefan Berger, Büren z. Hof, und Stefan Tellenbach, Moosseedorf, haben vor zwei Jahren ihre erste Claydon «Hybrid» Strip-Till-Säaschine gekauft. Im Sommer 2012 säten sie damit die ersten Flächen.

Breitsaat im Band

«Von Getreide über Gründüngungen bis Ackerbohnen und Raps haben wir alles gesät», sagt Philipp Böhlen. Für Einzelkornsaaten sei die Maschine aber nicht eingerichtet. Letztes Jahr schafften die vier eine zweite Claydon Hybrid an. Diesmal mit der Einrichtung zur Unterfussdüngung. «Damit können wir Dünger als Startgabe direkt unter die Saat ablegen», erklärt Böhlen.

Bezüglich Vorkultur gebe es eigentlich keine Einschränkungen. «Wir säen auch nach Kartoffeln oder Kunstwiese in den unbearbeiteten Boden», sagt Stefan Berger. Maisstroh sollte vorgängig gemulcht werden.

Hohe Flächenleistung

Ein grosser Vorteil der Maschine liege in der Wirtschaftlichkeit, betont Matthias Kummer: «Mit einer Sägeschwindigkeit von 8 bis 12 km/h haben wir eine hohe Flächenleistung. Ausserdem besitzt die Maschine ein Minimum an Verschleissteilen.» Der neue Beitrag der AP 14—17 von 200 Fr./ha für  Streifensaat mache Strip-Till zusätzlich lohnenswert.

Die Landwirte setzen die Strip-Till-Maschinen hauptsächlich auf ihren eigenen Betrieben ein, säen aber auch im Lohn für 220 Fr./ha. Der Zugkraftbedarf liege mit 150 PS etwas höher als bei einer Direktsämaschine. Mit einem Leergewicht von 1330 kg ist die 3m breite Maschine vergleichsweise leicht.

Importieren aus England

Zwei Nachteile der reduzierten Bodenbearbeitung kann auch das Strip-Till-Verfahren nicht aus der Welt schaffen: Schnecken und Glyphosat. Böhlen erklärt, wie sie diesen Problemen begegnen: «Indem wir die Felder zum Teil vor der Saat mit einem Claydon-Schwerstriegel bearbeiten, werden Schneckeneier zerstört und der Glyphosateinsatz kann auf ein Minimum beschränkt werden.»
Und wie sieht es mit den Erträgen aus? «Nach unseren bisherigen Erfahrungen sind die Erträge sicher nicht tiefer als mit anderen Sätechniken», sagt Kummer. Noch sind die beiden Claydon-Maschinen in Moosseedorf die einzigen in der Schweiz. Die vier Landwirte sind aber überzeugt vom System und importieren die Maschinen ab sofort auf Bestellung.

www.bergerundboehlen.com
Tel. 079/561'18'48

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