23.03.2018 08:07
Quelle: schweizerbauer.ch - Anja Tschannen
Hanf
«Hanf bietet für Bauern grosse Möglichkeiten»
Landwirt und Nationalrat (BDP, BE) Heinz Siegenthaler, erklärt im Interview, wieso er Hanf legalisieren möchte. Welche Chancen er dabei für die Schweizer Landwirtschaft sieht und wie er dem Jugendschutz gegenübersteht.

«Schweizer Bauer»: Was hat Sie dazu bewogen, eine Motion einzureichen, die den Anbau, Handel und Konsum von Cannabis erlauben soll?
Heinz  Siegenthaler: Ich finde es falsch, dass man auf der einen Seite Alkohol und Tabak herstellen und konsumieren darf, und auf der anderen Seite Cannabis als Droge davon ausgeschlossen ist. Diese Ungleichbehandlung ist schade, denn Cannabis ist eine sehr alte und gute Heil- und Nutzpflanze. Man muss davon wegkommen, Hanf in der Gesellschaft  zu verteufeln.

Wieso ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um Cannabis  zu legalisieren?
Die Zeit für  die Legalisierung ist reif. Die Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich, dass der Anbau legalisiert wird. Das sieht man auch daran, dass Untersuchungen laufen, Cannabis versuchsweise an Kiffer abzugeben.

Wo sehen Sie Chancen im Cannabisanbau für die Schweizer Landwirtschaft?

Ich sehe drei Kanäle. Erstens THC-haltigen Cannabis für den Genuss. Zweitens Medizinalcannabis und drittens Faserhanf. Wobei sich die ersten beiden Kanäle nur für die Nischenproduktion eignen würden. Denn einerseits braucht es dafür mehr Know-how, und andererseits ist der Markt schneller gesättigt. Bei Hanf als Faserpflanzen sehe ich für die Landwirte grosse Möglichkeiten und Chancen. Hanffasern sollte man künftig als nachhaltigen Rohstoff einsetzen.

Wie sind ihre eigenen Erfahrungen mit dem Anbau von Hanf?
Ich habe vor zwanzig Jahren, als der Anbau legal war, Hanf angebaut. Damals wurde viel geklaut. Letztes Jahr habe ich erneut auf einem Feld Hanf angebaut, mit einem THC-Wert von unter 1. Ich wollte damit sehen, wie die Leute darauf reagieren, und erneut Erfahrungen machen.

Welche Erfahrungen konnten Sie letztes Jahr machen?
Das Feld stiess auf Interesse. Einige Leute haben gefragt, was das für eine Kultur sei, das Feld wurde gefilmt, und es wurde darüber berichtet. Und es wurde viel geklaut. Obwohl der Hanf keine berauschende Wirkung hatte, haben sich viele Leute, ohne zu fragen, direkt ab Feld bedient. Der Anbau von Hanf ist ziemlich einfach, er ist aber auch mit viel Handarbeit verbunden. Schwieriger ist es, eine gute Qualität hinzubekommen und den Diebstahl in den Griff zu bekommen. 

Wie sehen Sie den Jugendschutz in Bezug auf die Legalisierung von Cannabis?
Der Jugendschutz ist für mich ganz wichtig, das Wichtigste bei der Legalisierung von Cannabis. Der Konsum ist nur für Erwachsene gedacht, wie beim hochprozentigen Alkohol auch. Ich will nicht, dass Jugendliche Zugang zu Cannabis haben. Der Produzent  muss gewährleisten, dass Jugendliche keinen freien Zugang zum Cannabis haben, vor allem, wenn dieser reif ist. Felder müssen deshalb eingezäunt und streng bewacht werden.

Gleichbehandlung von Cannabis und hochprozentigem Alkohol

Eingereichter Text: Der Bundesrat wird beauftragt, eine neue gesetzliche Grundlage zum Anbau, Handel und Konsum von THC-haltigem Cannabis zu erarbeiten, welche sich nach den Gesetzesgrundlagen richtet, die den Umgang mit hochprozentigem Alkohol regelt.

Begründung: Dieses neue Gesetz richtet sich nach den Gesetzesbestimmungen, welche den Umgang mit hochprozentigen Alkoholprodukten regelt. Der Jugendschutz (striktes Verbot der Abgabe und des Konsums von Personen unter 18 Jahren) muss im Vordergrund stehen. Produktion und Handel von THC-haltigen Cannabisprodukten unterstehen einer strikten Bewilligungspflicht. Cannabis ist eine jahrtausendealte Heilpflanze mit nachweislicher medizinischer Wirkung. Durch die Unterstellung unter das Betäubungsmittelgesetz wird auch der Konsum zu medizinischen Zwecken kriminalisiert. Zudem zeigt sich, dass eine reine Repressionspolitik keine Wirkung zeigt. Über 200'000 Personen in der Schweiz konsumieren regelmässig Cannabisprodukte. Die aktuelle Gesetzgebung fördert indirekt den kriminellen Drogenhandel, und bindet unnötigerweise personelle und finanzielle Mittel von Strafverfolgungsbehörden, ohne eine Wirkung zu zeigen. ats

 

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