14.11.2015 07:56
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Grand Prix Bio
Hännis gehen neue, tragfähige Wege
Familie Hänni hat mit der Umsetzung eines eigenen Anbauverfahrens viel Mut bewiesen. Dafür wurde sie mit dem Grand Prix Bio Suisse ausgezeichnet. Für die Jury ist das System wegweisend für den Schweizer Biolandbau.

Zum neunten Mal vergab Bio Suisse den «Grand Prix Bio Suisse». Damit werden besonders innovative und nachhaltige Leistungen für die Entwicklung des biologischen Landbaus und der Bioverarbeitung in der Schweiz ausgezeichnet. Dieses Jahr ging der mit 10000 Franken dotierte Preis an die Knospe-Gemüseproduzenten Iris und Bernhard Hänni aus Noflen.

Boden weniger verdichtet

Familie Hänni kultiviert sämtliche Ackerflächen ihres Biobetriebs pfluglos. Die Fahrspuren werden dauerhaft begrünt und so klar von der Anbaufläche getrennt. «Zwischen den Fahrspuren bauen wir bis zu drei Reihen mit insgesamt über 200 Gemüsesorten an», erklärt der frisch gebackene Preisträger Bernhard Hänni. Je nach Kultur könnten aber auch nur eine oder zwei Reihen bepflanzt werden.
Damit werden auf den Gemüsefeldern auf dem Hof Chrömeli in Noflen wirklich nur die Flächen ackerbautechnisch bearbeitet, wo später auch tatsächlich Gemüse heranwächst. Die Fahrspuren bleiben indes unbearbeitet und so auch tragfähiger. «Dadurch, dass wir mit unseren Maschinen auf einer dichten Grasnarbe fahren, können wir den Ackerboden sehr flachgründig und mit weniger Verdichtung bearbeiten», so Hänni weiter, fügt aber sogleich an, dass das System spezifische Maschinen erfordere, die es so nicht gegeben habe. «Der Trend geht ja hin zu grösseren und schwereren Geräten, wir brauchen  aber genau das Gegenteil.»

Und so musste Bernhard Hänni, um seine Idee umzusetzen, seine Maschinen extra bauen lassen oder selber abändern. «Wir haben unseren relativ neuen Maschinenpark auf einen Schlag verkauft und den ganzen Betrieb von einem Tag auf den anderen auf das neue System umgestellt.»

Ebenfalls entgegen dem allgemeinen Trend hat Bernhard Hänni seine Betriebsgrösse halbiert und den Getreidebau aufgegeben. «Wir wollten uns voll auf den Gemüsebau und den Direktverkauf fokussieren», so Hänni. Der eigene Verkaufsstandort, der «Bio-Stadthofladen» in Thun BE garantiert der Familie Hänni, dass sie 100 Prozent des angebauten Gemüses selber vermarkten und damit die maximale Wertschöpfung aus ihren Produkten generieren kann. Neuerdings beliefern Hännis ihre Kunden sogar per  Velokurier.

Wegweisendes Verfahren

Familie Hänni hat mit der Umstellung des ganzen Betriebes auf ein noch relativ wenig erprobtes Anbausystem sehr viel Mut bewiesen. Diese Risikobereitschaft wurde auch von der diesjährigen Jury des Grand Prix Bio Suisse goutiert. Für Jurypräsident Fritz Schneider, ehemaliger Studiengangsleiter an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (Hafl), ist das Verfahren zudem von grosser Bedeutung für die ganze Biobranche und kann für die Zukunft sogar wegweisend sein.

Familie Hänni habe bewiesen, dass durch innovatives Handeln nicht nur Kosten gesenkt werden können, sondern auch die Boden- und Pflanzengesundheit gesteigert, die Bodenerosion reduziert und eine flexiblere Planung der Gründüngung bei der Fruchtfolge ermöglicht werden könne.

Der Grand Prix Bio

Der «Grand Prix Bio Suisse» ist eine Weiterentwicklung des  2006 eingeführten «Bio Suisse Förderpreises». Mit dem Preis werden Personen oder Institutionen ausgezeichnet, die sich durch innovative und nachhaltige Leistungen für die Entwicklung des biologischen Landbaus und der Bioverarbeitung in der Schweiz einsetzen.  Bio Suisse bezweckt damit die Stärkung des biologischen Landbaus sowie die Förderung von Angebot und Nachfrage nach Produkten aus schweizerischer biologischer Produktion. 

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