23.02.2017 15:12
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Bern
Gefährliche Kartoffelkrankheit entdeckt
In mehreren Gärtnereien im Kanton Bern wurde die bisher in der Schweiz unbekannte Kartoffel- und Tomatenkrankheit Ralstonia solanaceraum entdeckt. Der bakterielle Erreger, die Braunfäule, wurde aus den Niederlanden eingeschleppt. Dies berichtet die «Berner Zeitung» in ihrer Donnerstagsausgabe.

Das Bakterium Ralstonia solanacearum wurde Anfang des 19. Jahrhundert erstmals an Tomaten entdeckt. Erst rund 50 Jahre später wurde der Erreger auch an Kartoffeln nachgewiesen. Es ist weltweit die bedeutendste Bakterienkrankheit, schreibt der amtliche Pflanzenschutzdienst Niederösterreich. Die Verbreitung reicht von Europa, Afrika, Asien über den Mittelmeerraum bis Australien und Südamerika.

Durch Rosenstöcke eingeschleppt

Nun wurde die Braunfäule erstmals in der Schweiz nachgewiesen. Die Krankheit wurde Anfang Januar in einer Gärtnerei bei Biel sowie in einer Gärtnerei bei Solothurn entdeckt. Bei drei Gärtnereien im Kanton Bern und zwei im Kanton Zürich besteht der Verdacht auf das Bakterium.

Eingeschleppt wurde der Erreger aus den Niederlanden. «Wir wurden im letzten November vom dortigen Pflanzenschutzdienst darüber informiert, dass Rosenstöcke mit Verdacht auf eine Kontamination in die Schweiz geliefert wurden, und haben sofort eine Untersuchung eingeleitet», sagt Gabriela Schachermayr vom eidgenössischen Pflanzenschutzdienst gegenüber der «Berner Zeitung». Es seien umgehend umfassende Tilgung- und strenge Hygienemassnahmen ergriffen worden. Die Rosen wurden verbrannt, die Gewächshäuser und Wasserleitungen wurden desinfiziert.

Kartoffelbauern beunruhigt

Weshalb wurden die Öffentlichkeit und im Besonderen die Bauern nicht schon früher über das Auftreten des Bakteriums informiert? Zusammen mit den kantonalen Pflanzenschutzdiensten hat das Bundesamt für Landwirtschaft entschieden, erst beim Vorliegen der Laborereignisse zu informieren. Seltsam mutet bei dieser Kommunikation der Behörden aber an, dass diese erst auf Anfrage einer Zeitung die Fälle bestätigte und nicht aktiv informierte.

Für die Bauern im Berner Seeland bestehe «derzeit» keine Gefahr, versichert Schachermayr. Die Bakterien wurden bisher nur in geschlossenen Systemen, also Gewächshäusern, nachgewiesen. Besorgter hingegen sind die Kartoffelbauern. «Würden die Bakterien in die Natur gelangen, könnte das fatale Konsequenzen haben», sagt Geschäftsführerin Christa Kunz der «Berner Zeitung». Sie hofft, dass mit entsprechenden Massnahmen die Situation unter Kontrolle gebracht werden kann.

Gemäss Schachermayr sind die betroffenen Rosenstöcke nicht weiterverkauft worden. Zudem sei das Bakterium erst in Gewächshäusern nachgewiesen worden. «Wir wissen nicht, ob es in unseren Breitengraden in der freien Natur überleben würde», so Schachermayr.

Biologie und Schadbild:

Bei Befall können anfangs die Symptome leicht mit anderen Welkekrankheiten verwechselt werden. Um die Mittagszeit welken die Blätter an den Triebspitzen und regenerieren sich nachts wieder. Bei längerer Krankheit stirbt die Pflanze auf Grund des geringen Wassertransportes ab.

An den Knollen besteht oft latenter Befall (d.h. es sind keine Krankheitszeichen sichtbar). Charakteristische Symptome an Kartoffelknollen sind äusserlich an den Augen austretende Schleimtröpfchen und bei einem Längsanschnitt ist eine gelbe bis hellbraune Verfärbung am Gefäßbündelring zu erkennen, welche sich später deutlich braun färbt. Nach einigen Minuten oder durch Druck tritt grau-weisser Schleim aus.

Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt, infiziertes Saatgut, infizierten Durchwuchs oder Oberflächenwasser. Eine weitere Infektionsquelle stellt der indirekte Kontakt mit kontaminierten Geräten, Förderbändern usw. dar. Pflanzenschutzdienst Niederösterreich

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