31.08.2017 11:09
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Planungstool berät Bauern
Welche Nutzpflanzen lohnen sich wo für den Anbau? Ein von ZHAW-Forschenden entwickeltes Computerprogramm soll bei der Entscheidung helfen. Es verknüpft dabei Informationen zu Boden und Klima mit sozialen und wirtschaftlichen Aspekten.

Sollte ein Kleinbauer in Guatemala auf den Anbau von Avocados umsteigen oder doch lieber nicht? Dank der zunehmenden Beliebtheit dieser Frucht liesse sich damit gut Geld verdienen. Und doch könnte die Umstellung für viele ein finanzieller Reinfall sein, wie Forschende um Isabel Jaisli von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) dank einer neuen Software berechnen können.

Das Programm «Consus» (Connectin for Sustainable Sourcing) beschreibt die Vor- und Nachteile von Anbaugebieten: Zum einen, ob Boden und Klima für bestimmte Nutzpflanzen geeignet sind, zum anderen aber auch soziale und wirtschaftliche Aspekte, wie die ZHAW am Donnerstag mitteilte. Dieses Softwarewerkzeug existiert bisher nur als Prototyp, dessen Entwicklung von der Syngenta-Stiftung finanziell unterstützt wurde.

Wann lohnt sich die Umstellung?

«Consus» zeigte beispielsweise für Kleinbauern in Guatemala, dass sich der Umstieg auf Avocados nur für diejenigen lohnt, die bereits über eine zuverlässige Bewässerung verfügen. Mit dem Programm könnten also NGO-Mitarbeitende künftig Bauern beraten, wie sie nachhaltig und ressourcenschonend wirtschaften und unrentable Umstellungen vermeiden, hiess es weiter.

Aber auch für die Lebensmittelhersteller sei dieses Planungstool interessant, um Engpässe zu vermeiden. Beispielsweise stamme etwa 70 Prozent der weltweiten Haselnussproduktion aus der Türkei. Das stellt ein gewisses Risiko dar, wie Jaisli erklärt: «Sollte dort eine Pflanzenkrankheit oder schlechtes Wetter die Ernte stark beschädigen, würde ein bei Schweizer Kindern beliebter Brotaufstrich schnell sehr teuer.»

Alternative Anbaugebiete finden


Für einen Schweizer Lebensmittelproduzenten untersuchen die ZHAW-Forschenden derzeit, welche Länder und Regionen aufgrund der Bodenbeschaffenheit und des Klimas sowie anhand politischer, sozialer und ökonomischer Aspekte für den Haselnussanbau geeignet wären.

Das Gleiche ginge mit entsprechenden Daten prinzipiell für jede Kulturpflanze, sagte der an der Entwicklung beteiligte Geoinformatiker Patrick Laube gemäss der Mitteilung. Auch mögliche Klimaveränderungen liessen sich berücksichtigen. Die Forschenden sind nun dabei, den Prototyp des Programms zu einer marktfähigen Version weiterzuentwickeln.

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