15.06.2020 13:43
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Getreide
Migros: Ab 2023 IPS-Getreide pestizidfrei
Die IP-Suisse und ihre Hauptabnehmerin Migros haben die Zusammenarbeit beim Label-Getreide bis 2028 verlängert. Ab 2023 will die Detailhändlerin aber nur noch IPS-Getreide aus pestizidfreiem Anbau. Die Umstellung erfolgt stufenweise. Die Bauern erhalten eine Prämie.

Die Migros verkauft das Label-Getreide in ihren Läden unter der Marke «Terra Suisse». Jährlich werden 85'000 Tonnen Brotgetreide zu Backwaren und Broten verarbeitet. 

Migros spricht von Kundenbedürfnis

Bauern, die in diesen Kanal Brotgetreide liefern, verzichten seit 20 Jahren auf den Einsatz von Fungiziden, Insektiziden und Halmverkürzer.  Nun verschärft die nach eigenen Angaben grösste Abnehmerin von Getreide im Schweizer Markt die Anbauvorschriften für die Landwirtinnen und Landwirte. 

Bis 2023 sollen auch der Einsatz von Herbiziden und die Beizung des Saatguts verboten werden. Herbizide sollen durch eine mechanische Unkrautbekämpfung ersetzt werden. Begründet wird die Verschärfung mit einem Kundenbedürfnis und der Selbstverpflichtung. Zudem kann sich die Migros von Mitbewerbern abheben.

Vier Phasen

«Mit der Umstellung trägt die Migros einen wichtigen Beitrag dazu bei, den Schweizer Weizenanbau noch naturnaher zu gestalten und die Biodiversität noch stärker als bisher zu fördern», heisst es in einer Mitteilung der Migros-Tochter Jowa. 

Die Umstellung erfolgt nicht auf einen Schlag, sondern ist in vier Phasen unterteilt. Damit wird ein kontinuierlicher Mengenaufbau angestrebt. 2019 wurden bereits 6’000 Tonnen Weizen aus komplett pestizidfreiem Anbau geerntet. Die Ernte 2020 8'500 Tonnen einbringen, 2021 25'000 Tonnen, 2022 51’000 Tonnen und 2023 soll schliesslich die gesamte Vertragsmenge von 85'000 Tonnen ohne Pflanzenschutzmittel angebaut werden. Die Migros hat sich verpflichtet, bis 2028 85'000 Tonnen Brotgetreide aus diesem Anbau aufzukaufen. 

Anbau langfristig sichern

IP-Suisse schreibt in einer Mitteilung, dass die Umstellung eine grosse Herausforderung sei. «Sie verlangt von allen, insbesondere von den Landwirten, mehr Aufwand bei der Unkrautbekämpfung, mehr Flexibilität und eine erhöhte Risikobereitschaft. Die IP-Suisse ist aber überzeugt, dass sich dieser Aufwand langfristig lohnen wird», hält Geschäftsführer Fritz Rothen fest. 

Mit einer erfolgreichen Umsetzung könne der Brotgetreideanbau in der Schweiz langfristig gesichert werden. Rothen gibt sich zuversichtlich: «Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung sind durch die gute Ausbildung der Landwirte, Beratung und Forschung, unterstützende Behörden und durch die Professionalität der ganzen Wertschöpfungskette gegeben. 

10 Franken Prämie pro 100 Kilo

Bei der Migros spricht man ebenfalls von einem grossen Schritt. «Es ist ein grosser Schritt, den wir mit allen Partnern der Wertschöpfungskette gehen und bestmöglich unterstützen. Wir danken den Bauern für ihren Mut und ihre Überzeugung», lässt sich Tobias Eugster, Leiter Business Unit Brot- und Backwaren bei Jowa und Projektverantwortlicher, in der Mitteilung zitieren.

Landwirte, die sich für den Anbau von Brotgetreide ohne Pflanzenschutzmittel-Einsatz entscheiden, wird neben der IP-Suisse-Prämie eine zusätzliche Prämie von 10 Franken pro 100 Kilogramm Getreide ausgerichtet. 2019 wurden für 6000 Tonnen solche Prämien ausgerichtet. Interessierte Landwirtinnen und Landwirten können sich bei der Geschäftsstelle von IP-Suisse melden.

Wegen hohen Lagerbeständen wurde die Produktion 2019/20 auf 70 Prozent eines normalen Jahres begrenzt. Weil die Nachfrage nach IPS-Getreide sich positiv entwickelt, gibt es für die Produzenten eine gute Kunde. Für die kommenden Kampagne dürfte gemäss IP-Suisse die Flächenrestriktion aufgehoben werden.

Forschung gemeinsam mit der ETH Zürich, mit IP Suisse und HAFL 

Bereits 2017 prüfte die Jowa gemeinsam mit der ETH Zürich die Konsequenzen des pestizidfreien Anbaus anhand eines agronomischen Modells. 2018 startete der auf drei Jahre angesetzte Praxisversuch, den die Jowa gemeinsam mit IP Suisse und der Hochschule für Agrar-, Forst-, und Lebensmittelwissenschaften HAFL lancierte. Seit 2019 beleuchtet ein Postdoc wiederum in Zusammenarbeit mit der ETH per Befragung von mehreren tausend Landwirten die nötigen Rahmenbedingungen. Das Ziel der Forschung, das Projekt «Pestizidfreier Anbau» auf einer objektiven Datenbasis aufbauen zu können, ist nun erreicht. Dabei wurde umfassend und präzise analysiert, wie sich die Schritte hin zu einem pestizidfreien Weizenanbau auf die Unkrautbekämpfung- und -vermeidung, auf den Düngereinsatz, auf Erträge und Deckungsbeiträge auswirken.

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