9.11.2013 09:42
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Boden
Patient Boden wurde untersucht
Der Boden ist ein wichtiges Kapital für jeden Landwirt. Um auch in Zukunft gute Erträge erzielen zu können, gilt es, den Boden gesund zu erhalten. Wie dies geht, lernten die Teilnehmer eines Bodenseminars.

Eine bunte Truppe, bestehend aus Landwirten, Gemüsegärtnern, Obstbauern, Bio- und Nicht-Bio-Produzenten fand sich am Freitag vergangerner Woche in Flaach ZH ein. Das Ziel aller: den Boden als Produktionsgrundlage pflegen und erhalten. Anlass war ein zweitägiges Seminar für Bodenaufbau.

Dietmar Näser, unabhängiger Bodenberater aus Deutschland, und Jens Petermann, Landwirt aus Deutschland, führen ähnliche Seminare in Deutschland durch. Seit einem schlimmen Erosionsereignis in seinem Maisfeld im Jahr 2007 hat sich Petermann den Bodenschutz auf die Fahne geschrieben. In die Schweiz geholt hat die beiden Bodenexperten René Gujer von der Gujer Innotec AG, einer Firma für Kompostwender.

Zusammenhänge kennen

Damit ein Boden optimal funktioniert, müssen drei Faktoren stimmen:

  • Die Bodenchemie: ausgewogene Nährstoffverhältnisse, pH-Wert.
  • Die Bodenphysik: Krümelstruktur, Luftporen, Humusgehalt, usw.
  • Die Bodenbiologie: Mikroorganismen, Regenwürmer und andere Lebewesen sind vorhanden und aktiv. Der Boden wird durch Wurzeln zusammengehalten.

Dietmar Näser erklärte am Seminar eindrücklich, wie sich all diese Faktoren gegenseitig beeinflussen.

Der Boden braucht Luft


Ein Beispiel ist die Nährstoffverfügbarkeit. «Wir haben kein Stickstoffproblem, sondern ein Sauerstoffproblem», sagt Näser. Die meisten Nährstoffe nimmt die Wurzel mit dem Wasser für die Verdunstung der Pflanze auf. Dieses fliesst nur in einem durchlüfteten Boden. Auch Mykorrhizapilze, welche Nährstoffe verfügbar machen, brauchen Sauerstoff. Ebenso viele weitere Mikroorganismen, die beim Bodenaufbau helfen.

Nährstoffe können sich gegenseitig verdrängen oder hemmen. Eine Überdüngung mit Kalium verdrängt Magnesium. Dadurch wird die Krümelstruktur zerstört, der Boden wird schmierig. Kalibomben sind grünes Pflanzenmaterial, wie Rübenlaub oder Mulch, welches in kurzer Zeit auf dem Feld zerfällt. Auch grosse Mengen an Mist oder Gärgülle liefern viel Kalium.

20 unsichtbare GVE

Auf einer Hektare gesundem Boden «arbeiten» 20 Grossvieheinheiten (GVE) in Form von Bodenlebewesen. «Es ist eine Herausforderung, diese 20 GVE zu pflegen und zu ernähren», so Dietmar Näser.

Der Regenwurm beispielsweise ernähre sich von einem Belag aus Bodenkrümeln und Pflanzenrückständen. Dieser Mikrofilm sei sehr empfindlich. Salzhaltige Dünger oder Verdichtungen könnten ihn zerstören. Ebenso Hitze, wenn die Sonne auf den unbedeckten Boden scheint. Eine ständige Bodenbedeckung sei daher sehr wichtig für das Bodenleben.

13-jährige Kompostmatte


Einer, der seinem Boden in Zukunft mehr Sorge tragen will ist auch Toni Meier aus Flaach. Der Landwirt betrieb lange ein Transportunternehmen. In dieser Zeit hat er oft Land mit Zuckerrüben- und Kartoffelbauern abgetauscht. 2006, als er sich wieder mehr der Landwirtschaft widmete, realisierte er, dass seine Böden stark gelitten hatten. Er stellte in der Folge die Fruchtfolge um und setzte auf Kompostdüngung und Minimalbodenbearbeitung.

Ein Bodenprofil auf Meiers Land zeigt in 20 cm Tiefe eine Kompostschicht, welche 1999 untergepflügt wurde. Verdichtung und Sauerstoffmangel haben deren Abbau verhindert. Ein höherer Kunstwiesenanteil mit tief wurzelnder Luzerne soll nun wieder Luft in den Boden bringen. Um den Prozess zu beschleunigen, empfehlen die Bodenberater die Belüftung des Bodens mit einem Tiefenlockerer. 
Der Kompost wird nur oberflächlich eingearbeitet. Am besten wird er in eine wachsende Kultur gestreut. Das aktive Bodenleben baut ihn effizient ab.

Spaten und Bodensonde


«Jeweils im Frühling und im Herbst sollte der Boden mit Spaten und Bodensonde untersucht werden», meint Näser. Die Bodensonde, ein Metallstab, spürt Verdichtungen auf. Diese können im Sommer mit einem Tiefenlockerer gelöst werden. Auch der Wurzelverlauf der Pflanzen, sichtbare Bodentiere oder einseitiges Unkrautauftreten geben Aufschluss über den Bodenzustand.

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