Montag, 8. August 2022
03.08.2022 16:27
Boden

Kohlenstoffsenken auf Zeit nützen Klima

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Von: sum

Kohlenstoff wird im Boden gespeichert – aber nicht zwingend für immer. Doch auch vorübergehend ist eine Klimawirkung da. Mit einem neuen Ansatz von der Forschungsanstalt Agroscope lässt sich diese Wirkung quantifizieren.

Die Menge an organischem Kohlenstoff im Boden zu erhöhen, gilt als wichtiges Mittel, um die Ziele des Pariser Klima-Abkommens zu erreichen. Der organische Kohlenstoff entsteht, wenn Pflanzen bei der Photosynthese CO2 aus der Luft aufnehmen und als Biomasse speichern. Pflanzenteile wie Wurzeln oder Mulch werden dann im Boden zu organischer Bodensubstanz umgewandelt.

Speicherung auf Zeit

Nur die Erhöhung des Vorrats im Boden ( = Senke) hat eine positive Klimawirkung. Da es sich bei Böden aber um offene Systeme handelt, wird jedes Kohlenstoffatom, das in den Boden gelangt, ihn schliesslich wieder verlassen, meist in Form von CO2. Diese Rückverwandlung geschieht vor allem durch mikrobiellen Abbau des organischen Materials. Es ist bislang schwierig, die Wirkung von Kohlenstoffsenken im Allgemeinen und von reversiblen Senken im Besonderen auf das Klima zu quantifizieren.

Senken können sich beispielsweise durch vorübergehende Bewirtschaftungsänderungen oder die globale Erwärmung in Quellen verwandeln. Nicht nur die Grösse der Senke, sondern auch die Dauer, für die der Kohlenstoff im Boden gebunden wird, sowie die Geschwindigkeiten der Zu- oder Abnahme spielen für den Klimaeffekt eine Rolle.

Zeiträume 100 und 500 Jahre

In dieser Studie hat Agroscope einen relativ einfachen Ansatz entwickelt, um den Klimaeffekt nicht nur von dauerhaften, sondern auch von reversiblen Kohlenstoffsenken abzuschätzen. Dabei wurde der Klimaeffekt von reversiblen und permanenten Bodenkohlenstoffsenken gleicher Grösse beispielhaft für die Zeiträume 100 und 500 Jahre berechnet.

Je nachdem, ob sich die Senken im Aufbau oder im Abbau befinden, unterscheiden sich die durchschnittlichen jährlichen Kohlenstoffbilanzen (Nettogewinn oder -verlust von organischem Kohlenstoff in einem Quadratmeter Boden) und damit ihre Klimawirksamkeit.

Reversible Kohlenstoffsenken nützen dem Klima

Die Resultate zeigen, dass nicht nur permanente, sondern auch reversible Kohlenstoffsenken einen Nutzen fürs Klima haben. Dieser lässt sich mit Hilfe der durchschnittlichen organischen Kohlenstoffbilanz des Bodens berechnen. Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Klimawirkung ist der Zeithorizont einer Kohlenstoffsenke.

«Mit dem Ansatz haben wir beispielhaft aufgezeigt, wie eine temporäre Senke, die z.B. 2 kg CO2 pro Quadratmeter bindet und über 20 Jahre aufgebaut wird, 20 Jahre lang gehalten und dann in den folgenden 20 Jahren abgebaut wird, gegenüber einer längerfristigen oder einer permanenten Senke, die beide die gleiche Grösse haben, zu bewerten ist», heisst es in der Studie.

Orientierungshilfe für Landwirte

Es zeige sich, dass bei gleicher maximaler Senke die Klimawirksamkeit umso besser sei, je länger die Senke erhalten bleibe, dass aber auch kurzlebige Senken einen Beitrag zum Klimaschutz leisteten. Mit dem Ansatz kann abgeschätzt werden, wie sich Senken-Massnahmen auswirken, die nach 20 Jahren aufgegeben oder im Rahmen einer klimafreundlichen Landwirtschaft weitergeführt werden.

Dieser Bewertungs-Ansatz kann Messungen des organischen Kohlenstoffs im Boden nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Beide zusammen bieten die Möglichkeit, permanente und reversible Kohlenstoffsenken im Boden wissenschaftlich fundiert und doch effizient zu bewerten. In der Praxis kann dieser Ansatz eine Orientierungshilfe für den Handel mit CO2-Zertifikaten oder die Entschädigung von Landwirtinnen und Landwirten für ihren Beitrag zum Klimaschutz bieten.

-> Die gesamte Studie gibt es hier 

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2 Responses

  1. Viele Landwirte setzen genau das um in der Praxis, nur die Forschung hinkt noch immer hinterher. Das hier ist ein Versuch sich zu provilieren und mal wieder was von sich hören zu lassen. Typisch Agroscop. Ihr würdet stattdessen besser wirklich nachhaltige Forschung betreiben. Aber wir wissen schon, warum nicht wirklich geforscht sondern nur Theorien gesammelt werden. Es geht wie doch schon immer ums Geld gewisser Personen, ob aus der Politik und oder Wirtschaft,Klima bitte Hinten anstehen

    1. ständig die anderen Kritisieren!!!

      – was unternehmen Sie Herr Bernet um diese Probleme in der Zukunft zu lösen?
      – was machen Sie uns Leser dazu für Vorschläge die wir umsetzten können?

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