23.10.2015 12:23
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Kartoffeln
Kartoffelernte: Mehr als die Hälfe geht verloren
Auf dem Weg vom Feld bis auf die Teller geht mehr als die Hälfte der Schweizer Kartoffelernte verloren. Dies zeigt eine Studie von Agroscope und ETH Zürich. Die Forscher schlagen auch Massnahmen vor, wie diese Verluste reduziert werden können. Unter anderem soll der Einsatz von Pflanzenschutzmittel erhöht werden.

Die Verluste bei den Kartoffeln in der Schweiz seien sehr hoch. Mit diesen Worten wird Christian Willersinn, Erstautor der Studie, in einer Mitteilung der Agrarforschungsanstalt Agroscope vom Freitag zitiert. Vom Feld bis zu den Haushalten gehen bei konventionell erzeugten Speisekartoffeln 53 Prozent verloren, bei biologisch produzierten sogar 55 Prozent.

Bei Verarbeitungskartoffeln weniger Ausschuss

Bei Verarbeitungskartoffeln, also Kartoffeln, die für Chips und Pommes Frites weiterverarbeitet werden, liegen die Zahlen tiefer: 41 Prozent der Bio-Knollen sind Ausschuss, bei den konventionell produzierten sind es 46 Prozent. Der höhere Anteil bei konventionell erzeugten Verarbeitungskartoffeln hängt mit deren Überproduktion zusammen.

Für die Studie wurden die Verluste untersucht, die bei den Produzenten, den Gross- und Detailhändlern, den Verarbeitern und bei den Konsumenten entstehen. Die Forschenden erhoben die Mengen sowohl für Speise- als auch für Verarbeitungskartoffeln.

Bei Produzenten und Grosshändler die grössten Verluste

Dazu verglichen sie die Verluste, die bei biologisch und konventionell erzeugten Kartoffeln beider Kategorien entstehen. Bis zu einem Viertel der Ernte von Speisekartoffeln bleibt bereits bei den Produzentinnen und Produzenten auf der Strecke. Weitere 12 bis 24 Prozent sortieren Grosshändler aus. Lediglich ein bis drei Prozent fallen im Detailhandel unter den Tisch und noch einmal 15 Prozent in den Haushalten.

Obwohl Privathaushalte einen vergleichsweise geringen Anteil an der Kartoffelvergeudung haben, ist ihr Beitrag laut Willersinn der am schwersten wiegende: Bei Privaten landet ein Grossteil der nicht verwendeten Kartoffeln in einem Kehrichtsack oder im Kompost. Produzenten, Händler und Verarbeiter hingegen speisen den Ausschuss zu einem überwiegenden Anteil in die Tierfütterung oder zu kleineren Teilen in Biogasanlagen ein.

Mehr Pflanzenschutz und neue Sorten

Um den Ausschuss bei Kartoffeln zu vermindern, schlagen die Forscher vor allem Massnahmen auf Produzentenseite vor, zum Beispiel geeignete Kultivierungsmethoden wie Fruchtfolge, um Schädlingsbefall zu minimieren, Pflanzenschutz gegen Drahtwürmer und neue Züchtungen von robusteren Knollen. «Diese Massnahmen können die Qualität verbessern, sodass weniger Ausschuss entsteht», zeigt sich Willersinn überzeugt. Dass die Forscher eine Erhöhung der Pflanzenschutzmittel vorschlagen, ist doch eher überraschend.

Dass die Normen bei den Händlern angepasst werden könnten, wird von den Forschern nicht erwähnt. Willersinn appelliert auch an die Konsumenten. Diese sollen ihr Kauf- und Essverhalten überdenken. Die vorliegende Studie wurde im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms NFP69 «Gesunde Ernährung und nachhaltige Lebensmittelproduktion» des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) durchgeführt.

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