2.11.2018 16:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Christof Lüthi
Zuckerrüben
Rübenverlad dauert zu lange
Bei den Westschweizer Zuckerrübenproduzenten liegen die Nerven blank. Das Material für den Schienentransport des neuen Partners Sersa Group AG sei ineffizient, und das Personal habe wenig Erfahrung, so die Kritik.

Das Zuckerrübenjahr 2018 war für die Pflanzer schwierig wegen der über Monate andauernden Hitze und Trockenheit sowie wegen den sich daraus ergebenden Problemen bei der Kulturführung und beim Pflanzenschutz. Jetzt sind zudem die Zuckerfabriken mit Problemen bei der Bahnanfuhr der Zuckerrüben sowie bei deren Verarbeitung und durch die Qualität konfrontiert. Bei den Zuckerrübenproduzenten ist die Stimmung gereizt. Worum geht es, und wo liegen die Ursachen? 

Partner betritt Neuland


Wie letzten Winter bei den GVs der beiden Pflanzervereinigungen angekündigt, mussten die Zuckerfabriken wegen des Preisdrucks innerhalb der EU mehrere Massnahmen zur Kostensenkung auf einmal einleiten. Unter anderem wurde anstelle der SBB Cargo neu die Sersa Group AG mit dem Schienentransport der Rüben beauftragt. 

Diese Firma ist speziell im Bereich Geleise- und Leitungserneuerungen respektive bei deren Unterhalt in der Schweiz und in anderen europäischen Ländern tätig. Offensichtlich, so ein Spezialist aus der Transportbranche, ist dieser Auftrag für den Schienentransport der Zuckerrüben Neuland für die Sersa. 

Zu wenig Erfahrung

Nicht nur musste die Sersa den Transport neu planen und organisieren, sondern auch das dazu nötige Personal (Lokführer und Begleitpersonen) rekrutieren. Da sie über keine eigenen Lokomotiven verfügt, mietete die Firma vier Maschinen bei der SBB und zwei bei der BLS. Neu sind dieses Jahr auch die eingesetzten Transportwagen der Rübenzüge.

Der Start der Kampagne verlief nicht reibungslos, wie Denis Dessibourg, einer der Verantwortlichen bei der Verladestation Avenches-Domdidier, erklärt: «Es fehlten Bahnwagen, sie kamen nicht zur geplanten Zeit und wurden sogar auf falschen Geleisen abgestellt. Es mangelte an Erfahrung und Ortskenntnis beim neu von der Sersa eingestellten Personal. Das neue, dieses Jahr erstmals von den Zuckerfabriken eingesetzte Informatikprogramm, hat zudem Kinderkrankheiten: Waggons waren falsch nummeriert, und deren Reihenfolge sowie Zuordnung zu den einzelnen Rübenproduzenten stimmte nicht. All dies zusammen hat zu grossen Zeitverlusten geführt. Zudem fehlten die bisher üblichen Lieferscheinkopien für die Rübenproduzenten.» «Ich musste mir selbst helfen», sagt ein Rübenproduzent aus Domdidier FR, «indem ich meine Waggons nach deren Beladung zur Sicherheit fotografierte.» 

Verladen geht zu lange


Probleme gibt es auch beim Verladen der Zuckerrüben in die neuen Bahnwagen. Der Grund ist ihre neue Konzeption. Die alten, bis letztes Jahr eingesetzten Wagen, waren nicht unterteilt. «Auf den neuen Bahnwagen sind jeweils drei Container fixiert», erläutert Dessibourg. «Das Beladen braucht mehr Zeit», erklärt er, «denn nach jeder Befüllung eines Containers muss der Ladevorgang unterbrochen und neu gestartet werden. Das Beladen in einem Durchgang wie bisher geht nicht mehr. Fallen die Zuckerrüben auf die Querwände der Container, so fallen sie auf die Geleise. Zudem ist die Ladekapazität wesentlich geringer als die versprochenen 60 t Rüben pro Wagen.» 

«All dies führte», so Dessibourg, «zu Rückstaus bei der Ernte und beim Laden mit der Rübenmaus. Rübenmieten blieben deshalb länger als vorgesehen liegen. Zusammen mit den hohen Temperaturen in diesem Herbst förderte das die Ausbreitung von Fäulnis bei den Zuckerrüben.»

Warten auf Ergebnisse 

Nicht zufrieden sind die Landwirte zudem mit den langen Wartezeiten für die Analyseergebnisse. Der oben bereits erwähnte Produzent aus Domdidier wartete wie viele andere seiner Kollegen drei Wochen lang auf die Ergebnisse. Dessibourg hat eine Verbesserung der Situation in der vergangenen Woche feststellen können. 

«Dies ist nötig», meint er, «denn für die Region Broye wird ein gut funktionierender Bahntransport der Zuckerrüben auch in Zukunft wichtig sein. Die relativ kurzen Anfahrtsstrecken von 5 bis 10 km bis zur nächsten Verladestation ersparen uns viel Arbeitszeit und Aufwand», betont der Zuckerrübenproduzent aus St.Aubin FR.

Schweizer Zucker räumt Fehler ein

Schweizer Zucker hat Probleme in den Kampagnenberichten eingeräumt. Mitte Oktober wurden wegen Störungen bei der Bahnlogistik und der neuen Hoflogistik-Software die geplanten Liefermengen nicht erreicht. "Bei den Bahntransporten brachten die von Sersa ergriffenen Sofortmassnahmen erste Verbesserungen. Diese wurden jedoch teilweise durch Verzögerungen beim Rübenentlad zu Nichte gemacht", hielt Schweizer Zucker fest. Die Rangierprozesse mit den neuen Containerwagen beanspruchen offenbar mehr Zeit als geplant. Störungen bei Soft- und Hardware führten zu zusätzlichen Verzögerungen. "Dadurch konnten nicht alle Leerwagen rechtzeitig bereitgestellt werden, was zu Zugsaufällen und reduzierten Wagenzahlen führte", so Schweizer Zucker.

Eine Woche zeigte sich das Unternehmen zuversichtlicher. Bei der Bahnlogistik in Aarberg beruhig sich die Lage zunehmend. Bei einzelnen Bahnhöfen verursachte jedoch Fehlverhalten von Rangiermitarbeitern erneut unnötige Wartezeiten für die Verlader. "Sersa und die Schweizer Zucker AG (SZU) arbeiten weiter an den Verbesserungsmassnahmen", hiess es im Bericht der Kampagnenwoche 4. Zu Verzögerungen führen Lieferungen mit hohem Besatz und abgestorbenem Rübenlaub. Der Entladeprozess wurde so gestört, es konnten nicht genügend Wagen zur Verfügung gestellt werden. blu

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