1.08.2020 11:53
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Bigler
IP-Suisse
«Ein Jahr ist kein Jahr»
Daniel Schwab aus Leuzigen BE baut seine Zuckerrüben heuer erstmals nach IP-Suisse-Richtlinien an, ohne Insektizide und Fungizide. Der Blattlaus-Befall in diesem Frühling war enorm. Doch aussteigen kommt nicht in Frage.

Für Daniel Schwab ist es wichtig, ab und zu etwas Neues auszuprobieren. «Das erhält einen jung und ist für mich ein Ansporn», sagt er mit einem Schmunzeln.

Komposttee und Mikroorganismen

Neu ist in diesem Fall, dass der langjährige Zuckerrübenproduzent seine Rüben nach IP-Suisse-Standards anbaut. Das entspricht seiner Philosophie, möglichst wenig Pflanzenschutzmittel einzusetzen. «Ich baue schon lange IP-Suisse-Getreide an, und die Rüben lasse ich bereits seit drei Jahren vom Lohnunternehmen Brauen hacken, in Kombination mit Bandspritzung», erzählt er. «Hacken tut den Rüben gut.»

Nun geht er noch einen Schritt weiter und verzichtet in den Rüben auch auf Insektizide und Fungizide. Ganz tatenlos zugesehen hat er jedoch in diesem Frühling nicht, als seine Rüben voller Blattläuse waren. «Zum Auflaufen habe ich einmal Komposttee gespritzt zur Vitalisierung, und im 8-Blatt-Stadium habe ich EM (effektive Mikroorganismen) gespritzt. Das hat etwas geholfen gegen die Blattläuse.» Mittlerweile stehen die Rüben wieder gut da. 

Drei Jahre durchziehen

Mitte Juli hat Schwab noch einmal EM gespritzt, nun wird er nichts mehr unternehmen. Allfälligen Cercospora-Blattflecken-Befall wird er aushalten. «Mir ist bewusst, dass meine Rüben wohl im September nicht aussehen werden wie andere. Doch ist das überhaupt nötig?», fragt er sich.

Betriebsspiegel Schwab

30 ha LN; je zwei Hektaren Zuckerrüben, Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste, Silomais, Raps; 10 Angus-Mutterkühe und 90 Mastplätze für das Programm «Swiss Black Angus» von IP-Suisse. big

Für den Meisterlandwirt ist klar, dass er nicht aus dem Label-Anbau aussteigen wird, auch wenn der Krankheitsdruck gross ist. «Wenn ich aussteigen würde, wüsste ich ja nicht, wie es am Schluss ertragsmässig aussähe.» Für ihn gelte «ein Jahr ist kein Jahr» und so werde er diese Anbauweise mindestens zwei, drei Jahre konsequent durchziehen. Dann werde man sehen, ob diese Anbaustrategie auch wirtschaftlich aufgehe.

Boden ist das A und O

Um für seine Kulturen eine optimale Grundlage zu schaffen, setzt der Ackerbauer und Rindviehmäster auf den alten Grundsatz: «Fruchtbarer Boden gibt auch gesündere Pflanzen.» Er bewirtschaftet seinen Betrieb schon lange pfluglos. Früher hat er Direktsaat betrieben, heute bearbeitet er den Boden oberflächlich und setzt Rottelenker (EM) ein. Wichtig bei dieser sogenannten «regenerativen» Bewirtschaftung ist auch die Aussaat von Gründüngungen. 

Die Rüben stehen bei Schwab alle sechs Jahre in der Fruchtfolge, meist nach Getreide, oder nach Mais. Im Frühling fräst er die überwinternde Gründüngung oberflächlich ein, rund zehn Tage später macht er einen Durchgang mit der Federzahnegge und sät anschliessend die Rüben mit der Direktsaat-Sämaschine. 

Eine wertvolle Kultur

Was den Zuckerrübenanbau angeht, denkt Schwab auch noch in grösseren Zusammenhängen: «Rüben sind für mich wertvoll in der Fruchtfolge, da sie viel Kali aus dem Boden mobilisieren, das dann im Rübenlaub auf dem Feld zurückbleibt. Das ist gut für den Mais.» Auch die enorme Menge Sauerstoff, die eine Hektare Rüben produziert, beeindruckt den Landwirt.

Und versorgungstechnisch gesehen gebe es kaum eine andere Kultur, die so viele Kalorien pro Fläche liefere wie die Rübe. Es sei deshalb zu hoffen, dass der Rübenanbau in der Schweiz erhalten bleibe. Mit dem IP-Suisse-Anbau sieht er gute Chancen, dass Schweizer Zucker auch künftig gefragt bleibt. 

AgroBeta-Blog

Ronald Fischer ist Inhaber der AgroBeta GmbH in Steffisburg, er vertritt unter anderem die Saatzuchtfirma Strube D&S in der Schweiz. Dem Flächenrückgang der letzten Jahre will er nicht untätig gegenüberstehen. Insbesondere jüngeren Betriebsleitern möchten er und seine Co-Autorin Doris Bigler anhand von Anbauerporträts und Fachartikeln aufzeigen, was in den Zuckerrüben alles drinsteckt. Er ist sich bewusst, dass es auch schwierige Anbaujahre infolge neuer Schädlinge oder wetterbedingter Gründe gibt und dass die Preise nicht mehr wie vor 15 Jahren sind.

Aber er ist dennoch überzeugt: Die Zuckerrübe ist eine Kultur mit hohem Deckungsbeitrag und mit wichtigem Fruchtfolgewert – und sie verlangt eine gewisse Professionalität im Anbau. Über diese positiven Dinge soll auch gesprochen werden. Sein Ziel ist es, die Vorteile des Zuckerrübenanbaus via dem im Juni gestarteten AgroBeta-Internet-Blog und Facebook/Instagram über den Kreis der bisherigen Pflanzer hinauszutragen. Der symbolische Begriff Rüben-Rallye (RallyeBetteraves) soll helfen, neue Zuckerrübenflächen gewinnen zu können. Der Blog wird unterstützt von Strube D&S, von der Schweizer Zucker AG sowie von AgroBeta GmbH und IP-Suisse. big

www.agrobeta.ch @agrobetach #RübenRallye

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