4.07.2019 10:32
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Graubünden
Lebensmittelhanf finanziell unterstützt
Weil der Bund den Anbau von Lebensmittelhanf nicht fördert, springt in Graubünden die Kantonsregierung ein. Sie unterstützt ihn in den Jahren 2019 bis 2021 mit total 390'000 Franken. Für die AlpenPionier AG, die im vergangenen Jahr für den Agropreis nominiert war, ist dies ein grosser Erfolg

Aufgrund der heutigen Gesetzgebung in der Schweiz berechtigt der Anbau von Hanf nicht zum Ackerbaubeitrag für Bio-Ackerbau. Eine diesbezügliche Praxisänderung – eine Beitragsberechtigung des Anbaus von Lebensmittelhanf – ist frühestens mit der Agrarpolitik 22+ im Jahr 2022 zu erwarten, teilt die Kantonsregierung in Chur am Donnerstag mit.

1200 Franken pro Hektare

Zur Förderung von Anbau, Verarbeitung und Vermarktung von Lebensmittelhanf in Graubünden sichert die Regierung der AlpenPionier AG für die Jahre 2019–2021 einen Kantonsbeitrag von maximal 390'000 Franken zu. Den am Projekt beteiligten Bündner Betrieben wird als Ausgleich der fehlenden Direktzahlungen 1200 Franken pro Hektare bezahlt.

Das Jungunternehmen AlpenPionier AG mit Sitz in Tschiertschen-Praden hat sich zum Ziel gesetzt, die Vorteile von Hanf für die menschliche Gesundheit, die Landwirtschaft und die Umwelt ins Zentrum zu stellen und für die lokale Wertschöpfung zu nutzen. «Mit diesem Projekt könnte Graubünden in der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelproduktion national eine bedeutende Pionierrolle einnehmen», hält die Regierung fest. Im Kanton Graubünden produzieren 62 Prozent der Betriebe nach Knospe-Richtlinien. Dies bilde die besten Voraussetzungen, um eine Pionierrolle auszufüllen.

1400 Kilo getrockneten Hanfsamen pro Hektare

Der Hanf ist eine zweihäusige Pflanze. Es gibt weibliche und männliche Pflanzen. Die männlichen Pflanzen bestäuben die weiblichen, die wiederum die Samen bilden. Ausgesät wird in der Regel Mitte Mai. Geerntet wird Anfang September mit einem herkömmlichen Mähdrescher. Dabei werden die oberen Teile der rund 1 Meter hohen Pflanze verwertet.

2017 starteten sie das Projekt mit 12 Biobauern. Diese bauten auf 10 Hektaren Hanf, die Erntemenge lag bei 10 Tonnen. In diesem Jahr wurde die Anbaufläche verfünffacht. AlpenPionier hat 30 Bauern in Graubünden, Liechtenstein, St. Gallen und Thurgau mit Anbauverträgen ausgestattet. Die Hälfte der 50 ha wird im Flachland angebaut. in diesem Jahr wurde die Fläche auf rund 70 Hektaren ausgedehnt.

Die Samen werden anschliessend getrocknet, gereinigt und eingelagert. Die AlpenPionier AG übernimmt die Vermarktung. Der Ertrag pro Hektare liegt bei rund 1400 Kilo getrockneten Hanfsamen. Die Landwirte erhalten pro Kilo Samen 3.50 Fr. Dazu wird pro Hektare eine Anbauprämie von 500 Franken ausgerichtet.

Hervorragende Lebensmittel

Die älteste Nutzpflanze der Welt eignet dank ihren Inhaltsstoffen hervorragend als Lebensmittel. Durch den hohen Anteil an Eiweiss sowie an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, vor allem durch das optimale Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 und allen acht essenziellen Aminosäuren, die der Körper nicht selbst herstellen kann, stellen Hanfprodukte eine optimale Ergänzung zur täglichen Ernährung dar.

2018 war Alpenpionier für den Agropreis nominiert, den wichtigsten Innovationspreis der Schweiz. Das Team konnte das Publikum im Kursaal am meisten überzeugen und holte sich den mit 2000 Franken dotierten Saalpreis.

Abgesetzt wird die Ernte als Hanfnuss, Öl, Mehl und als Teigwaren. Aus einer Hektar Hanf können bis zu 500 Liter Öl und an die 500 Kilo Protein gewonnen werden. 

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