3.09.2017 06:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Kartoffeln
Gute Ernte, klar tiefere Preise
Die Kartoffelproduzenten dürfen sich nach zwei schlechten Jahren auf eine gute Kartoffelernte einstellen. Weniger erfreulich sind die Richtpreise. Sie liegen vor allem bei den mehligkochenden Sorten klar tiefer als 2016.

Die Kartoffelernte ist angelaufen. Ende August fand die Ernteschätzung statt. Ruedi Fischer, Präsident der Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten, zieht nach zwei schlechten Jahren eine erfreulichere Bilanz: «Die Bruttoerträge liegen mit 409kg/a höher als 2015 und 2016, erreichen aber das Niveau von 2012 nicht ganz.»

Verglichen mit den letzten fünf Jahren würden die Flächenerträge 15% über dem Mittel liegen. «Die äusseren und inneren Qualitäten der Knollen sind gut. Die Kaliber sind dieses Jahr grossfallend. Das Angebot ist ausgeglichen.» Im Mittelland und in der Westschweiz regnete es regelmässiger, was das Wachstum förderte, im Nordosten stresste die Trockenheit die Kulturen.

Anbaufläche ausgedehnt

Dieses Jahr ist nicht nur die Ernte grösser, auch die Kartoffelanbaufläche wurde gegenüber dem Vorjahr um gut 200 ha auf 11'209 ha ausgedehnt. Das hat Folgen für die Preise, die am Donnerstag festgelegt wurden. Aufgrund der höheren Durchschnittserträge im Vergleich zu den letzten fünf Jahren, des durchschnittlichen Angebotes und einer laut Swisspatat leicht gesunkenen Nachfrage liegen die Produzentenrichtpreise bei allen Speisesorten unter dem mittleren Preisband.

Die Abweichung ist bei mehligkochenden Sorten grösser als bei festkochenden. Im Frischkonsum beläuft sich der Produzentenrichtpreis für die festkochenden Sorten neu auf 46.15 Fr./100kg, für die mehligkochenden auf 39.35 Fr./100kg. Dies, nachdem im Vorjahr noch fast 50Fr./100kg gelöst wurden. Bei der bedeutendsten Frites-Sorte, Agria, liegt der Preis bei 41.65 Fr./100kg.

Die Preise wären noch tieger gesunken


Ruedi Fischer ist nur bedingt zufrieden: «Wir konnten die Spielregeln nicht ändern. Das Preisberechnungsmodell bezieht neben Angebot und Nachfrage auch die Erntemengen der letzten fünf Jahre mit ein. Das führt nun leider dazu, dass gerade bei den mehligkochenden Speisekartoffeln die Preise sehr tief sind. Dies ist unschön. Eigentlich wären die Preise sogar noch tiefer gesunken. Das konnten wir korrigieren. Sicher müssen wir im Herbst über Anpassungen in diesem Preisberechnungsmodell diskutieren.»

Positiv beurteilt er das neue Übernahmemodell für Agria-Industriekartoffeln, das dieses Jahr versuchsweise zum Tragen kommt. Es sieht vor, dass ab Kaliber 60mm die Mängel nur zur Hälfte angerechnet werden.

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