23.01.2014 08:47
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Boden
Kohlenstoff in tief gepflügten Böden versenken
Forscher interessieren sich für eine fast vergessene Art der Bodenbearbeitung: das Tiefpflügen. Sie vermuten, dass damit Kohlenstoff über lange Zeit im Boden gespeichert werden kann. Doch viele Fragen sind noch offen.

Mit fast drei Meter hohen Riesenpflügen wurde im letzten Jahrhundert auf vielen Ackerböden Deutschlands buchstäblich das Unterste nach oben gewendet. Damit sollten die Ressourcen der tieferen Bodenschichten für Pflanzen besser verfügbar gemacht werden. Seit den 1970er-Jahren ist diese Bodenbearbeitung aus der Mode gekommen. Doch nun hat das deutsche Thünen-Institut für Agrarklimaschutz das Tiefpflügen laut einer Mitteilung aus ganz anderen Gründen neu entdeckt.

Humus bleibt unten

In einem Projekt untersuchen Forscher die Wirkung von Tiefpflügen auf die Humusspeicherung von Böden und die dadurch möglichen positiven Klimaschutzeffekte. Wenn durch das Tiefpflügen zusätzlicher Kohlenstoff als Humus im Boden gespeichert wird, verbleibt weniger Kohlenstoff in Form des Treibhausgases CO2 in der Atmosphäre – eine positive Klimabilanz.

Die Forscher prüfen verschiedene Optionen, wie man als Klimaschutzmassnahme mehr Humus in Landwirtschaftsböden speichern kann. Das Tiefpflügen könnte eine Option sein, denn Humus ist in tieferen Bodenschichten stabiler und wird langsamer abgebaut. Die Forscher vermuten, dass die Mikroorganismen in tieferen Bodenschichten schlechtere Lebensbedingungen haben und der Humus deshalb dort sicherer ist als an der Oberfläche.

Frage nach dem Ertrag

Erste Ergebnisse an einem tief gepflügten Standort scheinen dies zu belegen. Die gespeicherte Humusmenge war fast 50 Jahre nach dem Tiefpflügen knapp 30% höher als auf der nicht tief gepflügten Referenzfläche.

Nun untersuchen die Forscher Böden, die früher tiefgepflügt wurden. Sie erhoffen sich mehr Klarheit darüber, ob die gezielte Anreicherung von Humus in Unterböden ein lohnender Beitrag der Landwirtschaft zum Klimaschutz sein kann. Dann müsste geklärt werden, welche Effekte das tiefe Pflügen auf andere Bodenfunktionen und den Ertrag hat. Auch stellt sich die Frage nach negativen Auswirkungen der schweren Bearbeitungsgeräte auf das Bodengefüge.

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