25.06.2019 11:50
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Pflanzenschutz
Trinkwasserinitiative: Aus für Schweizer Rüben
Die Schweizer Zucker AG warnt vor einer Annahme der Trinkwasserinitiative. Dies würde das Aus für die Schweizer Zuckerproduktion bedeuten, denn der Anbau von Zuckerrüben würde massiv zurückgehen.

Die Trinkwasserinitiative wurde in der vergangenen Woche im Nationalrat behandelt. Zwar wurde die Initiative deutlich abgelehnt. Wie sich das Stimmvolk entscheiden wird, ist aber ungewiss.

40 Prozent weniger Fläche

Die Forschungsanstalt Agroscope hat 18 verschiedene Szenarien zur Abschätzung der Auswirkungen der Trinkwasserinitiative berechnet. Für den Rübenanbau hätte eine Annahme gravierende Veränderungen zur Folge. Gemäss der Studie würde die Zuckerrübenfläche um rund 40 Prozent zurückgehen, die Produktion je nach Annahmen um 45 bis 60 Prozent. Dies auch bei moderaten und günstigen Annahmen, schreibt Schweizer Zucker am Dienstag in einer Mitteilung.

Der starke Rückgang hätte direkte Folgen für die beiden Zuckerfabriken in Aarberg BE und Frauenfeld TG. Die Kapazitäten wären nicht mehr ausgelastet. «Für die Zuckerbranche gäbe es daher nach einer Annahme der Trinkwasserinitiative nur ein Szenario – Aufgabe des Zuckerrübenanbaus und Stilllegung beider Fabriken», mahnt Schweizer Zucker.

Bio-Zucker keine Option

Eine Umstellung auf Bio-Produktion ist für Schweizer Zucker keine Option. «Der biologische Zuckerrübenanbau ist eine sehr anspruchsvolle, arbeits- und zeitintensive Nischenproduktion», heisst es in der Mittelung. Da bei Krankheits- und Schädlingsdruck kaum Wirkstoffe zur Verfügung stehen, beträgt die Anbaufläche heute lediglich 120 Hektaren oder 0,7 Prozent. Die Rübenfläche in der Schweizer liegt bei rund 18'000 ha.

2017 wurden in der Schweiz noch auf 19'628 ha Rüben angebaut. Das Ziel von 20'000 ha wurde nicht erreicht. 2018 sank die Fläche auf 18'933 ha, und für 2019 wird von lediglich 17'622 ha konventionellen Rüben ausgegangen. Die Bio-Rübenfläche erhöht sich von 67 auf 110 ha. 

«Selbst bei einer nicht wortgetreuen Umsetzung der Initiative und der Zulassung von Wirkstoffen aus dem biologischen Anbau im ökologischen Nachweis, wäre die Zuckerrübenmenge für die Auslastung nur einer Fabrik nicht ausreichend», hält Schweizer Zucker fest.

Zwei Initiativen

Trinkwasser-Initiative:
Sie will, dass nur Bauern Direktzahlungen erhalten können, die auf den Einsatz von Pestiziden (der Initiativtext enthält keine Einschränkung auf chemisch-synthetische Pestizide) und auf die prophylaktische Abgabe von Antibiotika verzichten, die die Biodiversität erhalten und die nur so viel Tiere halten, wie sie mit betriebseigenem Futter ernähren können.

Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» von Future3: 
Sie will in der Schweiz den Einsatz synthetischer Pestizide in der landwirtschaftlichen Produktion verbieten. Die gewerbsmässige Einfuhr von Produkten, die im Ausland mit synthetischen Produkten hergestellt wurden, würde auch verboten. 

Nur noch Importe


Der Zuckerbedarf von 350'000 Tonnen müsste künftig mit Importen gedeckt werden. Konsumenten und die verarbeitete Lebensmittelindustrie wären in der Folge vollständig abhängig von importiertem Zucker, warnt Schweizer Zucker. Ausländischer Zucker habe aber drastische Auswirkungen auf Umwelt und Klima. 

Eine Studie von 2017 habe aufgezeigt, dass Schweizer Zucker einen 30% tieferen ökologischen Fussabdruck hat, als importierter EU-Zucker. «In dieser Studie noch nicht berücksichtigt ist, dass das Altholzkraftwerk in Aarberg, welches ab 2021 in Betrieb geht, 2/3 des Energiebedarfes des Werkes mit erneuerbarer Energie abdecken wird», heisst es weiter. EU-Zucker werde hingegen mit Atom- und Braunkohlestrom hergestellt.

«Wer diese gefährliche Initiative unterstützt, setzt ein klares Zeichen gegen Nachhaltigkeit und Klimaschutz», betont Schweizer Zucker.

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