9.03.2015 13:47
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Maiswurzelbohrer
Fadenwürmer killen Maiswurzelbohrer
Von Insektenlarven angeknabberte Maiswurzeln können über chemische «Hilferufe» die Feinde ihrer Feinde anlocken: Winzige, bodenlebende Fadenwürmer, sogenannte Nematoden. Nun haben Neuenburger Forscher eine extra schlagkräftige Fadenwurm-Kampftruppe gezüchtet.

Der Fadenwurm der Art Heterorhabditis bacteriophora ist ein besonders energischer Kämpfer gegen den Schädling Maiswurzelbohrer, dessen Larven Maiswurzeln fressen. Die knapp einen Millimeter grossen Würmer dringen durch Körperöffnungen in die Käferlarven ein. Dort setzen sie Bakterien frei, die die Larven abtöten.

Allerdings reagiert der Fadenwurm vergleichsweise schwach auf den chemischen Lockruf der Maiswurzeln, wie das Bundesamt für Umwelt (BAFU) in einer Mitteilung schreibt. Deshalb hat das Forschungsteam um Ted Turlings von der Universität Neuenburg ein Züchtungsprogramm gestartet, das mit einem Wettrennen begann.

Wettrennen für Würmer

Um jene Würmer auszuwählen, die am besten auf den Lockruf reagieren, mass das Team, wie schnell die Fadenwürmer in einem Labyrinth eine Duftquelle mit synthetischem Maislockstoff erreichen können. Die 500 schnellsten Exemplare wurden zur Vermehrung ausgewählt. Sechsmal wiederholten die Forscher dieses Auswahlverfahren.

Die so entstandene Truppe - von den Forschern «Speed Team» getauft - absolvierte den Parcours in fünf statt zwölf Stunden und tötete im Freilandversuch doppelt so viele Larven wie die Gründergeneration.

Mit mehr als 20'000 Arten sind Fadenwürmer die grösste Gruppe unter den vielzelligen Tieren und wichtiger Bestandteil des Bodenlebens. Je nach Art fressen sie Pflanzenteile, Algen, Bakterien oder Pilze. Gärtner und Landwirte setzten gezüchtete Fadenwürmer unter anderem gegen Erdraupen, Nacktschnecken oder Maulwurfsgrillen ein; besonders wirksam sind sie gegen Wurzelschädlinge.

Rar in Schweizer Äckern

Im Rahmen des laufenden Nationalen Forschungsprogramms «Ressource Boden» (NFP 68) erfassen die Forschenden die Artenzusammensetzung, Dichte und Leistungsfähigkeit von Nematoden in verschiedenen Böden in der Schweiz, sowie Kombinationen mit anderen nützlichen Mikroorganismen wie Bakterien und symbiotischen Pilzen.

«Wir wollen herausfinden, inwieweit sich die Bodenqualität und der Ertrag von Kulturpflanzen durch den Einsatz von Nematoden verbessern lassen», erklärte Turlings in der Mitteilung. Die ersten Ergebnisse weisen darauf hin, dass in Schweizer Ackerböden die Anzahl an insektenvernichtenden Nematoden sehr niedrig ist. Das Forschungsteam sucht nun nach Strategien, um diese Anzahl zu erhöhen. Die UNO-Generalversammlung hat das Jahr 2015 zum Internationalen Jahr des Bodens erklärt. Um die Bedeutung der Bodenlebewesen für den Menschen sichtbar zu machen, stellen das BAFU und das Nationale Forschungsprogramm «Ressource Boden» jeden Monat einen Organismus vor.

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