17.08.2017 08:49
Quelle: schweizerbauer.ch - Martina Jenzer*
Unkraut
Heisser Dampf killt Erdmandeln
Letzte Woche wurden zwei Dampf-Testeinsätze zur Erdmandelgrasbekämpfung durchgeführt. Das Gerät aus Italien weckt Hoffnung. Für einen grossflächigen Einsatz ist die Methode jedoch zu aufwendig und zu teuer.

Die Dampffräse Bioflash der Firma Celli wurde für den Einsatz im Treibhaus konzipiert. Mit einer Arbeitsbreite von 150cm bereitet die GPS-gesteuerte Fräse die Beete für den Biogemüsebau vor. Der Boden wird im bearbeiteten Bereich auf 70 Grad erhitzt, um die Unkrautsamen keimunfähig zu machen.

Trocken und gelockert

Das System wurde nun erstmals im Solothurner Wasseramt und im Limpachtal zur Bekämpfung von Erdmandelgras getestet. Voraussetzung sind trockene Bedingungen und ein gut gelockerter Oberboden, damit der Dampf gleichmässig im Boden verteilt wird.

Bei der langsam rotierenden Fräse strömt auf 28 und 20cm Tiefe Dampf ein, der den Boden durch Zugabe von Branntkalk auf 70 Grad erhitzt. Danach wird der Boden mit einer schwarzen Folie abgedeckt, um die Temperatur möglichst lange zu halten, damit die Mandeln im Boden keimunfähig gemacht werden können.

Für kleine Befallsherde

Im Gegensatz zur stationären Blachendämpfung bewegt sich das Gerät mit 1,2 Meter pro Minute stetig vorwärts. Mit einer Tagesleistung von maximal 20 Aren ist der Aufwand zu gering, um grossflächigen Befall zu eliminieren. Für kleine Flächen besteht aber neue Hoffnung, dass primäre Befallsherde oder Randbefall in einem Arbeitsgang behandelt werden können, was das Risiko für eine Verschleppung innerhalb der Parzelle oder des Betriebs erheblich reduziert und die aufwendige Maschinenreinigung erübrigt.

Bei Flächen- und Streubefall stehen weiterhin nur die langjährigen Kombinationen von mechanischer und chemischer Bekämpfung in einer angepassten Fruchtfolge, bestehend aus Mais, Getreide, Raps und Kunstwiese, sowie Ausgraben und Handarbeit als aussichtsreiche Bekämpfung zur Verfügung. Ziel im Interesse jedes Betriebs und der gesamten Ackerbauregion muss deshalb sein, eine weitere Verschleppung zu verhindern.

Teure Sanierung

Die Sanierung mit Dampf ist aktuell die einzige Möglichkeit, um das Mandeldepot im Boden zu bekämpfen. Mechanische Verfahren und die Einarbeitung von Dual Gold haben nur einen Effekt auf die aufgelaufenen oder gekeimten Mandeln, deshalb dauert eine Sanierung mehrere Jahre (Keimfähigkeit der Mandeln 10 Jahre). Mit der Variante Dampf besteht Aussicht, eine Parzelle in einem Schritt zu sanieren. Entsprechend hoch ist der Preis: Mit zunehmendem Tongehalt steigt der Bedarf an Heizöl, um die nötigen Temperaturen zu erreichen.

Bei mittelschweren Schluffböden beträgt er 0,2l/m2, bei schweren Tonböden 0,4l/m2. Die Kosten liegen je nach Boden zwischen 100 und 200 Franken je Are: neben der geringen Flächenleistung ein weiterer Grund, weshalb es für grossflächigen Befall nicht infrage kommt. Beträgt die befallene Fläche jedoch nur einige Quadratmeter oder wenige Aren, dürfte das Verfahren auf grosses Interesse stossen, denn während der Bekämpfungsperiode von Mai bis September fehlt meist die Zeit für Maschinenreinigung und Handarbeit.

Erfolgskontrolle angezeigt

Fakt ist, die Bekämpfung von Erdmandelgras ist in jedem Fall aufwendig und teuer, denn auch mit der kombinierten mechanischen und chemischen Bekämpfung betragen die zusätzlichen Kosten im Mais rund 700 Franken je Hektare und Jahr.

Eine Erfolgskontrolle in den gedämpften Flächen wird im Verlaufe von August und September möglich sein, da die Bedingungen für das Auflaufen von Erdmandelgras zurzeit optimal sind (warmer Boden, kaum Konkurrenz durch Kulturpflanzen). Ob mit dem Dampfverfahren in den über 15cm tiefen Bodenschichten genügend lang die nötigen Temperaturen erzeugt werden konnten, wird sich vermutlich erst nächsten Frühling zeigen, wenn die Mandeln wieder zu keimen beginnen. 

*Die Autorin arbeitet am Wallierhof.

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