24.10.2013 09:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Kartoffeln
Nasse Ernte, kleine Knollen
Die Kartoffelproduzenten kämpfen momentan mit nassen Böden. In der Ostschweiz ist die Ernte bereits weiter fortgeschritten als in der Westschweiz. Sorgen bereitet zum Teil die Schwarzbeinigkeit oder der Backtest.

Vor allem in der Westschweiz ist die Kartoffelernte noch in vollem Gang. Ein Lohnunternehmer aus dem Seeland berichtet, dass er letztes Jahr um diese Zeit noch fünf Hektaren Kartoffeln zu graben hatte. Heuer seien es noch 40 Hektaren. «Auf leichten Böden sind rund 80 Prozent der Felder gegraben», schätzt Beat Kramer, Leiter Pflanzenbau der Schwab-Guillod AG, Müntschemier BE. «In schwereren Böden ist jedoch noch die Hälfte der Kartoffeln im Boden.» Die momentan nassen Bodenverhältnisse seien daher besorgniserregend.

Thomas Schmid, Leiter des Fenaco-Leistungszentrums in Marthalen ZH, sagt: «In unserer Region ist die Ernte weit fortgeschritten.» Wer aber noch Kartoffeln im Boden habe, kämpfe momentan auch in der Ostschweiz mit nassen Böden.

Schorf und Missförmige

Die Qualität der bereits angelieferten Kartoffeln sei sehr unterschiedlich, so die beiden Kartoffelexperten. Tierische Schäden, wie Schneckenfrass oder Drahtwurmlöcher seien kein Problem. Dafür gebe es viele kleine und missförmige Knollen mit Wachstumsrissen. Bedingt durch das heisse und trockene Wetter in diesem Sommer trete auch Flach- und Buckelschorf vermehrt auf. Dies vor allem auf spät bestellten Parzellen, wo die ersten Wochen der Knollenbildung in die heisse Zeit fielen. In bewässerten Feldern fühlte sich der Schorf etwas weniger wohl.

«Auch Schwarzbeinigkeit ist ein Thema heuer», beschreibt Kramer die Situation weiter. Nasse Böden und Sauerstoffmangel fördern den Befall mit dieser Bakterienkrankheit. Unter den oftmals schlechten Pflanzbedingungen konnten sich die Erwinia-Bakterien optimal entwickeln und verbreiten. Sie verursachen welke Blätter und lassen die Stängel verfaulen. Befallene Knollen können am Lager faulen und massive Schäden verursachen. «Ich habe grossen Respekt vor der Lagerhaltung in diesem Jahr», sagt Kramer. Die angelieferten, nassen Posten müssten zum Teil zwischengetrocknet werden.

Backtest ungenügend

Sorgen bereitet den Abnehmern auch die Sorte Agria. Mit dem Kälteeinbruch von Anfang Oktober hat sich der Stärkegehalt negativ verändert, und der Backtest fällt oft schlecht aus. «Solche Kartoffeln fliessen dann anstatt in die Fritesproduktion als zweite Qualität in den Rösti-Kanal», erklärt Schmid.

Die Kartoffelerträge fallen generell tief aus. Vor allem die Erträge der wichtigen Sorte Agria sind gemäss Schmid «sehr tief». Die Qualitätsmängel seien im Schnitt nicht viel grösser als andere Jahre. Auffällig ist laut Kramer, dass mit dem All-in-one-Verfahren gesetzte Kartoffeln heuer tendenziell eine schlechtere Qualität aufweisen. Für diese Pflanztechnik brauche es perfekte Bodenverhältnisse, welche diesen Frühling vielfach nicht gegeben waren.

Noch sei es aber zu früh, um die Ernte 2013 abschliessend zu beurteilen. Kramer: «Erst müssen die Lager nach der Ernte beobachtet werden.»

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