4.09.2020 09:14
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Dünger
Raps dankbarer Abnehmer von Gülle
Das Gras wächst noch kräftig und kann Gülle deshalb gut verwerten. Auch im Acker macht eine Gabe Sinn.

Vielerorts wurde diese Woche Emd abgeräumt. Die Wiesen sind besonders dieses Jahr noch kräftig am Wachsen, und Gülle kann sinnvoll eingesetzt werden. Denn: Die Herbstmonate stehen bevor, die anfallende Gülle  soll noch optimal genutzt werden. Auch, damit bei Wintereinbruch die Lager leer sind.

Je später, desto dicker

Bei kühleren Temperaturen ab September sind die Ammoniakverluste geringer als im Sommer. Je weiter fortgeschritten der Herbst, desto weniger entscheidend die Verdünnung der Gülle – wobei zu dicke Gülle in jeder Jahreszeit zu vemeiden ist, dies auch wegen der Verkrustung. 

Man kann also in den nächsten Wochen damit anfangen, den Wassereinlauf in die Güllegrube zu reduzieren. Wer im Sommer die Gülle 1:2 mit Wasser verdünnt, kann bald auf eine 1:1-Verdünnung zurückgehen. Von einer 1:1 verdünnten Gülle bringt man im Futterbau 20m3/ha aus, von einer 1:2 verdünnten Gülle 30m3.

Vorsicht bei Übersaat

Zu hohe Güllegaben im Herbst können negative Auswirkungen auf die Bestandeszusammensetzung haben. Kräuter wie Hahnenfuss und Löwenzahn können sich auf Kosten der Gräser ausbreiten, da sie dank des grösseren Wurzelwerkes mehr Nährstoffe einlagern und beim Austrieb im Frühjahr im Vorteil sind. Neu angelegte Kunstwiesen können verbrennen, wenn sie bei starker Sonneneinstrahlung zu viel und vor allem zu dicke Gülle erhalten. Auf Übersaaten darf keine oder nur stark verdünnte Gülle ausgebracht werden, damit die Lichtkonkurrenz durch die Altpflanzen nicht zu gross ist

Raps mag Gülle

Unter den im Herbst angesäten Ackerkulturen eignen sich bei den Hackfrüchten speziell Raps und beim Getreide Wintergerste als Gülleabnehmer. Raps mit seinem frühen Saattermin und dem tief gehenden Wurzelsystem ist besonders geeignet. Er kann Stickstoff in seinem Spross zum Teil speichern.

Dennoch ist Vorsicht geboten: Raps darf nicht zu üppig in den Winter gehen. Da Wintergerste bereits im Herbst voll bestockt, ist sie bezüglich ihres Entwicklungsstadiums zur Stickstoffaufnahme besser geeignet als ein Winterweizen, der im Dreiblattstadium überwintert. 

Viel Kali, schlechtere Fruchtbarkeit

Zu hohe Güllegaben erhöhen den Rohproteingehalt im Futter und den Harnstoffgehalt im Blut der Tiere. Diese sind im Herbst sowieso schon erhöht. Deshalb muss die Ration mit Rohfaser- und Energieträgern ausgeglichen werden. Rohfaserarmes Futter kann zudem blähend wirken. Im Herbst ist die Blähgefahr besonders gross. Vorbeugen mit Lebertran und faserreichem Heu vor dem Weideaustrieb macht Sinn. Die Anreicherung von Phosphor und Kalium auf Weiden  – ein Risiko vor allem auf gülleintensiven Betrieben, die nur Grünflächen güllen – reduziert die Fruchtbarkeit und begünstigt das Auftreten von Weidetetanie. Auch hier gilt es, die Ration entsprechend auszugleichen. 

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