22.01.2018 15:38
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Boden
In 24 Jahren 85'000 ha weniger
Die wertvollsten Landwirtschaftsböden werden für die Siedlungsentwicklung verbraucht. Um sie zu schützen, sind rasche Massnahmen nötig. Doch auch bei der Bewirtschaftung muss der Bodenschutz im Fokus stehen.

Agroscope organisiert jedes Jahr eine Nachhaltigkeitstagung. Dieses Jahr war sie dem Thema Boden gewidmet. Das ist kein Zufall, denn der Boden ist weltweit und auch in der Schweiz unter Druck. «Die Siedlungsentwicklung ist für zwei Drittel des Kulturlandverlusts in der Schweiz verantwortlich», betonte Adrienne Grêt von der ETH.

Wertvollste Böden gehen verloren

«Insgesamt sind in 24 Jahren 85'000ha beziehungsweise 5 Prozent des 1985 noch vorhandenen Kulturlands verloren gegangen.» Das grösste Problem: Es werden überwiegend die qualitativ wertvollsten Böden verbraucht, welche wichtige Ökosystemleistungen für den Menschen bereitstellen.

Obwohl in der Schweiz bei der Raumplanung entsprechende Instrumente vorhanden seien, würden der Boden und seine Leistungen für den Menschen noch ungenügend in die Entscheidungsfindung miteinbezogen, befand Grêt. «Massnahmen zum Schutz der wertvollsten Böden müssen möglichst bald ergriffen werden, um den Verlust an qualitativ hochwertigen Böden zu begrenzen.»

Sorgfältig bewirtschaften

Wie wertvoll die Böden tatsächlich sind, erklärte Peter Weisskopf von Agroscope: «Fruchtbare und nachhaltig bewirtschaftete Landwirtschaftsböden haben ein hohes Produktionspotenzial. Darüber hinaus tragen sie zur Regulierung von Stoff- und Energiekreisläufen bei und sind eigenständige Lebensräume.»

Klima und Topografie sowie die landwirtschaftliche Bewirtschaftung beeinflussen die Bodeneigenschaften. Deshalb, so Weisskopf, müsse die Bewirtschaftung sorgfältig erfolgen. Nur dann würden hochwertige Landwirtschaftsböden mit bestem Produktionspotenzial ein breites Spektrum an Bodenfunktionen bereitstellen. 

Kohlenstoff speichern

«Wenn man die Grenzen, die der Standort setzt, nicht berücksichtigt und durch Bewirtschaftungsmassnahmen einseitig die Produktion maximiert, ist der Erhalt der Bodenqualität gefährdet. Bodenfunktionen können beeinträchtigt und ökologische Risiken erhöht werden», warnte er.

Mit dem Klimawandel gelangt die Fähigkeit der Böden, Kohlenstoff zu  speichern, zunehmend in den Fokus des Interesses. Damit auch Landwirtschaftsböden dazu beitragen können, muss entweder der Kohlenstoffeintrag gesteigert oder der Abbau der Kohlenstoffverbindungen  verlangsamt werden. Ein möglicher Lösungsansatz könnte der Einsatz von Pflanzenkohle sein. 

Eine alte Tradition

Mehr zur Pflanzenkohle erzählte Nikolas Hagemann von Agroscope: «Unter Pflanzenkohle versteht man verkohlte Biomasse, die in der Landwirtschaft eingesetzt wird.» Durch ihre poröse Struktur und ihre  chemischen Eigenschaften können Pflanzenkohlen Wasser und Nährstoffe speichern, Gerüche neutralisieren, gewisse mikrobielle Prozesse unterstützen, Schadstoffe binden und durch langfristige Speicherung von Kohlenstoff das Klima schützen.  

So vielfältig Pflanzenkohle auch ist, eine moderne Erfindung ist sie nicht. Die Verwendung von Holzkohle in der Medizin, der Landwirtschaft und der Tierhaltung ist vielmehr eine jahrhundertealte und weltweit verbreitete Tradition. Ein bekanntes Beispiel ist laut Hagemann die Terra Preta, das sind Schwarzerden im Amazonasgebiet in Zentralamerika. Unfruchtbare Böden wurden dort bereits vor über 1000 Jahren durch die Zugabe verkohlter Biomasse in humus- und nährstoffreiche Erden umgewandelt, welche die landwirtschaftliche Grundlage für die ersten Hochkulturen bildeten. 

Zwischenfrüchte nutzen

Anhand von Feldversuchen und Erhebungen auf Praxisbetrieben wurde untersucht, wie sich konventionelle (ÖLN), biologische und bodenkonservierende Bewirtschaftung auf die Erträge und den Boden auswirken. Dabei hat sich gezeigt, dass Zielkonflikte zwischen Produktivität und Umweltschutz bestehen. Mit bodenkonservierenden und biologischen Anbausystemen erzielt man geringere Erträge. Dafür haben sie ökologische Vorteile wie eine verbesserte Bodenstruktur und ein erhöhtes Bodenleben, eine erhöhte Biodiversität sowie ein reduziertes Erosionsrisiko und eine geringere Klimawirkung. Beobachtungen deuten darauf hin, dass gezielte Anbaumassnahmen wie die Nutzung von Zwischenfrüchten den Zielkonflikt zwischen Ökologie und Produktivität minimieren können. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass eine dem Standort angepasste Bewirtschaftung eine entscheidende Rolle spielt. sum

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