24.08.2018 14:58
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Kartoffeln
Kartoffelproduzenten verärgert
Von der Kartoffelernte 2017 wurden 5 Franken/100kg zurückbehalten für qualitative Mängel. Nun aber wird der Rückbehalt teilweise nicht wie vereinbart ausbezahlt. Die Kartoffelproduzenten sind verärgert.

Unter den Kartoffelproduzenten brodelt es. Im Herbst 2017 haben die Abnehmer vom Produzentenpreis 5 Franken pro 100kg zurückbehalten – für qualitative Mängel während der Lagerung. Jetzt weigert sich ein Teil, den Rückbehalt wie vereinbart auszuzahlen.

Noch 7600 Speisekartoffeln an Lager

«Diese Information löste bei den Produzenten und in der ganzen Kartoffelbranche grosse Diskussionen aus. Wir haben eine Flut von Rückmeldungen erhalten», sagt Ruedi Fischer, Präsident der Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten (VSKP). «Zusätzlich zu den unsicheren Ernteaussichten 2018 mit möglichen Drahtwurmschäden, Kindelbildung, zu kleinen Kalibern und Schlagschäden bei der Ernte erhalten wir nun noch einen weiteren Dämpfer.»

Betroffen sind laut Fischer weit über hundert Produzenten, darunter alle Lieferanten der Terralog in Rüdtligen-Alchenflüh BE. Michel Nick, CEO der Terralog, präzisiert: «Wir haben nicht den ganzen Fünfliber einbehalten, sondern zwischen 2.25 und 4.50 Franken ausbezahlt.» Per Ende Juni seien in der Schweiz noch 9000 Tonnen Kartoffeln an Lager gelegen, davon 7600 Tonnen Speisekartoffeln. «Das gab es noch nie», betont Nick, «normalerweise sind die Lager zu dieser Jahreszeit grösstenteils leer.»

Auch die Terralog hatte entsprechend ihrem Marktanteil noch letztjährige Kartoffeln an Lager – «und seit erste Ware aus neuer Ernte auf dem Markt verfügbar ist, ist deren Nachfrage eingebrochen». Laut Nick hat sich die Terralog in den Übernahmerichtlinien vorbehalten, den Rückbehalt auch für Marktmassnahmen zu nutzen. Die Marge sei zu klein, um derartige Ausfälle vollumfänglich selber zu tragen.

Produzenten tragen Risiko

Diese Aussage ist für Fischer alarmierend: «Für die VSKP ist es unverständlich, dass die Produzenten die Verwertungskosten mittragen müssen.» Der Detailhandel müsse dem Lagerhalter/Packbetrieb genug Marge lassen, um die Vertragsmenge zum regulären Preis von den Produzenten zu übernehmen. 

«Wir Produzenten tragen schon das grösste Risiko bezüglich Qualität und Ertrag – und nun sollen wir uns noch am Vermarktungsrisiko beteiligen?», wehrt er sich. «Die Zitrone ist ausgepresst. Die nachträgliche Preisreduktion von teilweise 6 Prozent wird die künftige Zusammenarbeit innerhalb der Branche beeinträchtigen. Die Offenlegung der Kosten und Margen auf jeder Stufe ist dringender nötig denn je.»

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