18.08.2016 06:40
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Artenvielfalt
Mensch profitiert von Artenvielfalt
Der Mensch profitiert von Ökosystemen, weil sie Lebensmittelproduktion ermöglichen, das Klima regulieren, Erholungsraum bieten und vieles weiteres. Einer Studie der Uni Bern zufolge braucht es für diese Dienstleistungen der Natur Artenreichtum auf allen Ebenen der Nahrungskette.

Wenn die Artenvielfalt schwindet, bedeutet das ein Verlustgeschäft für den Menschen. Das unterstreicht eine neue Studie im Fachjournal «Nature», an der mehrere hundert internationale Forscher um Markus Fischer und Santiago Soliveres von der Universität Bern beteiligt waren. Demnach ist Artenvielfalt auf allen Stufen der Nahrungskette nötig, damit Ökosysteme für den Menschen wichtige Leistungen erbringen können.

4600 Tier- und Pflanzenarten

Der Mensch profitiert von den Dienstleistungen der Natur: Ökosysteme reinigen Luft und Wasser, bilden Ressourcen für die Lebensmittelproduktion, regulieren Schädlinge und bieten Raum zur Erholung. Bisher waren die Auswirkungen der schwindenden Artenvielfalt auf solche Leistungen nur bei einzelnen Gliedern der Nahrungskette - zum Beispiel Pflanzen - untersucht worden.

Die neue Studie hingegen umfasste alle Gruppen entlang der Nahrungskette in einer natürlichen Graslandschaft, wie die Uni Bern in einer gemeinsamen Mitteilung mit dem Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BIK-F) in Frankfurt schrieb. Dazu sammelten die Forschenden auf 150 Graslandflächen quer durch Deutschland Daten zu 4600 Tier- und Pflanzenarten. Diese gehörten neun Gruppen der Nahrungskette an.

14 Ökosystemdienstleistungen

Darunter waren auch bisher eher vernachlässigte Gruppen wie Mikroorganismen, die den Boden zersetzen, und Abfallverwerter wie Regenwürmer. Anhand der Daten untersuchten die Forschenden, wie bedeutsam einzelne Gruppen für 14 Ökosystemdienstleistungen sind.

«Jede Ökosystemdienstleistung ist demnach von mindestens drei Gruppen abhängig», erklärte Soliveres gemäss der Mitteilung. «Je vielfältiger die Arten innerhalb der Gruppe, desto zuverlässiger wird die Ökosystemdienstleistung erbracht.» Ausserdem beeinflusse jede einzelne Gruppe mindestens eine Ökosystemdienstleistung.

Artenvielfalt auf allen Ebenen nötig

Um sicherzustellen, dass die Natur weiter im Verborgenen für uns arbeitet, wie wir es gewohnt sind, müsse der Artenreichtum in allen Gruppen der Nahrungskette erhalten bleiben, erklärte Studienautor Peter Manning vom BIK-F.

Die Bedeutung der Artenvielfalt entlang der gesamten Nahrungskette sei bisher unterschätzt worden, fügte Markus Fischer von der Uni Bern hinzu. «Wenn biologische Vielfalt rapide zerstört wird, welche Konsequenzen hat das für die Menschen? Welche Handlungsoptionen gibt es? Das ist bisher nicht umfassend genug erforscht und einer der Gründe, warum der internationale Biodiversitätsrat IPBES gegründet wurde.»

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