9.01.2015 16:33
Quelle: schweizerbauer.ch - sam, gro
Kartoffeln
Lager voll, doch Migros importiert
Trotz vollen Kartoffellagern importiert die Migros Raclette-Kartoffeln aus Holland. Die Kartoffelproduzenten werfen der Migros vor, Food Waste zu betreiben. Diese sagt, es habe zu wenig Ware der gefragten Sorte Gwenne.

In diesen Tagen hat die Migros Kartoffeln der Sorte Gwenne aus den Niederlanden importiert und preist sie als «Extra Raclette»-Kartoffeln mit speziell feiner Schale an. Das haben Recherchen des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes LID ergeben.

«Das ist für die Branche ein Affront sondergleichen», empört sich Ruedi Fischer, Präsident der Kartoffelproduzenten. «Wir haben aufgrund der grossen Ernte 2014 so hohe Lagerbestände per Ende Dezember wie noch nie zuvor, und auch die Qualitäten sind sehr gut.» Er ist überzeugt, dass die Konsumenten kein Verständnis haben werden für die Importware.

Zu wenig Kartoffeln der Sorte Gwenne

Die Migros begründet die Importe laut Migros-Sprecherin Monika Weibel wie folgt: Bereits im Herbst habe man die neue Sorte Gwenne mit Herkunft Schweiz erstmals in den Läden angeboten. Doch die neue Sorte habe sich sofort einer so grossen Nachfrage erfreut, dass die gesamte verfügbare Menge in der Schweiz bereits ausverkauft sei.

Die Sorte zeichne sich durch ihren nussigen Geschmack und die schöne Schale aus. «Deswegen importieren wir diese Kartoffeln aktuell aus anderen Ländern in Europa», sagt Weibel. Ziel der Migros  sei es, die Gwenne ganzjährig aus der Schweiz zu beziehen. «Die Produktion wird daher nun sukzessive ausgebaut, und wir hoffen, dass wir bereits in der Kartoffelsaison 2015/2016 das ganze Jahr hindurch Schweizer Ware anbieten können», fügt sie an.

Amandine ist gleichwertig

Das Argument der Migros, die Konsumenten würden nach der Sorte Gwenne verlangen, lässt Ruedi Fischer nicht gelten: «Die in der Schweiz angebaute Sorte Amandine ist mit der niederländischen Ware absolut gleichwertig.» Und Amandine hätte es momentan noch mehr als genügend an Lager.

Er führt daher auch den Vorwurf Lebensmittelverschwendung ins Feld. Laut Fischer müssen tonnenweise Schweizer Kartoffeln verfüttert werden oder landen in Biogasanlagen. «Gerade in Zeiten, in denen Food Waste und Nachhaltigkeit grosse Themen sind, sind die Importe für mich deshalb umso unfassbarer.»

Und was sagt der «orange Riese» zu diesem Vorwurf, er betreibe Food Waste? «Pro Jahr verkauft die Migros rund 42'000 Tonnen Kartoffeln. Davon stammen knapp 40'000 Tonnen aus Schweizer Produktion, worin auch Gwenne-Kartoffeln enthalten sind», sagt Weibel kurz und knapp dazu.

Gegen neue Zusatzkontingente

Dass die Migros gerade in dieser Woche mit dem Import startet, hat seinen Grund. Seit dem 1. Januar besteht erstmals seit letztem Frühling wieder die Möglichkeit, Kartoffeln innerhalb des Speisekartoffel-Zollkontingents zum reduzierten Zollansatz von 6 Fr./100 kg zu importieren. Dieses Zollkontingent beträgt 6'500 Tonnen. Ist es ausgeschöpft, kann die Branche bei Bedarf Zusatzkontingente beantragen. Für Fischer ist klar: «Nachdem, was die Migros hier bietet, darf es diesen Frühling keine Zusatzkontingente geben.»

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