3.04.2018 11:30
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Bigler
Waadt
«Umstellung war extrem»
Fabien Chambettaz stellte den intensiv bewirtschafteten Ackerbaubetrieb auf Bio um und baute eine Bio-Getreidesammelstelle. Er würde die Umstellung wieder machen, allerdings über einen etwas längeren Zeitraum.

Eigentlich wollte Fabien Chambettaz aus Etagnières VD Bauingenieur studieren und den 20-ha-Landwirtschaftsbetrieb seines Grossvaters im Nebenerwerb bewirtschaften. Doch während eines Schnupper-Praktikums in einem Ingenieurbüro merkte er rasch: «Das ist nichts für mich.» Also meldete er sich für das Agronomie-Studium an der Hafl in Zollikofen BE an und absolvierte ein Praktikumsjahr auf einem Betrieb in Uebeschi BE.

Wie weiter?

«Während dem Studium begann ich mir Gedanken zu machen, wie ich den intensiv bewirtschafteten Ackerbaubetrieb weiterführen möchte», blickt der 30-Jährige zurück. «Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Kunstdünger nach Plan widerstrebte mir zunehmend.» Eine erste Idee, die Rinder des Nachbarn im Aufzuchtvertrag zu halten, verwarf er wieder. «Die Entwicklungen in der Agrarpolitik machten das uninteressant.»

Schliesslich beschloss Chambettaz sich auf die Stärke des Betriebs zu konzentrieren: den Ackerbau. An der Hafl lernte er einen Kollegen kennen, dessen Onkel eine private Getreidesammelstelle betreibt. Diese Idee liess ihn nicht mehr los. Jedoch gab es bereits zahlreiche Sammelstellen in der Region.

«Biolandbau reizte mich»

Gleichzeitig weckte der Besuch eines Moduls für Biolandbau an der Hafl sein Interesse für diese Form der Landwirtschaft. «Die Herausforderung, Unkraut, Schädlinge und Krankheiten anders zu bekämpfen als mit der einfachen, raschen Lösung Chemie reizte mich.» Der Student begann sich in das Thema einzulesen und besuchte verschiedene Biobetriebe. 

Schliesslich musste er noch seine Mutter Catherine überzeugen. Die Lehrerin hatte nach dem Tod ihres Vaters 2003 den Betrieb übernommen und weitergeführt. Sie baute Weizen, Gerste, Raps, Silomais, Sonnenblumen und etwas Lein an. Dann, 2013, starteten die beiden ins erste Bio-Umstellungsjahr. Es war kein einfaches Jahr. «Das nasse Wetter erschwerte die Unkrautbekämpfung und ich arbeitete zu dieser Zeit 100 Prozent beim Waadtländer Bauernverband», erzählt der Romand. Dass er eine Stunde mit dem Traktor fahren musste, um sein Biogetreide abzuliefern, liess schliesslich die Vision der eigenen Sammelstelle wieder aufleben.

Erfolg mit Sammelstelle

Der Agronom, der einst Bauingenieur werden wollte, begann mit der Planung. Im Herbst 2014, nach einem erfolgreicheren 2. Umstellungsjahr, gab er seinen Job bei Prométerre auf. Im Frühling 2015 begann der Bau des Fundaments für die neue Halle. «Mit dem neuen Gebäude für die Sammelstelle konnten wir auch gleich eine Maschinenhalle ausserhalb des Dorfes realisieren.»

Die Einrichtungen für die Sammelstelle hat Chambettaz selber, zusammen mit einem Angestellten, montiert. «Das war eine intensive Zeit. Es hat sich aber gelohnt. Nun kenne ich die Anlage in und auswendig», lacht er. Am 8. Juli 2016, kurz nachdem die letzte Schraube festgezogen war, wurde das erste Getreide angeliefert. Letztes Jahr nahm Chambettaz total 2000 Tonnen Biogetreide, -ölsaaten und -spezialkulturen an. 50 Landwirte lieferten 17 verschiedene Kulturen. Damit stiess die Sammelstelle bereits an ihre Kapazitätsgrenzen. Bald will der Jungunternehmer deshalb die Zahl der Silos von 18 auf 27 aufstocken. 

Betriebsspiegel

Biobetrieb von Catherine (Mutter) und Fabien (Sohn) Chambettaz in Etagnières VD.
Mitarbeiter: Fabien (100%), Catherine (40%), Angestellter (50%).
Fläche: 40 ha LN
Kulturen: Kunstwiese, Weizen, Lein, Ackerbohnen, Linsen, Hirse
Tiere: Keine
Spezielles: Private Getreidesammelstelle für Biokulturen.

Gülle vom Nachbarn

Für die Vermarktung der Ware arbeitet der Landwirt mit drei Abnehmern zusammen, die auch die Abrechnung mit den Produzenten übernehmen. Chambettaz übernimmt, trocknet, reinigt und lagert das Getreide und koordiniert die Auslagerung. Der Landwirtschaftsbetrieb von Catherine Chambettaz ist in den letzten Jahren auf knapp 40 Hektaren angewachsen. Es kam unter anderem noch das Land des elterlichen Betriebs von Fabiens Vater, der getrennt von der Familie lebt, dazu.

Für die Düngung der Kulturen (Kunstwiese, Weizen, Lein, Ackerbohnen, Linsen und Hirse) arbeitet der Biobauer eng mit einem konventionellen Nachbarbetrieb zusammen. «Er bringt Rindergülle im Getreide und auf den Kunstwiesen, welche er auch nutzt, aus», erklärt Chambettaz. Zusätzlich düngt er mit Biogasgülle und Kompost. Gründüngungen seien ebenfalls wichtig, um die Nährstoffauswaschung zu verhindern und das Unkraut zu unterdrücken.

«Braucht Leidenschaft»

Chambettaz würde sofort wieder auf Bio umstellen. «Ich würde aber die Umstellung etwas sanfter gestalten», zieht er ein Fazit. Für die Böden sei der schlagartige Wechsel von sehr intensiver Bewirtschaftung ohne organische Dünger zum Biolandbau extrem gewesen. Die schwierigen Zeiten einer Betriebsumstellung überstehe man nur dank viel Motivation, Willen und Leidenschaft.

Künftig möchte er einen Teil seiner Produkte direkt vermarkten. Die Abpackanlage für kleine Säcklein könnten auch Berufskollegen nutzen. «So würden wir die ganze Wertschöpfungskette abdecken.» Ausserdem will er in den nächsten Jahren den Betrieb von seiner Mutter übernehmen. 

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