7.08.2017 16:13
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Hanf: Chance für Bauern?
Derzeit gibt es verschiedene Projekte, die den Hanf auf Schweizer Feldern fördern wollen. Der Hanf wird für Tabak-Ersatz-Produkte oder für Medikamente verwendet. AlpenPionier will die Pflanze für die Ernährung nutzen. Ist der «Hanf-Boom» eine Chance für die Schweizer Bauern? Oder hat er auf den Feldern nicht zu suchen? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

Hanf-Produkte erfahren derzeit einen grossen Boom. Ob Kraut, Tinktur, Pulver oder als Lebensmittel im Teller: Legale Hanfprodukte sind sehr gefragt.

Hanfboom in den USA

Seit 2011 darf Hanf mit hohem CBD-Gehalt, CBD steht für Cannabidiol, legal verkauft und konsumiert werden. Im August 2016 hiess das Bundesamt für Gesundheit überraschend ein Gesuch für den Verkauf nicht berauschender CBD-Hanfblüten zu Rauchzwecken gut. Der THC-Anteil bei diesem Hanf, THC steht für Tetrahydrocannabinol, muss unter einem Prozent liegen. THC sorgt beim Kiffen für den Rausch.

Hintergrund der Goldgräberstimmung ist der Hanfboom in einigen US-Bundesstaaten, von denen manche Cannabis legalisiert haben, schreibt die «Aargauer Zeitung». CBD soll etwa entzündungshemmend und beruhigend wirken.

Hanf-Zigarette rasch ausverkauft

In den vergangenen Wochen kam die erste Hanf-Zigarette auf den Markt. Das Produkt war innerhalb kurzer Zeit ausverkauft. Unter anderem Coop hat die Hanfzigarette ins Sortiment aufgenommen. Das Produkt besteht nicht ausschliesslich aus Schweizer Hanf. «Dazu waren die benötigten Mengen zu gross, und aufgrund von Lieferengpässen mussten wir teilweise auf ausländischen Hanf ausweichen. Wir arbeiten aber mit Hochdruck daran, die Zigarette in naher Zukunft komplett mit Schweizer Gewächsen anzureichern», heisst es auf der Website des Herstellers Koch&Gsell AG aus Steinach SG.

Swiss Cannabis, einer der grossen Teilnehmer auf dem Markt mit legalem Hanf, schätzt das Potenzial in der Schweiz als gross ein. Schweizweit betreibt das Unternehmen im Franchisesystem momentan 17 Läden. «Wir sehen für die Hanfindustrie ein sehr grosses Wachstumspotenzial in der Schweiz, dieses Jahr dürften mit CBD-Hanf wohl rund 100 Millionen Franken umgesetzt werden», sagt Geschäftsführer Daniele Schibano der Aargauer Zeitung. Er spricht von einem Weltmarkt, der am Anfang stehe.

Enge Zusammenarbeit mit Bergbauern

Doch nicht nur als Raucherware oder Medizin, sondern auch in der Ernährung soll Hanf in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Das Projekt «AlpenPionier» will den Hanf zurück auf die Teller bringen. Vergangene Woche stellten sie ihr Projekt vor.

Weniger als 1 Prozent THC

Cannabisprodukte mit einem THC-Gehalt von unter einem Prozent sind nicht dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt und werden deshalb zunehmend kommerziell verwertet. Vor allem Produkte mit dem nicht-berauschenden Wirkstoff CBD gewinnen an Bedeutung. Bundesamt für Gesundheit  

«Hanf ist einer der grössten Nährstofflieferanten, den die Natur zu bieten hat», sagte Adrian Hirt einer der drei Urheber der AlpenPioniere. Die Pflanze habe ein riesiges Potenzial. Das Projekt setzt auf eine enge Zusammenarbeit mit Bauern im Berggebiet. In Graubünden hat der Hanfanbau eine lange Tradition und war bis in die 1930er Jahre weit verbreitet. Aus den Fasern wurden Tücher gemacht, aus den Blüten und Blättern gab es Tee.

Hanfnüssli

Im Hanf liegen gemäss den AlpenPionieren Fette und Proteine in Verhältnissen vor, wie sie unser Körper benötigt und fast vollständig aufnehmen kann. Die im Herbst 2017 geernteten Hanfnüssli sollen zu Proteinpulver «AlpenProtein» 100 Prozent aus der Schweiz verarbeitet werden. Der Hanf sei eine ideale heimische Alternative zu Soja. Mit der Crowdfunding-Kampagne, Ziel 120'000 Franken, wollen sie ihr Projekt vorantreiben.

2019 bereits 500 ha?

Hanf sei eine pflanzliche Alternative aus den Schweiz. Man könne das Lebensmittel regional herstellen. Derzeit hat «AlpenPionier» 10 Biobauern aus den Kantonen Graubünden, St. Gallen und Liechtenstein unter Vertrag. Insgesamt wachsen so knapp 12 Hektaren Lebensmittelhanf in der Region.

Im nächsten Jahr peilt das Projekt 50 ha an, in zwei Jahren 500 ha Fläche an. Ein Faktor bremst den Ausbau noch. «Derzeit gibt es keine Direktzahlungen für den Hanfanbau wie im übrigen Europa. Wir sind im Gespräch mit dem Bundesamt für Landwirtschaft, um das zu ändern», so die Initiatoren.

Und die AlpenPioniere führen einen weiteren Vorteil der Pflanze ins Feld. «Im Gegensatz zu weit gereisten pflanzlichen Alternativen ist Hanf unkompliziert im Anbau und kann problemlos auch in höheren Lagen angebaut werden. Damit ist die Pflanze perfekt für den regionalen Anbau - in den Alpen - und kurze Transportwege», hält Emanuel Schütt fest.  Zudem sei die Pflanze in der Landwirtschaft als ideale Vorkultur für Getreide und als eine willkommene Alternative in der Fruchtfolge geschätzt.

80 Cannabinoide und über 400 andere Wirkstoffe

In der Hanfpflanze finden sich über 80 Cannabinoide und über 400 andere Wirkstoffe. Die wichtigsten Cannabinoide sind das berauschende Tetrahydrocannabinol (THC) und das nicht berauschende Cannabidiol (CBD), das zudem die psychotrope Wirkung des THC vermindert. CBD unterliegt nicht dem Betäubungsmittelgesetz. Unter den THC-armen Cannabisprodukten gewinnen vor allem diejenigen mit einem erhöhten CBD-Gehalt an Bedeutung. Das Angebot wächst rasch und die Nachfrage nimmt zu. Diskutiert werden unter anderem mögliche therapeutische Wirkungen wie antioxidative, antiinflammatorische, anti-konvulsive, antiemetische, anxiolytische oder antipsychotische Effekte. Bundesamt für Gesundheit 

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