5.05.2019 06:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Warnung
Rüben vor dem Frost nicht spritzen
Die nächste Woche soll verbreitet Frost bringen. Für Rüben, Mais, Obst und Reben wird es heikel. Einige Obstproduzenten haben mittlerweile in eine Frostbewässerung investiert. Rübenproduzenten sollten jetzt zuwarten.

Die Wetteraussichten für den Beginn der nächsten Woche lassen nichts Gutes erahnen. In der Nacht auf Montag wie auch in der Nacht auf Dienstag ist Bodenfrost und regional auch Hüttenfrost – Minustemperaturen gemessen auf 2 m über Boden – vorhergesagt. Bei dieser Kälte können Obstbäume, Rüben und Reben Schaden nehmen.

Schlimmer ist Phytotox

Hansjörg Weber von der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenbau in Aarberg BE will nicht schwarzmalen: «Rüben können Minustemperaturen ertragen. Ich habe schon Fälle erlebt, bei denen auch  –5°C nicht geschadet haben.» Viel schlimmer sei Phytotox, also die Schädigung der Kulturpflanzen durch Pflanzenschutzmittel: «Wer vor dem Frost noch Herbizide spritzt, allenfalls noch mit Zusätzen wie Spectrum oder Dual, kann die  Rüben richtig schädigen. Man soll mit dem Herbizideinsatz warten, bis es wieder wüchsiges Wetter gibt.» So bleibt den Rübenproduzenten nichts als abwarten und hoffen.

Ähnlich müssen es die Maisproduzenten halten bei früh gesätem Mais, der bereits aus dem Boden ragt. Lucas Vogt von KWS stellt klar: «Mais ist nicht frostverträglich. Unter –2°C wird es kritisch.» 

Frostbewässerung erstellt

Jürg Maurer von der Fachstelle Obst und Beeren des Inforama Oeschberg BE hofft, dass die Temperaturen nicht zu tief in den Minusbereich fallen werden. «Es ist schwierig, zu definieren, wie viele Minusgrade von den Obstbäumen schadlos ertragen werden», erklärt er, «Werte um –0,5 oder –1°C für kurze Zeit bei trockener Witterung sollten noch tolerierbar sein.» Zum Teil hätten die Produzenten nach dem schlimmen Frost 2017 bereits in eine Frostbewässerung investiert und seien deshalb gewappnet.

«Frostkerzen sind teuer und lohnen sich beim Kernobst nicht», so Maurer. Er sieht neben dem Frost noch eine weitere Einschränkung für einen guten Ertrag: «Dieses Jahr waren die Temperaturen für den Bienenflug während der Blüte ungünstig. Immerhin besteht dafür bisher kaum Feuerbrandrisiko.»

600 Kerzen,  9000 Franken

Auch für die Reben kann der Frost im jetzigen Stadium gefährlich werden. Die Bilder von Frostkerzen zwischen den Reihen mit Rebstöcken vom April 2017 sind noch nicht vergessen. Hans Jüstrich, Rebbaukommissär am Plantahof in Landquart GR, hat Versuche zur Wirkung der Frostkerzen durchgeführt und zieht eine durchzogene Bilanz: «600 Kerzen pro Hektare konnten die Temperatur um 0,5 bis 1°C erhöhen. 300 Kerzen pro Hektare brachten 0 bis 0,5°C. 

Dabei muss man bedenken, dass 600 Kerzen insgesamt 9000 Franken kosten.» Ebenfalls ungenügend wirkten Holzkohlebriketts, die mehr Rauch als Wärme erzeugten. «Und in den Parzellen, über denen ein Helikopter flog, um die Luft aufzuwirbeln, waren die Schäden gar grösser als ohne Massnahme.»

Jüstrich hofft nun, dass der Wetterbericht mit seiner Frostwarnung falsch liegt. Falls es tatsächlich kalt werde, werde es heikel: «Wenn die Reben trocken sind, wird es ab –2°C kritisch, bei nassen Trieben bereits ab 0°C.»

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