22.04.2020 17:25
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
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Dürre: Ist Ihr Betrieb betroffen?
Die Trockenheit in der ganzen Schweiz nimmt immer gravierendere Ausmasse an. Landwirtschaftliche Kulturen leiden unter der Dürre. Wie sieht es auf Ihren Feldern aus? Ist es bereits sehr trocken? Oder sind die Auswirkungen noch gering? Abstimmen und mitdiskutieren

In der Schweiz hat es vielerorts seit Wochen nicht mehr während längerer Zeit geregnet. «Seit Anfang Monat wurde in weiten Teilen der Schweiz kein einziger Millimeter Regen gemessen», bilanziert Mario Rindlisbacher von Meteotest gegenüber «Schweizer Bauer». 

Sehr trockener April

Gemäss SRF Meteo fallen im langjährigen Mittel im April im Flachland der Alpennordseite 60 bis 80 mm Regen. An den Messstationen Bern-Zollikofen, Basel-Binningen oder Buchs bei Aarau wurde im April 0 Millimeter registriert. Die Trockenheit wird damit von Tag zu Tag ein grösseres Problem. Insbesondere für die Landwirtschaft. 

Die ETH-Studie «Swiss Soil Moisture Experiment» erfasst seit 10 Jahren die Bodenfeuchte in der Schweiz erfasst. Dabei zeigt sich, dass der Frühling 2020 seit Beginn der Aufzeichnungen der bisher trockenste ist. 

SBV will noch nicht dramatisieren

Mais und Rüben bräuchten aber dringend Wasser. Auch das Graswachstum leidet unter der Dürre. «Ich gehe davon aus, dass die Böden noch Feuchtigkeit aufweisen, damit der Mais keimt», sagt Pierre-Yves Perrin vom Getreideproduzentenverband. Wenn in den zehn kommenden Tagen Regen fällt, falle der Schaden gering aus.

Auch Sandra Helfenstein vom Schweizer Bauernverband will die aktuelle Lage noch nicht dramatisieren: «Bis jetzt hat die Austrocknung der obersten Bodenschicht noch zu keinen grösseren Schäden geführt.» In den nächsten zwei Wochen seien Niederschläge für auflaufenden Kulturen wie auch für das Graswachstum dringend nötig. 

Trockenheit macht Bauern zu schaffen

Doch in einigen Regionen präsentiert sich die Situation bereits prekärer. «Die Trockenheit macht den Bündner Bauern zu schaffen», sagt Thomas Roffler, Präsident des Bündner Bauernverbands, zur «Südostschweiz».  Fleisch- und Milchproduzenten seien am stärksten betroffen. 

«Grünflächen können nicht bewässert werden », erklärt er. Das Gras wachse nicht mehr, und damit werde langsam die Weidefläche für das Vieh knapp, macht er deutlich. Beim Raps und beim Wintergetreide komme es zu einer Verzögerung beim Wachstum.

Omega-Lage

Wie der Spiegel schreibt, ist für die aktuelle regenarme Periode die Omega-Lage verantwortlich. Ein im Uhrzeigersinn rotierendes Hochdruckgebiet bestimmt das Wetter über Europa bestimmt. An seinen östlichen und westlichen Seiten drehen sich wiederum zwei Tiefdruckgebiete gegen den Uhrzeigersinn.

Die Wettersysteme greifen ineinander und fixieren einander. Hoch- und Tiefdruckgebiete können nicht wie üblich schnell weiterziehen. Der dringend nötige Niederschlag wird dauerhaft um Kontinentaleuropa, aber auch die britischen Inseln herumgeleitet. Weil der Strömungsverlauf an den griechischen Buchstaben Omega erinnert, wird sie Omega-Lage benannt.

Nebst dem fehlenden Nass verstärkt auch die Verdunstung an der Erdoberfläche die Trockenheit so markant macht. Die Luft in den unteren Luftschichten war ausgesprochen trocken, immer wieder wehte die Bise.

