2.06.2014 16:45
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Weizen
Proteinbezahlung eingeführt
Was lange diskutiert wurde, ist nun eingetroffen: Ab der Ernte 2015 wird Brotweizen von den Mühlen nach Proteingehalt bezahlt. Die Branche konnte sich auf einen Kompromiss einigen. Sorte und Standort werden wichtiger.

Die Übernahmebedingungen von Swiss Granum werden ab der Ernte 2015 mit dem Qualitätskriterium Protein ergänzt. Dies hat die Kommission «Markt-Qualität Getreide» von Swiss Granum am Mittwoch beschlossen. «Die von allen Marktpartnern unterstützte Branchenlösung gilt für Brotweizen der Klasse Top zwischen Sammelstelle und Mühle und umfasst ein Bonus-Malus-System», schreibt Swiss Granum in einer Mitteilung.

Vorerst für drei Ernten

Die  Branchenlösung beinhaltet konkret folgende Eckpunkte:

  • Gültigkeit für Brotweizen der Klasse Top zwischen Sammelstelle und Mühle
  • Ab Ernte 2015 für mindestens drei Ernten (2015, 2016, 2017)
  • Bonus-Malus-System ausserhalb der Bandbreite des Proteingehaltes von 12,5% bis 14,0% (siehe Tabelle)

«Mit diesem System soll ein Anreiz geschaffen werden, die Produktion von Brotweizen der Klasse Top noch besser auf die Bedürfnisse der Abnehmer auszurichten», sagt Stephan Scheuner, Geschäftsführer von Swiss Granum.

In Gesprächen mit Vertretern der Branche kommt zum Ausdruck, dass es sich um eine Kompromisslösung handelt. Während Produzenten und Sammelstellen nicht erpicht auf eine Proteinbezahlung waren, geht den Abnehmern die Branchenlösung eher noch zu wenig weit. Alle sind aber nun bereit, den Kompromiss mitzutragen.

Folgen für die Produktion

Was hat dieses System für Auswirkungen auf die Produzentenpreise? «Die Branchenlösung ist gültig zwischen Sammelstelle und Mühle. Es ist die Entscheidung der Sammelstellen,  wie sie dieses System gegenüber den Landwirten anwenden», so Scheuner. Für die Sammelstellen besteht keine Pflicht zur Anschaffung eines NIR-Gerätes, mit dem der Proteingehalt gemessen wird. Kann eine Sammelstelle aber den Proteingehalt eines Postens  nicht messen, kann sie dem Landwirt auch keinen Zuschlag zahlen oder einen Abzug machen.

Proteinbezahlung: Wie es dazu kam

In den vergangenen Jahren haben  die Ansprüche seitens der Abnehmer an den Rohstoff Getreide und die daraus hergestellten Mehle zugenommen. Im Mittelpunkt stand dabei insbesondere der Proteingehalt beim Brotgetreide der Klasse Top. «Die Hauptgründe sind die zunehmend industrielle Herstellung von Brot- und Backwaren sowie die vermehrte Produktion von Tiefkühl-Teiglingen», weiss Rolf Häusler, Präsident des Verbandes kollektiver Getreidesammelstellen und Leiter der Sammelstelle Thalheim. «Ein Dorfbäcker braucht nicht zwingend hohe Proteinwerte.» 

Zusammen mit den Partnern entlang der Wertschöpfungskette wurden die veränderten Anforderungen diskutiert. Verschiedene technische Fragen rund um den Proteingehalt Brotgetreide und dessen Beeinflussbarkeit wurden aufgearbeitet und die Erkenntnisse den Marktpartnern zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig wurde in einer Arbeitsgruppe ein Lösungsvorschlag bezüglich des Proteingehalts von Brotgetreide entwickelt. Dieser wird nun umgesetzt. gro

Düngungsnorm anpassen

Fritz Glauser, Präsident der Getreideproduzenten, sagt: «Wir können den Kompromiss mittragen. Er ist so ausgestaltet, dass es keinen Preisdruck geben sollte.» Man erwarte aber einen gerechten Richtpreis für Weizen. Zudem seien nun die Branche und auch die Forschung gefordert, weitere Erkenntnisse bezüglich  Anbau und Proteingehalt zu gewinnen und breit zu streuen.

«Wir erwarten von Swiss Granum auch, dass sie sich für eine Erhöhung der Stickstoff-Düngungsnorm beim Weizen einsetzt», so Glauser. Es müsse für die Produzenten auch möglich sein, gute Gehalte zu erreichen. Die neue Regelung gilt übrigens nicht für Bioweizen.

Sorte und Standort

Rolf Häusler, Präsident der kollektiven Getreidesammelstellen, meint: «Mit der nun beschlossenen Skala sollten sich in einem normalen Jahr die Zuschläge und Abzüge ungefähr die Waage halten.» Scheuner ergänzt: «Für die Produzenten ist der Austausch mit der Sammelstelle zentral, um die für seinen Standort und seine Anbaumethode geeignete Sortenwahl zu treffen.» Allerdings spiele das Wetter auch eine wichtige Rolle.

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