30.07.2013 07:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Ackerbau
Ein Acker, zwei Kulturen, viele Vorteile
Mischkulturen – meist Gerste-Eiweisserbsen-Gemenge – sind im Aufwind. Das FiBL und Bio Suisse unterstützen den Anbau seit Jahren. Nun sollen sie auch in der Agrarpolitik 2014–2017 gezielt gefördert werden.

Der Anbau von Mischkulturen (vor allem Eiweisserbsen-Gerste- oder Ackerbohnen-Hafer-Gemenge) soll in der Schweiz gefördert werden. In der Agrarpolitik 2014–2017 (AP 2017) werden sie deshalb erstmals explizit aufgeführt.

Hans-Ulrich Tagmann vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) erklärt: «Der Leguminosenanbau in Mischkulturen hat viele Vorteile: Er erweitert die Fruchtfolge, bringt Stickstoff in den Boden und liefert Eiweissträger und Getreide zur Fütterung. Dabei ist die Ertragssicherheit grösser, als wenn Leguminosen in Reinkultur gesät werden.»

30 Prozent Leguminosen

Bisher haben die Kantone in Absprache mit dem BLW über die Beitragsausrichtung für Körnerleguminosen in Mischkulturen entschieden. Gemäss Anhörungsvorlage ist vorgesehen, dass Mischkulturen ab 2014 mit 1000 Franken pro Hektare unterstützt werden. Dies allerdings nur, wenn mindestens 30 Prozent des Ernteguts aus Leguminosen bestehen. «Der Bundesrat wird  wohl Ende Oktober über das Verordnungspaket zur AP 2017 entscheiden», so Tagmann.

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Bio Suisse und die Migros kämpfen schon lange dafür, dass die Mischkultur-Anbaufläche ausgedehnt werden kann.

Von 20 auf 400ha

«Das FiBL führt schon seit vier Jahren Anbauversuche durch», erklärt Hansueli Dierauer vom FiBL. Zudem habe man nach Abnehmern für das Bio-Erntegut gesucht und mit den Mühlen Lehmann und Rytz und später der Fenaco auch gefunden. «So konnten wir die Anbaufläche von 20 auf 400 Hektaren steigern. Es wären aber noch deutlich grössere Flächen nötig, um den Bedarf an Leguminosen zumindest teilweise decken zu können.» Die Anbauversuche werden laut Dierauer von der Migros unterstützt, denn auch diese habe Interesse daran, dass die Landwirtschaft Alternativen zur Importsoja habe. Bio Suisse wiederum stützt den Leguminosenpreis mit Fr. 15.–/100kg aus einem Fonds.

Für Dierauer sind die 30 Prozent Leguminosenanteil im Erntegut von Mischkulturen kein Problem: «Dies sollte man erreichen, wenn man die Anbauempfehlungen befolgt.»

Erntegut aufgetrennt

Die Mischungen werden, wie «normales» Getreide, nach Absprache von den Sammelstellen angenommen. Wie Andreas Rohner von der Fenaco betont, übernimmt die Fenaco je nach Sammelstelle die gängigen Mischungen aus dem Biolandbau. Bevorzugt werden aber jene aus Eiweisserbsen und Gerste.

«Grundsätzlich ist die Weiterverarbeitung der Mischungen aufwendiger», weiss Rohner, «denn sie können nicht homogenisiert werden, und die Mischung ist weniger universell einsetzbar.» Deshalb würden die Mischungen meist separiert, was je nach Abnehmer Fr. 3.– bis Fr. 4.–/100kg kostet. Vereinzelt werden Mischposten nach der Bestimmung der Anteile aber auch direkt gemahlen. Die Auszahlung der Bauern erfolgt aufgrund des Gewichts der Einzelkomponenten.

Trotz Mehraufwand begrüsse die Fenaco den Anbau von Mischkulturen, macht Rohner deutlich, «dies, obschon die Mehrkosten mit dem Separierungsbeitrag im Endeffekt nur knapp gedeckt sind». Dank der Mischkulturen erhalte die Fenaco nämlich mehr der äusserst gesuchten Leguminosen als Sojaersatz.

FiBL-Anbautipps für Mischkulturen

Für den Anbau von Mischkulturen ungeeignet sind flachgründige, zur Trockenheit neigende Böden. Eiweisserbsen bevorzugen mittelschwere Böden mit einem pH-Wert über 6. Ackerbohnen können auch auf schweren, kalkreichen Böden angebaut werden. Sie sind robuster und eignen sich für niederschlagsreichere Gebiete. Die Mischungen können im Herbst oder im Frühling gesät werden.

Bei Herbstsaaten erfolgt die Blütenbildung vor den Trockenperioden, die Pflanzen ertragen auch Blattlausbefall besser. Allerdings kann es an exponierten Orten zu Auswinterungsschäden kommen. In höheren Lagen ist deshalb eine Frühjahrssaat ab Februar angezeigt. Dann ertragen Erbsen oder Bohnen Spätfröste bis –4°C. Die Mischungen können mit einer normalen Getreidesämaschine gesät werden (Saattiefe 3 bis 4cm). Erbsen oder Ackerbohnen können auch zuerst als Einzelkorn tiefer gesät und das Getreide  danach eingedrillt werden. sum

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