5.07.2017 17:49
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Ackerbau
Unkrautsamen mit der Spreu abfangen
Der Ackerfuchsschwanz ist in getreidebetonten Fruchtfolgen gefürchtet. Es gibt Versuche, ihn einzudämmen, indem man beim Dreschen des Getreides die Spreu, die voller Ackerfuchsschwanzsamen ist, abfängt.

Verschiedene Bio- wie auch Nichtbiolandwirte sind konfrontiert mit dem Überhandnehmen des Ackerfuchsschwanzes auf ihren Feldern. Das Phänomen tritt vor allem in Fruchtfolgen auf, die bereits viele Jahre einen erheblichen Anteil Wintergetreide enthalten. Zudem scheint die reduzierte Bodenbearbeitung den Ackerfuchsschwanz zu begünstigen. Eine Möglichkeit, das Problem einzudämmen, könnte laut einem Bericht von Christian Hirschi vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) auf bioaktuell.ch  das Auffangen der Spreu sein.

Vom Wind weggeblasen

Die Spreu setzt sich zusammen aus Spelzen, Stielen, Bruchstroh, kleinen Körnern und Unkrautsamen. Sie verlässt den Mähdrescher nach der Körnerreinigung im Schüttler und gelangt aufs Stoppelfeld. Man könne sich somit fragen, ob es effizient wäre, die Spreu mit den Unkrautsamen aufzufangen, um den Zyklus des Ackerfuchsschwanzes zu unterbrechen oder ihn in den Kulturen zumindest einzudämmen, so Hirschi. Es sei allerdings nicht klar, ob sich wirklich Samen des Ackerfuchsschwanzes in der Spreu befinden würden. Sie könnten schon vor der Ernte durch starken Wind oder während der Ernte durch die Wirkung des Haspels ausfallen; oder sie könnten am Stroh kleben.

Die Antwort hängt laut dem Bericht ab von der Dichte des Getreides und der des Fuchsschwanzes, von den Wetterbedingungen, der Feuchtigkeit, der Mähdreschereinstellung und weiteren Faktoren. Die Rückgewinnung der Unkrautsamen in der Spreu funktioniert gemäss FiBL vor allem in sehr trockenen Gebieten. Einige Versuche bei uns zeigen, dass die Wirkung überschätzt wird und dass die Samen am Stroh kleben.  Demnach besteht die Wirkung des Auffangens der Fuchsschwanzsamen einzig darin, dass der Samenvorrat im Boden reduziert wird. Im Moment fehlen laut Hirschi gesicherte Resultate zur Wirksamkeit der Spreuernte als langfristige Massnahme gegen den Ackerfuchsschwanz und andere Unkräuter.  

Quaderballen pressen 

Immerhin: Das Auffangen der Spreu und damit auch der kleinen Samen der geernteten Kultur wie Getreide oder Raps reduziert das Durchwachsen in der nächsten Kultur. Ist beim Auffangen der Spreu das einzige Ziel die Bekämpfung des Ackerfuchsschwanzes, dann lohnt sich der Aufwand nicht. Das Auffangen der Spreu ist zudem technisch nicht einfach und hat seinen Preis. Zumindest müsste die Spreu gut verwertet werden.

Bernhard Streit von der Hafl hat von 2009 bis 2012 die Erntemöglichkeiten und Verwendung der Spreu untersucht. Demnach können 1 bis 2 Tonnen Spreu pro Hektare geerntet werden. Für die Ernte wird ein Bunker hinten an den Mähdrescher angebracht. Der Bunker wird am Feldrand entleert. Ein grosses Problem ist die geringe Dichte der Spreu von nur 25 bis 50kg pro Kubikmeter. Es ist schwierig, sie mit einer Rundballenpresse zu komprimieren. Am besten haben sich in den Versuchen die Quaderpressen geeignet. Für die Lagerung werden die Ballen am besten in Folien eingewickelt.

Enthält die Spreu Samen des Ackerfuchsschwanzes oder anderer Unkräuter, dann ist der Einsatz als Einstreu wenig sinnvoll, wenn man genau gegen sie ankämpft. Bleibt als Verwendungsmöglichkeit die Kompostierung, die Vergärung in einer Biogasanlage oder das Verbrennen in einer Heizung.

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