22.08.2015 08:40
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Boden
Glyphosat bremst die Regenwürmer
Herbizide mit dem Wirkstoff Glyphosat reduzieren nicht nur die Aktivität und die Vermehrung der Regenwürmer. Sie führen auch zu erhöhten Nitrat- und Phosphatwerten im Boden. Das zeigt eine neue Studie.

Herbizide mit dem Wirkstoff Glyphosat  stören Stoffwechselprozesse, die nur in Pflanzen vorkommen. Sie galten lange als unbedenklich für alle nicht pflanzlichen Organismen. In der Schweiz werden jährlich schätzungsweise 300 Tonnen Glyphosat eingesetzt. Der Wirkstoff findet sich in rund 70 zugelassenen Produkten, darunter im Herbizid Roundup.  

Weniger Nachkommen

Obwohl diese Mittel seit vier Jahrzehnten weltweit verwendet würden, sei  über die Nebenwirkungen auf  Nicht-Zielorganismen und über die Konsequenzen für Nährstoffkreisläufe in Ökosystemen noch immer sehr wenig bekannt, schreiben Forscher der Universität für Bodenkultur Wien   (Boku) in einer Mitteilung. Sie untersuchten die Folgen von Glyphosat. «Im Gegensatz zu anderen Studien, die die Wirkung von Herbiziden auf Nicht-Zielorganismen im Labor  untersucht haben, versuchten wir im Gewächshaus  die Voraussetzungen im Feld einigermassen realistisch nachzubilden», erklärt Mailin Gaupp von der Boku.

«Das verwendete Unkrautvernichtungsmittel mit dem Hauptwirkstoff Glyphosat hatte in der vorgeschriebenen Dosis die Aktivität von tief grabenden Regenwürmern dramatisch reduziert, horizontal bohrende Regenwürmer brachten nur mehr halb so viele Nachkommen zur Welt als unter Nicht-Herbizid Bedingungen.»

Risiko von Auswaschung

Ein weiteres Ergebnis der Studie war, dass nach dem Herbizideinsatz die Menge an pflanzenverfügbaren Nitrat und Phosphat im Boden stark erhöht war. «Wir erklären uns diesen Befund durch den Wegfall des Pflanzenbewuchses nach der Herbizidbehandlung. Nährstoffe, die normalerweise von Pflanzen aufgenommen werden, sind plötzlich ungenutzt im Boden und laufen Gefahr, ausgewaschen zu werden», so Boris Rewald vom Institut für Waldökologie der Boku.

«Wenn man berücksichtigt, dass mit dem Klimawandel eine Zunahme an Starkregenereignissen zu erwarten ist, würde dies mit einer Kontamination benachbarter Gewässer oder des Grundwassers einhergehen. Derartige Prognosen sollten noch durch Experimente unter Feldbedingungen abgesichert werden.»

Unsicherheit steigt

Mit der Zunahme an Studien, die über negative Effekte von Pestiziden auf Mensch und Umwelt berichten, steigt auch die Skepsis, ob der Nutzen im Verhältnis zu den Kosten für Gesundheit und Umwelt steht.  Diese   Sensibilisierung gegenüber Herbiziden findet laut der Boku   vorwiegend in Mitteleuropa statt, während in anderen Ländern  enorme Zuwächse im Einsatz dieser Produkte zu verzeichnen sind.

Sensibilisiert ist auch Johann Zaller von der Boku: «Diese gravierenden Auswirkungen haben uns sehr überrascht und man fragt sich, wieso derartige Untersuchungen nicht im Zuge der Registrierung der Pestizide durchgeführt werden müssen. Wir müssen auch immer bedenken, dass diese Befunde nur für einen Wirkstoff gelten, während im Normalfall Dutzende unterschiedliche Pestizide  verwendet werden. Über die Nebenwirkung dieser Pestizidcocktails ist so gut wie gar nichts bekannt.»

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