7.01.2015 10:49
Quelle: schweizerbauer.ch - Rapahel Bühlmann
Tessin
Schweizer Reis – darauf haben alle gewartet
Die Produzentenpreise im Getreidebau fallen. Der einzige Reisbauer der Schweiz kommt derweil der Nachfrage nach Schweizer Reis nicht nach und überlegt sich sogar, den Verkaufspreis zu erhöhen.

«Wir wollten nur noch Lebensmittel produzieren, welche der direkten menschlichen Ernährung dienten.» So habe man die Viehhaltung aufgegeben und mit ihr auch den Futtergetreidebau. Renato Altrocchi, der Direktor des Landwirtschaftsbetriebes «Terreni alla Maggia» in Ascona TI erinnert sich gut, wie man die landwirtschaftliche Produktion 1996 umstellte.

«Wir waren damals kein Familienbetrieb und sind es heute nicht.» Der Betrieb an den Ufern des Lago Maggiore erhielt demnach nie Direktzahlungen und muss nicht zuletzt deshalb, seine Produktion konsequent an Marktbedürfnissen ausrichten.

Man hatte keine Erfahrung

Schon länger produzierte Terreni alla Maggia Mais für die im Tessin verbreitete Polenta oder Hartweizen für Teigwaren. Basierend auf der Idee, die Produktion an der menschlichen Ernährung zu orientieren, hat man den Betrieb vor fast 20 Jahren um einen Produktionszweig erweitert: den Reisanbau. «Für mich war das eine berufliche Herausforderung», erinnert sich Altrocchi. Man habe damals keinerlei Erfahrungen gehabt und musste sich das Know-how aus der italienischen Fachpresse aneignen.

Mit der Gewissheit, dass nicht mal hundert Kilometer südlich auf über 200'000 Hektaren Reis gut gedeihen würde, habe man die ersten Versuche unternommen und dann ab 1997 als erster Schweizer Betrieb mit dem professionellen Reisanbau begonnen.

90 Hektaren

Was quasi als Experiment begonnen hatte, hat sich mittlerweile als Volltreffer erwiesen. Nicht zuletzt deshalb, weil der Risotto im Tessin als traditionelles Gericht verankert ist, seien die Konsumenten begeistert gewesen «Als die Leute hier den ersten ‹echten› Tessiner Risottoreis in den Läden vorfanden, hat dies fast eine patriotische Reaktion bewirkt», stellt Altrocchi fest.

Und so kam es, dass die Produktionsfläche aufgrund der wachsenden Nachfrage laufend ausgedehnt werden konnte. «Wir haben mit 2 Hektaren begonnen. Heute sind ist es über 90, und wir haben immer noch zu wenig. Wenn wir den Gewinn maximieren wollten, könnten wir den Preis eigentlich erhöhen, was vermutlich keine grosse Auswirkung auf die Nachfrage hätte.» Der Reisanbau hat sich für den Betrieb Terreni alla Maggia nach dem Weinbau mittlerweile zum zweitumsatzstärksten Betriebszweig gemausert. 

Nördlicher geht nicht

Abgesehen von einem Gebiet in Ungarn ist das Tessin der nördlichste Ort weltweit, wo noch Reis angebaut wird. «Da wir uns an der Klimagrenze befinden, sind wir auf eine frühreife Sorte angewiesen», so Altrocchi. Zusätzlich müsse man auf eine Sorte zurückgreifen, die auch wenig Wasser benötige. Weil der Boden hier sehr durchlässig sei und es grosse Investitionen mit sich gebracht hätte, habe man auf eine Flutung der Felder verzichtet.

Dies wäre ohnehin schwierig durchzusetzen gewesen, weil das stehende Wasser bekanntlich Mücken anzieht, was wiederum für den Tourismus schlecht hätte sein können. Mit der Sorte Loto konnte man diese Bedenken umgehen. Jedoch verzögert sich der Erntezeitpunkt. «Während bei der Anbaumethode mit Überschwemmung die Vegetationsperiode etwa 135 Tage dauert, lassen wir die Sorte Loto bis 160 Tage reifen.»

Unkräuter wachsen schneller als Reis

Viel entscheidender beim Reisanbau sei jedoch das Wasser. Unterschreitet dessen Temperatur 12 Grad, sei dies für die Pflanze schädlich. Ebenfalls wichtig sei das Wetter während der Blütenbildung und der Befruchtung im Juli und August. «Während der Befruchtung durch den Wind sollte das Wetter einfach sonnig und warm sein» hält Altrocchi fest. Grundsätzlich sei der Reis weniger auf Wurzel- als vielmehr auf Blatt und Ährenkrankheiten anfällig. Eine spezifische Herausforderung des Trockenanbaus sei indes die Verunkrautung.

Der Betrieb Terreni alla Maggia erfüllt die IP-Richtlinien, wonach er Herbizide einsetzen kann. «Wir spritzten im Vorauflauf ein Residualherbizid und bei Bedarf lokal. Unkräuter wachsen aber dennoch schneller als der Reis», so Altrocchi. Dies sei bei schlechter Witterung umso mehr der Fall. Eine mechanische Regulierung sei für den Reis indes ungeeignet.

Bis 70 dt je ha Ertrag

Der Ertrag schwankt von Jahr zu Jahr. «In guten Jahren dreschen wir 7000 Kilo pro Hektare, in schlechten 4000 Kilo», sagt Altrocchi. Hektolitergewicht oder Fallzahlen kennt man beim Reis nicht. Hingegen stellen die Ausreifung sowie die Brüchigkeit der Körner wichtige Qualitätsmerkmale dar.

Die Ernte wird vom Feld in Hochsilos zwischengelagert. «Noch in den Spelzen bleibt der Reis länger haltbar, und wir können den Reis je nach Bedarf dem Zwischenlager entnehmen.» Das Entspelzen geschehe jeweils auf dem Betrieb selber, worauf er für die Weiterverarbeitung in eine der zwei Reismühlen im Tessin oder in Brunnen gebracht wird. «Bei der Raffination werden die Reiskörner geschmirgelt und vom Keim befreit. Zudem durchlaufe jedes Korn eine Qualitätskontrolle und werde mittels Kamera erfasst und – wenn nötig – aussortiert.

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