27.10.2013 19:18
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Gülle
Eine gesunde Gülle ist dunkelgrün
Eine Schweizer Erfindung verspricht gesunde Gülle. Wieso dies wichtig ist und wie es funktioniert, wurde am Kroni-Tag erklärt.

Wer hats erfunden? Die Schweizer. Dies gilt auch für das Produkt Güllemax. Erfunden im Jahr 1948 durch den Schweizer Robert Gely, wird der Gülleverbesserer heute in Österreich von der Firma Hechenbichler hergestellt und in der Schweiz durch die Firma Kroni vertrieben. Das flüssige Produkt besteht aus  pflanzlichen, ätherischen und mineralischen Ölen, ist also auch für Biobetriebe einsetzbar.

«Wundermittel gibt es nicht. Wenn ein Produkt so lange auf dem Markt verkauft wird, muss etwas dran sein», sagt Senad Mujkic. Der Berater der Firma Hechenbichler begrüsste am Donnerstag rund 25 Landwirte in Amsoldingen BE. Die Kroni-Fachtagung fand im hellen Futtertenn des Milchviehstalles der Familie Meier statt. 

Gülle muss verrotten

Schwimmschichten im Gülleloch, schlecht abfliessende Schwemmkanäle, Gestank bei der Gülleausbringung oder Wiesenverunkrautung sind verbreitete Probleme. «Güllemax ist Nahrung für die guten Bakterien in der Gülle», erklärt Mujkic. Dies bewirke, dass die Gülle verrotte und nicht verfaule. Eine schwarze, faulige Gülle ist schlecht pflanzenverträglich und verliert Nährstoffe. Bei der erwünschten Verrottung binden die Bakterien Stickstoff, die Gülle hat eine dunkelgrüne bis braune Farbe.

«Gülle mit Wasser verdünnen und regelmässig rühren sind bewährte Methoden, um die Fliessfähigkeit zu erhalten», so Mujkic. Aber: «Jeder Kubikmeter, der transportiert werden muss, kostet, und jedes Rühren führt zu Ammoniakverlusten.» Güllemax verbessere die Fliessfähigkeit und den Geruch der Gülle und vermindere Nährstoffverluste. Ausserdem löse es Kotverkrustungen im Stall.

Stimmen aus der Praxis

Eben doch ein Wundermittel? Einige der anwesenden Landwirte setzen bereits Güllemax ein. «Es stimmt, meine Gülle ist fliessfähiger», meint einer. «Ich habe trotzdem eine kleine Schwimmschicht in der Güllengrube», sagt ein anderer. Im Stall setze der Schmutz jedoch deutlich schlechter an den Wänden an, und es habe auch weniger Fliegen. «Beim Güllen mit dem Schleppschlauchverteiler gibt es bei mir immer noch diese Güllestreifen im Gras», stellt ein Landwirt fest. «Die Kühe fressen jedoch bereits eine Woche nach dem Güllen das Gras problemlos.»

Im 200-Liter-Fass kostet Güllemax 8.80 Fr./l. In einem Stall mit 30 GVE sollen laut Empfehlung von Kroni wöchentlich drei Liter davon eingesetzt werden. Der Güllemax-Rechner auf der Internetseite der Firma Hechenbichler verspricht allerdings, dass diese Kosten mit dem verbesserten Stallklima, der guten Futterqualität und dem geringeren Reinigungsaufwand mehr als wettgemacht werden.

Häufiger Schwefelmangel

Ebenfalls ein Problem ist laut Berater Mujkic die Schwefelversorgung im Feld. Dadurch dass die Luft immer sauberer werde, nehme auch der Schwefeleintrag in die Böden ab. «Im Hofdünger hat es nicht genügend Schwefel, um den Bedarf von Grünland zu decken», so der Österreicher.

Schwefel ist wichtig für die Proteinbildung im Futter. Er fördert die Stickstoffaufnahme und stärkt die Pflanzen gegen Rostkrankheiten. «Herkömmliche Schwefeldünger bestehen hauptsächlich aus wasserlöslichen Sulfaten», erklärt Mujkic. Diese würden schnell ausgewaschen. Elementarer Schwefeldünger wirke langanhaltender und besser. Durch die Zugabe des Schwefels direkt in die Güllegrube entfalle auch die separate Ausbringung. «Ich habe Gülle-Schwefel eingesetzt und einen deutlichen Unterschied bemerkt», meldet sich ein Landwirt zu Wort. «Mein Gras war fast blau.»

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