25.06.2018 15:53
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
Dürre: Bauern drohen hohe Verluste
In Deutschland macht den Bauern das Klima Bauschmerzen. Während in Ost- und Norddeutschland das trockene Wetter zu Ausfällen führt, haben in Westen und Südwesten Niederschläge zu Schäden geführt. Der Bauernverband fordert Unterstützung, denn den Bauern drohen hohe Ernteausfälle.

Das extrem warme und trockene Wetter macht den Bauern einen grossen Strich durch die Rechnung. «Viele Ackerbaubetriebe machen sich grosse Sorgen. Wo kein Regen fiel, wird es erhebliche Einbrüche bei den Unternehmensergebnissen geben», sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

«In Südhessen, Teilen von Nordbayern, Sachsen bis ins südliche Brandenburg ist der Boden so trocken wie seit 50 Jahren nicht», twitterte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Montag. Völlig ausgetrocknet seien die obersten 30 bis 60 Zentimeter in den betroffenen Regionen, sagte Udo Busch, Leiter der DWD-Agrarmeteorologie, der Deutschen Presse-Agentur. Dies schade allen Pflanzen, die kürzere Wurzeln haben.

Getreide gehäckselt

Die Lage sei angespannt. Im Mai habe es in Nord- und Ostdeutschland fast nicht geregnet. Die Getreideernte habe zwei Wochen früher als üblich begonnen, so Rukwied. Weil das Getreide notreif sei, seien die Erträge schwach. Der Bauernpräsident spricht teilweise von Ausfällen zwischen 50 und 60 Prozent bis hin zum Totalverlust. «Auf manchen Flächen zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern ist gar nichts mehr zu ernten. Das Getreide kann nur noch gehäckselt werden», mahnt der Bauernpräsident.

Erschwerend gemäss dem Präsidenten sind die Preise im Ackerbau. Es sei keine wirkliche Stabilisierung der Preise zu sehen. In Polen, im Baltikum und in Teilen Russlands zeichneten sich schlechte Ernten ab. «Dabei sind die Preise für Getreide zuletzt leicht gestiegen, bei Raps bleiben sie unter Druck», so Rukwied.

Staatliche Unterstützung gefordert

Im Süden und Westen hingegen haben starke Gewitter mit viel Niederschlag, Hagel und Überschwemmungen die Kulturen erheblich geschädigt. Rukwied fordert daher Unterstützung vom Staat. Denn die Ernteausfälle würden Existenzen bedrohen. Für die aktuelle Situation seien Instrumente zur Liquiditätssicherung der Landwirte notwendig. «Zusätzlich brauchen wir die Möglichkeit für Landwirte, steuerfreie Rücklagen zum Risikoausgleich zu bilden», macht Rukwied deutlich.

Auch wies er auf die Wichtigkeit der Direktzahlungen hin. «Sie sind die beste Risiko-Absicherung für die Landwirte. Die Einkommen basieren zu 45 Prozent auf den Direktzahlungen», hebt er hervor. Der Bauernverband kämpfe daher weiter für den Erhalt eines stabilen EU-Agrarbudgets. Rund 70 Prozent Europas seien ländliche Räume, deren Rückgrat die Landwirtschaft sei. Nach einem Vorschlag der EU-Kommission sollen für die deutschen Bauern von 2021 bis 2027 rund 41 Milliarden Euro bereitstehen, 3 Milliarden weniger als bisher. 

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