Probleme beim Futterbau

Auch im Kanton Solothurn setzt die Trockenheit der Landwirtschaft zu. Die Kulturen können nicht mehr wachsen. «Die Folgen sind schwierig abzuschätzen», sagt Martin Flury zur «Solothurner Zeitung». «Die aktuelle Trockenheit kann zu Ausfällen 500 bis 10000 Franken führen», fährt er fort. Auf den Feldern des Landwirts aus Deitingen SO wachsen Sonnenblumen, Zuckerrüben, Getreide und Gras.

Bei der Futterproduktion erleide ein Landwirt bereits Schäden aufgrund der eingekauften Samen, die keinen Ertrag bringen. Anschliessend müsse er nochmals Saatgut einkaufen und einsäen. Es fehle nun aber an Gras, um Heu zu produzieren. So müsse der Landwirt zusätzliches Futter einkaufen. Und das werde wiederum teuer, wenn die Nachfrage steige, so Flury. Bewässerungsanlagen könnten zwar Abhilfe schaffen. «Dafür braucht man eine Bewilligung und nur wenige Betriebe sind mit einer Anlage ausgerüstet», erklärt Flury der «Solothurner Zeitung». 

Wasserbedarf nicht gedeckt

Die Trockenheit der Böden wirkt bei der Pflanzenproduktion in der Schweiz ertragslimitierend, da es zu Wasserdefiziten kommt. «Die Pflanzen können über die Wurzeln nicht mehr genügend Wasser aufnehmen, um ihren Wasserbedarf voll zu erfüllen», sagt Annelie Holzkämper von der Forschungsgruppe Klima und Landwirtschaft der Forschungsanstalt Agroscope zum landwirtschaftlichen Informationsdienst. 

Auf tiefgründigeren Böden treten solche Wasserdefizite meist weniger schnell auf, da tiefwurzelnde Pflanzen auf Wasser aus tieferen Bodenschichten zurückgreifen können, sagt sie weiter. «Als Hotspots landwirtschaftlicher Trockenheit treten der südwestliche Teil des Schweizer Mittellands sowie das Rhone-Tal hervor», sagt Annelie Holzkämper. Ihre Forschungsgruppe hat dies anhand von Modellen am Beispiel von Mais berechnet.

Junge Obstbäume fehlt Wasser

Auch im Obstbau gibt es Probleme. Vor allem für Jungbäume sei die Trockenheit ein Problem «Wir müssen darauf achten, dass sie ausreichend Wasser bekommen», sagt Ralph Gilg, Präsident des Thurgauer Obstverbandes. zum «St. Galler Tagblatt». Ältere würden dank ihres Wurzelwerkes an Wasser kommen.

In den kommenden Tagen dürfte sich die Trockenheit weiter verschärfen flächiger Regen ist nicht zu erwarten. Am Donnerstag, Freitag und Samstag bleibt es trocken. Einzelne Wolken ziehen vorüber, diese bleiben harmlos. Es wird zwischen 20 bis 25 Grad warm. 

Kein Landregen in Sicht

Auch am Sonntag und Montag bleibt es trocken und sonnig. Erst am Dienstag und Mittwoch steigt die Schauerneigung an. Niederschläge sind aber am ehesten in den Bergen und im Süden zu erwarten. Die Temperaturen gehen zurück und erreichen 17 bis 21 Grad. 

Auch die mittelfristigen Prognosen sehen bezüglich Regen nicht gut aus. Mittelfristig scheint flächiger Regen unwahrscheinlich. Die langfristige Entwicklung ist unsicher. «Die Modelle unterscheiden sich. Es besteht also noch etwas Hoffnung, dass das Niederschlagsdefizit etwas ausgeglichen werden kann», meint Rindlisbacher von Meteotest.

-> Ortsprognosen gibt es hier

Ähnlich wie 2003 und 2018 

Eher pessimistisch stimmt der Blick auf die Vergangenheit: «Der Frühling 2020 ist mit dem Hitzesommer 2003 und 2018 durchaus zu vergleichen», sagte Manfred Stähli, Leiter Forschungseinheit an der eidgenössischen Forschungsanstalt WSL, gegenüber SRF.

Wie sieht es auf Ihren Feldern aus? Ist die Lage bereits prekär? Oder hat die Trockenheit bei Ihnen noch keine Auswirkungen? Abstimmen und mitdisktutieren

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