1.06.2013 07:08
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Ackerbau
Schnecken machen Bauern zu schaffen
Die Schnecken treffen derzeit auf den Feldern «paradiesische Zustände» an. Dank des nassen Wetters können sie sich ungehemmt vorwärtsbewegen und mit ihrem grossen Appetit beträchtliche Schäden verursachen.

«Bei einem Bauern ist in diesem Frühling ein ganzer Zwiebelbestand weggefressen worden», sagt Rene Steiner, Gemüsebaulehrer am Inforama in Ins, dem Bildungs-Beratungs- und Tagungszentrum für Land- und Hauswirtschaft des Kantons Bern der Nachrichtenagentur sda. Etwa eine Hektare gross sei das Feld gewesen. 

«Die Schnecken fressen einfach alles weg: vom Stengel über die Wurzeln bis zu den Blättern.» Entgegen kommt ihnen natürlich das nasse Wetter: «Die Schnecken treffen derzeit paradiesische Zustände an», sagt Steiner. 

Totalausfall wegen Schneckenfrasses 

Von «Hochsaison» spricht Georg Feichtinger, Berater bei der Fachstelle für Pflanzenschutz des Kantons Zürich. Und bereits letztes Jahr sei es sehr feucht gewesen. So habe sich die grosse Population dank des nassen Wetters in diesem Jahr weiter entwickeln können. Hinzu komme, dass die Kulturen nur wenig wüchsen und die Schnecken entsprechend über eine lange Zeit Schäden anrichten  könnten. 

«Im Zürcher Weinland haben die Schnecken ein ganzes Rübenfeld gefressen. Da blieb kein Zehntel mehr der Pflanzen übrig», sagt  Feichtinger. Wegen Schneckenfrasses sei durchaus ein Totalausfall möglich: So könnten etwa Sonnenblumenfelder, die angesät wurden, komplett weggefressen werden. Bei einem stark befallenen Feld habe er etwa fünf Schnecken pro Quadratmeter gezählt. Bei 20 bis 30 Pflanzen pro Quadratmeter benötigten die Schnecken nur etwa ein bis zwei Nächte, bis alles weggefressen sei, sagt er weiter. 

Schlecht erkennbare Schleimspuren 

Die Bauern seien aber schon früh aufgerufen worden, auf der Hut zu sein. Es sei ihnen auch empfohlen worden, Köderstellen auszulegen. Dabei wurden an bestimmten Stellen auf ein paar Quadratmetern Körner ausgestreut, teilweise bevor überhaupt Schnecken auftauchten, um zu sehen, ob es Schleimspuren gibt. 

Allerdings seien die Schleimspuren derzeit nicht so ausgeprägt zu sehen, weil es so nass sei. «Die Schnecken verstecken sich bei diesem Wetter auch nicht. Sie kriechen andauernd herum», erklärt Feichtinger. Bei Direktsaaten ohne Bodenbearbeitung oder bei so genannten Mulchsaaten, bei denen der Boden nur oberflächlich gemischt werde, gebe es erfahrungsgemäss mehr Schnecken, als wenn der Boden gepflügt werde. 

Schneckenkörner als Gegenmittel 

Sind die Schnecken einmal da, so gibt es wirksame Bekämpfungsmethoden. In der richtigen Dosierung seien Schneckenkörner sehr wirksam und die Bauern hätten für eine Saison Ruhe vor den Schädlingen. 

Schneckenkörner auf der Basis von Eisenphosphat können seit einigen Jahren auch im biologischen Landbau ausgestreut werden, wie Hansueli Dierauer vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FIBL) sagt. Er bestätigte einen Artikel der aktuellen «BauernZeitung». Sie wirken aber nicht so schnell wie jene, die im konventionellen Landbau eingesetzt werden. Und bei gewissen Kulturen dürften sie nicht eingesetzt werden. «Beim Mais können wir praktisch zuschauen, wie er von den Schnecken gefressen wird», sagt Dierauer. 

Ackerschnecken machen grösste Schäden

Die flächenmässig grössten Schäden richten die Ackerschnecken an, die nur einen halben bis maximal fünf Zentimeter gross sind. Typisch ist für sie der Lochfrass, und zwar ober- und unterirdisch. Ausser bei Frost sind die Ackerschnecken das ganze Jahr über aktiv. 

Die grösseren Wegschnecken fressen oft ganze Pflanzen weg, hauptsächlich oberirdisch. Sie können aus Grünland oder Brachen einwandern und einige Meter Kulturland kahlfressen. Aktiv sind sie vom frühen Frühjahr bis in den Spätsommer.

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