29.01.2019 16:13
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
St. Gallen
Schutzzone bedroht Existenz
Im Westen von Gossau SG sollen zwei Weiler Wasser aus einer anderen Quelle erhalten. Dazu muss eine Schutzzone geschaffen werden. Eine Bauernfamilie fürchtet um ihre Existenz. Deshalb ergreift sie Rechtsmittel.

Die Weiler Rüeggetschwil und Nutzenbach bei Gossau beziehen das Wasser bisher aus verschiedenen Quellen. Doch der Hitzesommer 2018 hat diese zeitweilig zum Austrocknen gebracht. Die Häuser mussten mit Tanklastwagen versorgt werden.

Um die Versorgung sicherzustellen, will der Wasserverein Nutzenbach-Rüeggetschwil eine neue Quelle erschliessen, an welcher einige Mitglieder ein Nutzungsrecht besitzen. Die Quelle liegt aber auf dem Grundstück einer Bauernfamilie und zwei Nachbarn. Da künftig auch Mietwohnungen Nass von dieser Quelle beziehen sollen, gilt diese nicht mehr als privat, sondern als öffentlich. Für die Nutzung muss die Stadt deshalb eine Schutzzone errichten.

Für die Bauernfamilie wird dies zu einem grossen Problem. Denn auf der vorgesehenen Fläche von rund 2.5 Hektaren kultiviert die Familie Zingg Gemüse und Salat. Die Bewirtschaftung wäre künftig massiv eingeschränkt. «Im inneren Bereich besteht ein Ackerbau- und Düngeverbot. An Gemüsebau ist so nicht zu denken», sagt Roger Zingg zum «Tagblatt». Die Einschränkung käme einem Berufsverbot gleich, fährt er fort. «Es geht um unsere Existenz als Landwirtschaftsbetrieb», macht er deutlich. Die Zone sei bezüglich der Ertragseinbusse nicht verhältnismässig.

Vielen Fragen seien noch ungeklärt. «Es ist nicht klar, ob die Fruchtfolgefläche, die verloren geht, kompensiert wird», sagt Roger Zingg zum «Tagblatt». In anderen Kantonen könnten keine Schutzzonen auf Fruchtfolgeflächen realisiert werden.  Ein Fragezeichen gibt es auch bezüglich der Wasserqualität. In der Schutzzone gibt es Böden mit Altlasten.

Unterstützung erhält die Bauernfamilie von zwei Nachbarn, denen die Quellen gehört. Diese haben ebenfalls Einsprache gegen die Schutzzone eingelegt. Die Stadt Gossau hat diese jedoch abgewiesen. Nun wurde die Einsprache an den Kanton St. Gallen weitergezogen. Die Wasserverein wie die Stadt Gossau wollen sich aufgrund des laufenden Falls nicht zum Thema äussern. Als Ersatz für die Quellfassung könnte auch eine Wasserleitung gebaut werden.

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