13.10.2020 17:49
Quelle: schweizerbauer.ch - mge
Nischenproduktion
«Meine Vision sind 100 Hektaren»
Dominik Füglistaller möchte mit SwissFlaxx die Wertschöpfungskette für Schweizer Flachs wieder aufbauen. Seine Vision: Die Anbaufläche auf 100 Hektaren auszubauen.

«Schweizer Bauer»: Was ist Ihr Arbeitsfeld bei der Swissflaxx GmbH?
Dominik Füglistaller: Ich bin für den Wertschöpfungskettenaufbau verantwortlich. Die Frage lautet: Wie können wir guten Flachs produzieren, sodass man ihn weiterverarbeiten kann. Ich schaue in Holland, wie man den Flachs aufschliessen kann, und im Anschluss mit der Spinnerei in Polen, wann und wie man verspinnen kann und wann das Garn wieder zurückkommt. Hier in der Schweiz schauen wir mit den Textilunternehmen, an wen wir die Produkte verkaufen können.

Die Distanzen zwischen den einzelnen Produktionsschritten sind bestimmt enorm.
Das ist momentan ein notwendiges Übel. Was uns in der Schweiz fehlt, sind eine Aufschlussanlage und eine Spinnerei. Die hat es mal gegeben. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden 200 Hektaren Flachs in der Schweiz angebaut. Momentan sind wir wieder bei gut 6 Hektaren. 1968 fand sogar der internationale Leinen-Kongress der «Confédération Européenne du Lin et du Chanvre» in Interlaken statt.

Und heute?

Das ist alles in Vergessenheit geraten, und man hat es in der Schweiz nicht geschafft zu industrialisieren. Aber die Franzosen, die Belgier und die Holländer haben dies erreicht. Weltweit werden 80 % in diesen drei Ländern produziert, das sind rund 120'000 Hektaren. Von der Gesamtmenge gehen 80% nach China, werden dort versponnen und kommen als textile Fläche zu uns zurück. Im Ganzen angeschaut sind unsere Flachsprodukte ungefähr 2000 Kilometer unterwegs gewesen.

Ist die Schweiz für den Flachsanbau geeignet?
Zuerst wurden wir ausgelacht, aber das Emmental eignet sich sehr gut, denn es hat genug Wasser, und das braucht es für die «Röste». Wenn der Lein geerntet wird, wird er gezupft und liegt auf dem Feld. Dort bleibt er liegen, wird regelmässig gewendet, und ein Pilz sorgt dafür, dass der Kleber, die Kittsubstanz zwischen der Faser und dem verholzten Teil, abgebaut wird. Je nach Witterung kann es drei, vier, fünf Wochen dauern, und es besteht die Gefahr, dass der Lein über- oder unterröstet. 

Wie ist hoch ist die Qualität von Schweizer Leinfasern?
Ich würde sagen, wir produzieren gute bis sehr gute Qualität. Topqualität haben wir noch nicht schaffen können. Das feinste Garn, das wir momentan herstellen, ist ein NM26. Das heisst, der Faden ist 26 Meter lang und 1 Gramm schwer. Für Schwinghosen zum Beispiel wird NM5 gebraucht, dieser Faden ist 5 Meter lang und wiegt 1 Gramm. Je nach Einsatzbereich braucht man unterschiedliche Garntypen.

Verkaufen Sie die gesamte Schweizer Flachsmenge?
Wir haben aktuell über vier Tonnen Garn im Lager. Dieses wird aber kontinuierlich geleert. Mittlerweile haben wir Grosskunden, die regelmässig beziehen. In die Wertschöpfungskette haben wir ausserdem nun Lohnweber integriert, die unser Garn verweben und Laufmeter liefern. Es tröpfelt immer etwas rein. Beim Garntyp NM9.6 sind wir aktuell ausgeschossen. Das ist schön, aber die Textilindustrie will bestellen, und wenn man nicht liefern kann, kauft sie es an einem anderen Ort.

Sind Sie auf der Suche nach weiteren Anbauflächen?
Wir haben aktuell genügend Anbauflächen und müssen momentan wegen den Maschinen in der Gegend Oberösch bleiben. Es sind drei Spezialmaschinen, unter anderem die umfunktionierte Ballenpresse. Damit wird die Ware aufgerollt um sie später wie eine Schnecke ausrollen zu können. Es macht unbedingt Sinn, in der Region zu wachsen. Meine Vision ist allerdings, dass wir wieder in eine Grösse von 100 Hektaren kommen und dann braucht es aus meiner Sicht Anbaucluster. Den Maschinenpark bringt man vom Gesichtspunkt der Schlagkraft auf 20 Hektaren.

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