Donnerstag, 8. Dezember 2022
14.11.2022 16:48
Ackerbau

Reisanbau statt Trockenlegung

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Von: blu/sda

Viele Drainagen von Ackerflächen sind erneuerungsbedürftig. Nun erhalten Kantone und Betroffene eine Entscheidungshilfe, um solche Flächen umfassend zu beurteilen und nachhaltige Lösungen zu finden. Der Reisanbau wird im Mittelland zu einer möglichen Alternative, teilt die Forschungsanstalt Agroscope mit. Doch es gibt noch Hürden.

Rund 30 Prozent der Fruchtfolgeflächen der Schweiz sind drainiert, damit auf diesen Flächen Acker- und Gemüsekulturen angebaut werden können. Zunehmend stellt sich für die älteren Drainagen die Frage der Erneuerung, die mit hohen Kosten verbunden ist. «Gleichzeitig sind durch die grossflächige Entwässerung Feuchtlebensräume in der Agrarlandschaft und ihre spezialisierte Pflanzen- und Tierwelt selten geworden», heisst es in der Mitteilung von Agroscope.

Entwässerung im Spannungsfeld

Die Entwässerung von Ackerflächen beeinflusst aber nicht nur die Biodiversität, sondern verschiedene Prozesse in komplexer Weise, heisst es weiter. So können Drainagen zum Abschwemmen von Dünger und Pflanzenschutzmitteln führen. Zudem enthalten Ackerflächen grosse Mengen Bodenkohlenstoff. Dieser wird nach der Trockenlegung kontinuierlich zum Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) abgebaut und trägt zur Klimaerwärmung bei.

Forschende von Agroscope haben das Spannungsfeld im Rahmen eines Projekts über Feuchtackerflächen ausgeleuchtet und einen Leitfaden erarbeitet. Dieser richtet sich an kantonale Landwirtschaftsämter, Fachstellen für Bodenschutz und Natur sowie Beratungsstellen. Der Fokus liegt besonders auf der Erneuerung von Drainagen.

40’000ha

Die Berechnungen zeigen, dass rund 40’000ha (also 10%) der Schweizerischen Ackerflächen (393’640ha) in Ebenen und Mulden liegen und ein hohes bis sehr hohes Vernässungspotential haben Ein möglicher Ansatz, um Feuchtflächen im Agrarland zu erhalten oder neu zu beleben und gleichzeitig eine wirtschaftlich interessante Produktion aufrecht zu erhalten, ist dabei der Anbau von Nassreis.

Basierend auf Kosten-Leistungsrechnungen der Zentralen Auswertung von Buchhaltungsdaten wurden für nässebedingte Ertragsausfälle Szenarien zur Wirtschaftlichkeit der ackerbaulichen Nutzung von Feuchtackerflächen berechnet. Unter Betrachtung des kalkulatorischen Gewinns je Hektare wurde für die Ackerkulturen Weizen, Gerste, Raps, Zuckerrüben, Kartoffeln und Körnermais jeweils die Gewinnschwelle, das heisst der prozentuale Ertragsausfall bestimmt, bis zu welchem alle Kosten der Produktion gedeckt sind. «Bei Futtergetreide, Kartoffeln, Körnermais und Weizen führen bereist nässebedingte Ernteausfälle von ungefähr 10% dazu, dass kein Gewinn mehr erzielt wird. Nur bei Zuckerrüben und Raps können bis zu einem Ernteausfall von ungefähr 40% noch Gewinne erzielt werden», heisst es im wissenschaftlichen Bericht.

Für den Anbau von Nassreis gibt es ab 2023 Direktzahlungen.
Agroscope

Grenzertragsregion

«Im Idealfall werden Feucht Ackerflächen weiterhin produktiv genutzt und gleichzeitig wird die Biodiversität gefördert», so die Studie. Seit 2017 werden in Zusammenarbeit mit Landwirtinnen und Landwirten Pilotversuche zum Nassreisanbau im Schweizer Mittelland und im Wallis durchgeführt. «Dabei waren – und sind immer noch – agronomische Herausforderungen zu meistern, insbesondere die Etablierung der Kultur (säen oder setzen), die Unkrautregulierung, die Regulierung des Wasserstands sowie die Düngung und den Pflanzenschutz», so die Forscher.

Voraussetzung für einen erfolgreichen Reisanbau ist die Verfügbarkeit von Wasser zur Flutung der Felder und wenig durchlässige Böden, die zuvor planiert werden können. «Das Schweizer Mittelland stellt für Nassreis eine Grenzertragsregion dar, da die Vegetationsperiode in kühlen Jahren fast zu kurz ist. Doch konnte in allen Jahren zumindest auf einem Teil der Flächen zufriedenstellende Ernten erzielt werden», halten die Forscher fest.

Direktzahlungen für Reis

Seit 2022 fördert auch der Schweizerische Nationalfonds den Reisanbau. Zur Diskussion steht, ab 2023 den ökologischen Nassreisanbau als regionsspezifische Biodiversitätsförderfläche mit Vernetzungsbeiträgen (Direktzahlungen) zu unterstützen*.

Reis wächst in der Schweiz bereits seit langem im Tessin. Er wird dort allerdings trocken angebaut, wie etwa Weizen. Pro Jahr ernten die Tessiner Reisbauern etwa 450 Tonnen. Bei einem jährlichen Import von 60’000 Tonnen Reis hat der Anbau im Inland damit durchaus Wachstumspotenzial.

-> Die Berichte sind auf der Website www.feuchtacker.ch 

Das Projekt Feucht-(Acker-)Flächen (FAF) hat zum Ziel, Lösungen im Konfliktbereich Förderung der Biodiversität in Ackerbaugebieten, landwirtschaftsbedingte Nähr- und Schadstoffbelastung der Gewässer, Klimagasemissionen und der landwirtschaftlichen Produktion aufzuzeigen. Es werden Entscheidungskriterien und Lösungsmöglichkeiten für den zukünftigen Umgang mit FAF bereitgestellt. Die Grundlagen werden in 6 Arbeitspaketen ausgearbeitet.

*Diese Angabe wurde durch Agroscope berichtigt. Vormals stand hier entsprechend dem Agroscope-Bericht: «2023 wird der ökologische Nassreisanbau als regionsspezifische Biodiversitätsförderfläche mit Vernetzungsbeiträgen (Direktzahlungen) unterstützt.» 

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5 Responses

  1. Interessant, wird dann der Nassreis zur Monokultur. Oder gibt es noch andere Kulturen die schwimmen können um eine Fruchtfolge zu ermöglichen? Das können die sogenannten Forscher sicher beantworten.

  2. „Dieser wird nach der Trockenlegung kontinuierlich zum Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) abgebaut und trägt zur Klimaerwärmung bei.“
    „Treibhausgas CO2“: trägt 10% als Treibhausgas bei. 90% kommt vom „Treibhausgas“ Wasserdampf. CO2 kann die Temperatur maximal einige Zehntel Grad erhöhen. Und Wärme ist nur gut!
    Ich kann einfach die Agronomen nicht verstehen, die sich diesem Klima-CO2-Unsinn nicht entgegenstellen! Wo seid ihr, Kollegen? In Angst, am Schlafen, im Glauben an die CO2-Panik?

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