3.04.2013 08:21
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Genf
Hirsche fressen Rapsfelder kahl
Genfer Bauern haben Probleme mit Hirschen. Nun wollen sie eine Petition einreichen, um den Bestand zu regulieren. Den Landwirten machen aber auch der starke Franken und die städtische Entwicklung Sorgen.

Schon vor Beginn der eigentlichen GV von Agri Genève, die in der vorletzten Woche in Jussy stattgefunden hat, haben vier Bauern eifrig Unterschriften gesammelt. Sie wollen eine Petition einreichen, um Hirsche im Kanton Genf zu regulieren. Da seit 1974 die Jagd im Kanton verboten wurde, dürfen nur Wildhüter Tiere erlegen. Da im benachbarten Frankreich und der Waadt aber gejagt werden darf, ziehen sich viele Wildtiere vor allem während der Jagdsaison nach Genf zurück.

Grosse Wildschäden

Christophe Courtois ist einer der Urheber der Petition. Er erklärt: «Ganze Rapsfelder wurden von etwa 30 bis 40 Hirschen teilweise vollständig kahl gefressen, allein im Raum Versoix rund zehn Hektaren.» Zwar wendet der Kanton für Schäden durch Wildtiere und Schutzmassnahmen bis zu 300'000 Franken auf, trotzdem fordert Courtois eine ähnliche Regulierung der Hirsche wie bei Wildschweinen, von denen Wildhüter jährlich rund 400 erlegen.

Regierungsrätin Michèle Künzler, die an der Versammlung zugegen war, relativierte allerdings: «Das Abschiessen von Wildschweinen wird von der Bevölkerung toleriert. Werden sie aber den Abschuss von Hirschen auch tolerieren?»

Druck aus dem Ausland

Sorgen bereiten den Genfer Bauern auch der starke Schweizer Franken und Pläne des Kantons, 400 Hektaren Land zu urbanisieren.
«Sieben Milliarden Franken haben Schweizer Konsumenten im Ausland ausgegeben», sagte Agri-Genève-Präsident Marc Favre. Der starke Schweizer Franken sorgte aber auch für Konkurrenz im Inland. Bezugnehmend auf Schweizer Weine sprach Favre gar von einer Krise. «Während die Schweiz neun Millionen Liter Wein produziert, importieren wichtige Akteure grosse Mengen Chasselas aus Ungarn und Deutschland», betonte er.

Verstädterung schreitet weiter voran

Schliesslich sollen in Genf bis zum Jahr 2030 insgesamt 400 Hektaren landwirtschaftlich genutzte Flächen verloren gehen. Allein bei Bernex stehen Projekte an, darunter die Verlängerung einer Tramlinie, die 120 Hektaren Land verschlingen könnten.

«Landwirtschaftszonen sind aber keine frei verfügbaren Reserven für die städtische Entwicklung», sagte Direktor François Erard. «In Genf werden die Flächen benötigt, um die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln aus der Region sicherzustellen.» Insgesamt bewirtschaften Genfer Bauern 10'197 Hektaren, davon über 8'500 Hektaren Getreide wie Mais, Raps oder Weizen, sowie 1'200 Hektaren Reben. Gegensteuer gibt man mit einem Projekt zur regionalen Entwicklung (PRE). Dabei sollen vor allem Gelder investiert werden, um noch mehr Produkte aus der Region in Wert zu setzen und um landwirtschaftliche Gebäude anzupassen.

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