1.07.2019 11:05
Quelle: schweizerbauer.ch - ral
Bern
Ungewöhnliches ausprobieren
Kartoffeln hat man auf dem Hof Ausser Schönenwald BE bei Eggiwil schon immer angebaut. Daraus ist eine Leidenschaft geworden.

Die Tage von Hilde und Hansueli Egli sind ausgefüllt, sehr sogar. Momentan beginnt er meist schon um vier Uhr früh. Ja, vor dem Melken seiner Simmentalerkühe sei er noch eine Stunde in der Schnitzereiwerkstatt gewesen.

Ungewöhnliches ausprobieren

Richtig, das ist neben dem Bauernhof das zweite Standbein von Eglis, das sie schon 90 Jahre, heute in vierter Generation betreiben. Neben den Eltern und der Tochter Nicole arbeiten fünf Personen mit und stellen wahre Kunstwerke her. Doch davon ein anderes Mal.

Im oberen Emmental, wozu der Hof Ausser Schönenwald, auf Gemeindegebiet Eggiwil gelegen und postmässig von Schangnau bedient, liegt, wurde schon früher Ackerbau betrieben. Brotfrucht, Flachs und eben Kartoffeln wurden bestellt. «Ja, ich bin kein Bauer, der ins allgemein geläufige Klischee passt. Ich wollte immer auch etwas Ungewöhnliches ausprobieren. So säte ich schon Eiweisserbsen, Mais und heute noch Hafer. Denn ich strebe einen möglichst geschlossenen Kreislauf auf meinem Betrieb an», redet er sich in Fahrt.

Austauschen ist wichtig

Nächstes Jahr wolle er es mit Urdinkel versuchen. Er mache in vielen Teilen der Bewirtschaftung fast das Gegenteil seines Vaters. Der habe auf Ertrag gebauert. Er sei seit 20 Jahren Biobetrieb und wolle wie gesagt eine möglichst unabhängige Futttergrundlage für seine 15 Kühe. Dafür pflanze er eben Hafer, habe eigenes Stroh, und die überzähligen Kartoffeln landeten auch in der Futterkrippe. Womit wir wieder bei den Kartoffeln wären. Seine Frau Hilde hat fein säuberlich alle Sorten notiert, die auf den 50 Aren gesetzt sind.

Man kennt sich in der Branche. Ein Lachen huscht beim Namen Christoph Jakob über ihre Gesichter. «Ja, der Christoph hat uns vor etwa zehn Jahren angesteckt, es mit alten Sorten zu versuchen», erzählen sie. Früher kannte man Ackersegen. Lange habe er danach gesucht. Und heute stelle er fest, dass die Jungen darauf abfahren würden. Sein Vater habe auch erzählt von gefleckten Sorten. 

Milch statt Kupfer

Im Acker finden wir Fleur de Pêche, die auch innen rotfleischig ist. «Cara ist mein Liebling, von dem gibts den besten Kartoffelstock», erzählen sie weiter. Oder letztes Jahr sei der Lötschentaler super gewesen. Ja viele alte Sorten hätten tiefliegende Augen, das sei nicht begehrt. Und nicht alle eignen sich. «Amandine wächst hier nicht, und Majagold war schon faul, fast bevor sie im Boden lagen.» Statt Kupfer setzt er auf Milch.

2 Liter auf 100 Liter Wasser, das funktioniert. Oder gegen den Kartoffelkäfer wirke Quarzpulver bestens. Verkauft werden die Knollen in der Bäckerei Bieri in Schangnau oder an Kunden, die in der Schnitzerei vorbeikommen. Was seine grösste Passion sei? Hansueli Egli studiert lange: Er habe am Ackerbau fast noch mehr Freude als am Vieh, das hier aber unentbehrlich sei. Aber ohne Schnitzen gehts auch nicht. «Ich habe zwei Herzen in meiner Brust!»

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