7.03.2014 15:07
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Biolandbau
Erträge bleiben auf Biobetrieben stabil
Agroscope hat auf 34 Betrieben die Auswirkungen langjähriger biologischer Bewirtschaftung untersucht. Dabei zeigte sich: Mit den richtigen Massnahmen ist biologischer Ackerbau ist auch langfristig erfolgreich.

Diverse Studien zeigen, dass im biologischen Landbau insgesamt geringere Erträge erzielt werden. Bis anhin war aber unklar, ob die Erträge mit langjähriger Biobewirtschaftung weiter abnehmen. Nun haben Agroscope-Forscher in einer Untersuchung auch mit zunehmender Dauer der biologischen Bewirtschaftung stabile Silomais- und Winterweizenerträge festgestellt.

Auf Bioparzellen wurden dabei um ein Fünftel kleinere Winterweizenerträge erzielt als auf konventionell bewirtschafteten Ackerflächen. Die Silomaiserträge dagegen waren in etwa gleich hoch wie die konventionell produzierten.

Unkrautdruck stabil

Der Unkrautdruck nimmt zwar bereits kurze Zeit nach der Umstellung auf Bio zu. Er verstärkt sich aber nicht in jedem Fall mit der Dauer der biologischen Bewirtschaftung: Tatsächlich haben «ältere» Biobetriebe im Ackerbau gemäss der Agroscope-Studie oft nicht mehr Unkrautprobleme als kürzlich umgestellte oder «jüngere» Biobetriebe (Definition siehe Kasten).

Es gibt Betriebe, die seit über 15 Jahren bio sind und die den Unkrautdruck auch langfristig gut unter Kontrolle halten. Wichtig dafür sind geeignete Standortvoraussetzungen wie Bodenart, Niederschlagsintensität und Unkrautsamenpotenzial, aber auch eine angepasste Unkrautmanagement-Strategie. Sie umfasst vorbeugende Massnahmen wie eine vielfältige Fruchtfolge, das Vermeiden von zu frühen Aussaatterminen bei Wintergetreide, das Verhindern des Verschleppens von Unkrautsamen mit Maschinen oder mehrfaches Striegeln und Hacken.

Die Agroscope-Studie

Während zwei Jahren hat Agroscope auf 34 Betrieben in den Kantonen Aargau, Zürich und Thurgau Untersuchungen zum Unkrautdruck, zur Bodenfruchtbarkeit und zum Ertrag auf Ackerparzellen durchgeführt. Untersucht wurde pro Betrieb eine Parzelle, auf der  2011 Silomais und 2012 Winterweizen angebaut wurde. Die beteiligten Betriebe wurden anhand der Dauer der Bio-Bewirtschaftung in vier Gruppen unterteilt: ÖLN-Betriebe (Kontrollgruppe), kürzlich umgestellte Bio-Betriebe (seit zwei bis vier Jahren bio), «jüngere» Biobetriebe (seit zehn bis 14 Jahren bio) und «ältere» Biobetriebe (seit über 15 Jahren bio). sum

Boden fruchtbar halten

Um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten, ist es laut Agroscope wichtig, die Nährstoffversorgung langfristig sicherzustellen und humusreiche Böden zu bewahren. Ob im Biolandbau die Nährstoffverfügbarkeit in den Böden im Laufe der Zeit abnimmt, ist   umstritten. Auf den untersuchten Biobetrieben, die alle über eigene Hofdünger verfügen, konnte keine Unterversorgung für die Nährstoffe Phosphor, Kalium und Magnesium festgestellt werden.

Auch die auf den untersuchten Parzellen gefundenen Mengen an mikrobieller Biomasse schneiden im schweizerischen Vergleich gut ab. Die meisten Parzellen wiesen normale bis hohe Werte aus. Zwischen den Betriebsgruppen konnten aber keine bedeutenden Unterschiede festgestellt werden, und ein Trend zur Veränderung der mikrobiellen Biomasse mit zunehmender Dauer der biologischen Bewirtschaftung war nicht erkennbar.

Die Untersuchungen der Pflanzenwurzeln zeigten, dass alle Parzellen mit Mykorrhizapilzen  besiedelt waren. Diese Bodenpilze gehen eine Symbiose mit den Wurzeln der meisten Kulturpflanzen ein. Dabei übernehmen Pilzfäden teilweise die Funktion von Wurzelhaaren und unterstützen die Pflanze vor allem bei der Nährstoffaufnahme, hauptsächlich von Phosphor, aber auch von Stick-stoff, Kalium und Zink. Beim Winterweizen konnte der positive Einfluss der biologischen Bewirtschaftung beobachtet werden: Auf den biologisch bewirtschafteten Parzellen waren die Getreidewurzeln signifikant stärker von Mykorrhiza-Pilzen besiedelt als auf den  ÖLN-Parzellen.

Höhere Biodiversität

Literaturübersichten zeigen, dass die biologische Bewirtschaftung generell einen positiven Einfluss auf die Biodiversität hat. Dies bestätigte sich in dieser Studie für die Anzahl Arten der Ackerbegleitflora. Auf den Bioparzellen kamen im Durchschnitt dreimal so viel Arten vor wie auf den ÖLN-Parzellen. Die Ackerbegleitflora bildet die Nahrungsgrundlage für diverse Insekten.  Die biologische Bewirtschaftung unterscheidet sich von der ÖLN-Bewirtschaftung am markantesten durch ein höheres Aufkommen von Beikräutern, eine höhere Artenzahl sowie durch die Förderung von nützlichen Bodenpilzen, was zu einer höheren Biodiversität führt.

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