12.02.2020 13:09
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Bundesrat
Schleppschlauch wird obligatorisch
Der Bundesrat will mit den neuen Vorschriften die Ammoniakemissionen deutlich senken. Deshalb muss künftig die Gülle mit Schleppschlauch ausgebracht werden, Güllekasten müssen zudem dauerhaft abdeckt sein. Die Bauern müssen die Regeln bis spätestens Anfang 2022 umsetzen.

Der Bundesrat hat am Mittwoch Änderungen an drei Verordnungen im Umweltbereich genehmigt. Eine davon betrifft die Landwirtschaft. Der Umgang mit Gülle ist in der Luftreinhalte-Verordnung (LRV) neu geregelt.

Ammoniak: 90 Prozent aus der Landwirtschaft

Beim «Bschütte» treten ab dem 1. Januar 2022 neue Vorschriften in Kraft treten. Das Ausbringen der Gülle mit dem Schleppschlauch wird obligatorisch, wo es topografisch möglich ist. Wie der Bundesrat in einer Mitteilung schreibt, stammen über 90 Prozent der schweizweiten Ammoniakemissionen stammen aus der Landwirtschaft, ein Grossteil entfällt dabei auf die Gülle. 

Der Bundesrat hält in den Erläuterungen fest, dass die landwirtschaftlichen Ammoniakemissionen zwischen 1990 und 2015 um 18 Prozent verringert werden konnten. Dies sei aber in erster Linie aufgrund der Verringerung des Tierbestandes zwischen 1990 und 2000 zurückzuführen. Es bestehe nach wie vor eine Ziellücke «Die Umsetzung konkreter technischer Minderungsmassnahmen ist von grosser Bedeutung», heisst es weiter.

Massnahmen hätten sich bewährt

Der Bundesrat hält in seiner Agrarpolitik ab 2022 fest, dass es Potenzial zur Reduktion gibt. Zwei Massnahmen zur Vermeidung von Ammoniak- und Geruchsemissionen gilt es für die Bauern umzusetzen: Zum einen müssen Güllelager dauerhaft abgedeckt sein, damit kein Ammoniak austreten kann.

Zum anderen ist es künftig Vorschrift, Gülle – wo topografisch möglich – mit Schleppschlauchverteilern und nicht mehr mit Pralltellern auszubringen. «Dieses emissionsmindernde Ausbringverfahren wird seit mehreren Jahren im Rahmen der Direktzahlungsverordnung gefördert. Viele Landwirtschaftsbetriebe setzen diese beiden Massnahmen schon heute um. Sie haben sich bewährt», schreibt die Landesregierung weiter. Die Betriebe hätten nun noch genügend Zeit, sich den Bestimmungen anzupassen.

Bis zu einer Hangneigung von 18 Prozent

«Sowohl die dauerhaft wirksame Abdeckung von Güllelagern wie auch die emissionsmindernde Ausbringung von Gülle sind erfolgreich erprobt und entsprechen dem Stand der Technik», heisst es in den Erläuterungen. 

Der Schleppschlauch ist bis zu einer Hangneigung von 18 Prozent grundsätzlich anzuwenden, heisst es weiter. «Damit insbesondere kleine Betriebe nicht übermässig belastet werden, sind Betriebe von der Pflicht zur emissionsmindernden Gülleausbringung befreit, wenn die Fläche mit einer Hangneigung bis 18 Prozent weniger als 3 Hektare beträgt», heisst es im Bericht des Bundes.

Nationalräte hingerfragen Schleppschlauch-Pflicht

Die Nationalräte Marcel Dettling (SVP/SZ), Martin Haab (SVP/ZH) und Andreas Gafner (EDU/BE) hinterfragen das Obligatorium für den Schleppschlauch und haben im Dezember 2019 entsprechende Vorstösse lanciert.

Marcel Dettling hält in seiner Interpellation fest, dass das Obligatorium neben möglichen Vorteilen betreffend Ammoniakemissionen vor allem auch grosse negative Begleiterscheinungen hätte. Er denkt an den höheren Bodendruck sowie an eine Erhöhung des CO2-Ausstosses, weil Güllefässer mit Schleppschlauch in der Regel schwerer seien als solche ohne. 

Martin Haab verweist in seiner Interpellation auf die theoretische Annahme, dass mit dem Schleppschlauch die Ammoniakemissionen beim Ausbringen der Gülle um bis zu 35% reduziert werden. Bei Ammoniakprojekten, die zwischen 2008 und 2018 in 21 Kantonen durchgeführt worden seien, fehle dieser Nachweis bei den angeordneten Messungen,

Andreas Gafner reichte eine Interpellation zum Thema Schleppschlauch ein. Er will vom Bundesrat wissen, ob die Wirksamkeit des Schleppschlauches mit «fundierten» Zahlen belegt werden kann. «Zwischen Praxis und Theorie gibt es eine Diskrepanz», schreibt er.  Die schweren Maschinen würden aber den Bodendruck erhöhen und somit die Bodenverdichtung fördern. sal

Als geeignete Verfahren gelten die bandförmige Ausbringung mit Schleppschlauch- oder Schleppschuhverteilern, das Schlitzdrillverfahren mit offenem oder geschlossenem Schlitz sowie die Ausbringung mit Breitverteilern im Ackerbau, sofern die ausgebrachten flüssigen Hofdünger innerhalb von wenigen Stunden in den Boden eingearbeitet werden. 

Luftreinhalte-Verordnung

Änderungen

Lagerung von flüssigen Hofdüngern 

Einrichtungen für die Lagerung von Gülle und flüssigen Vergärungsprodukten sind mit einer dauerhaft wirksamen Abdeckung zur Begrenzung der Ammoniak- und Geruchsemissionen auszustatten. Das BAFU und das Bundesamt für Landwirtschaft erlassen gemeinsam Empfehlungen.

Ausbringung von flüssigen Hofdüngern 

1 Gülle und flüssige Vergärungsprodukte sind auf Flächen mit Hangneigungen bis 18 Prozent durch geeignete Verfahren möglichst emissionsarm auszubringen, wenn diese Flächen auf dem Betrieb insgesamt 3 oder mehr Hektare betragen.
2 Als geeignete Verfahren gemäss Absatz 1 gelten: a. die bandförmige Ausbringung mit Schleppschlauch- oder Schleppschuhverteilern; b. das Schlitzdrillverfahren mit offenem oder geschlossenem Schlitz; c. die Ausbringung mit Breitverteilern im Ackerbau, sofern die ausgebrachten flüssigen Hofdünger innerhalb von wenigen Stunden in den Boden eingearbeitet werden.
3 Die Behörde kann auf schriftliches Gesuch im Einzelfall weitere technisch oder betrieblich begründete Ausnahmen gewähren.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE