Dienstag, 28. September 2021
02.09.2021 12:54
Biolandbau

Mehr Umweltschutz, weniger Ertrag

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Von: sda/blu

Die Erträge sind die Achillesferse des Biolandbaus: Sie liegen gemäss einer Langzeitstudie rund zwanzig bis dreissig Prozent tiefer als in der konventionellen Landwirtschaft. Doch hinsichtlich Umwelt schneidet Bio im Schnitt doppelt so gut ab.

Das berichteten Forschende um den Ökologen Marcel van der Heijden von Agroscope und der Uni Zürich jüngst im Fachmagazin «Science Advances». «Wenn man alle Umweltauswirkungen betrachtet, liegt Bio deutlich vorne», liess sich der Ökologe in einer Mitteilung von Agroscope zitieren.

Für die Studie verglichen die Forschenden auf einem Versuchsfeld ausserhalb von Zürich vier Anbaumethoden: Konventionelle Landwirtschaft mit und ohne Pflug sowie Biolandbau mit Pflug sowie mit reduzierter Bodenbearbeitung. Auf den Parzellen bauten sie im Jahreszyklus Winterweizen, Körnermais, Ackerbohnen, Winterweizen und zweimal nacheinander Gras-Klee an. Der Versuch dauerte zwölf Jahre.

Mehr Leben im Boden, weniger Erosion

Demnach wies ein unter Biorichtlinien bewirtschaftetes Feld eine 230 Prozent höhere Pflanzenvielfalt auf. «Auch für das Bodenleben sind die biologische und die pfluglose Bewirtschaftung vorteilhafter. So fanden wir 90 Prozent mehr Regenwürmer in Bioparzellen und sogar 150 Prozent mehr in Parzellen ohne Pflugeinsatz», erklärt Studienleiter Marcel van der Heijden von Agroscope.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Einsatz des Pflugs. «Wenn man den Boden aufreisst, setzt man ihn der Erosion durch Wind und Wasser aus», sagt Raphael Wittwer, Erstautor der Studie. Gegenüber konventionell gepflügten Böden schneiden der reduzierte Pflugeinsatz und die beiden Bioanbautypen mit 46 bis 93 Prozent weniger Erosion besser ab.

Besser für Klima

Die oben erwähnten Unterschiede bestehen in allen Ackerkulturen – vor allem wegen des Einsatzes von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln und Kunstdüngern. Wie die Resultate zeigen, schlagen sich diese auch in der Ökotoxizität nieder. Im Biolandbau, der keine chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verwendet, ist sie 81 Prozent tiefer.

Auch hinsichtlich Klimaschutz schneidet Biolandbau besser ab, weil kein synthetischer Mineraldünger eingesetzt werden darf, dessen Produktion viel Energie verschlinge, wie van der Heijden auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA erklärte. Zudem hätten sie tendenziell mehr gebundenen Kohlenstoff im Boden gefunden. Auch wirtschaftlich würde Biolandbau gemäss den Forschenden besser abschneiden, dank höheren Preisen und Direktzahlungen.

Weniger Ertrag

Mehr Umweltschutz ging allerdings mit Ertragseinbussen einher. So wies Biolandbau mit Pflug im Schnitt ein Minus von 22 Prozent auf, mit reduzierter Bodenbearbeitung lag der Wert sogar bei minus 34 Prozent. «Hier hat der Biolandbau noch grosses Verbesserungspotenzial», sagte Erstautor Raphael Wittwer gemäss der Mitteilung. Potenzial sehen die Forschenden etwa in der Pflanzenzüchtung von resistenten Sorten, einem verbesserten biologischen Pflanzenschutz und gezielter Düngung.

Alle vier untersuchten Anbausysteme haben Vor- und Nachteile. Jedoch sind die Biobewirtschaftung und die bodenschonende Direktsaatmethode aus systemischer Sicht ausgeglichener bezüglich Ertrag und Umweltwirkungen. Letztendlich hängt die Bewertung davon ab, wie man die unterschiedlichen Ökosystemdienstleitungen gewichtet und welche Ziele erreicht werden sollen. Diese Studie zeigt mögliche Stossrichtungen auf.

Welche Anbaumethoden man letztlich wähle, hänge von den Zielen ab und wie man Ertrag, Bodenschutz, Biodiversität, Klimaschutz und Ökotoxizität gewichten würde, so van der Heijden. 

Einzigartige Langzeitstudie

Der Versuch fand auf einem rund ein Hektar grossen Feld ausserhalb von Zürich statt. Das Feld ist in 128 kleine Parzellen (Plots) aufgeteilt, auf denen jeweils eine bestimmte Anbaumethode getestet wird. Dazu gehören die konventionelle Landwirtschaft mit Pflug, die konventionelle Landwirtschaft ohne Pflug (Direktsaat), der Biolandbau mit Pflug und Bio mit reduzierter Bodenbearbeitung.

Die Fruchtfolge war: Winterweizen, Körnermais, Ackerbohnen, Winterweizen, Gras-Klee (Kunstwiese) und nochmals Gras-Klee (Jahr 6). Der Versuch läuft seit zwölf Jahren und wird mindestens noch weitere sechs Jahre fortgeführt. «Versuche über eine so lange Zeitspanne sind weltweit sehr selten und eine grosse Stärke von Agroscope, da wir das ganze System erforschen», sagt van der Heijden. Weitere Studien auf Betriebsebene und auf weiteren Standorten sollen die vorliegenden Ergebnisse ergänzen.

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2 Responses

  1. Solche Versuche sind schwer auszuwerten, weil vieles nicht vergleichbar ist (Äpfel werden mit Birnen verglichen) oder weil die menschliche Wertung Resultat u. Interpretation stark beeinflusst.
    – Ertrag kann man messen (in kg TS pro ha oder in kg Nährstoffe pro ha oder gar – wenn Fütterungsversuche gemacht werden – in kg Zuwachs pro ha und gar in der Qualität des Fleisches)
    – Und dass Pflügen mehr Erosion bewirkt als weniger pflügen, ist wohl logisch. Pflügen reduziert aber den Unkrautdruck.

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