17.03.2018 07:16
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Wahl, lid
Getreide
UrDinkel boomt weiter
Nach zwei Jahren mit bescheidenen Erträgen haben die UrDinkel-Bauern 2017 eine Grossernte eingefahren. Geplant ist eine weitere Ausdehnung der Produktion, denn das alte Getreide ist bei Konsumenten beliebt. Thomas Kurth, Geschäftsführer der IG Dinkel, gibt Auskunft.

Die Ernten 2015 und 2016 fielen schlecht aus. Nur dank Importen gab es überhaupt genügend UrDinkel-Produkte in den Läden. Wie sieht gegenwärtig die Versorgung aus?
Thomas Kurth: Dank der guten Ernte 2017 konnten wir den Einsatz von Import-Bio-Dinkel alter Sorten per Ende 2017 beenden. Seit dem 1 Januar arbeiten die Mühlen wieder mit 100 Prozent Schweizer UrDinkel.

UrDinkel-Fläche legt seit Jahren zu, die Nachfrage wächst und wächst. Wie lautet Ihr Erfolgsgeheimnis?
Der wichtigste beeinflussbare Punkt ist, dass das Angebot kontinuierlich der Nachfrage angepasst wird: Sicherstellung einer genügenden Versorgung bei Vermeidung von Überschüssen. Mit den wetterbedingten Ernteschwankungen gerät man da aber leider auch von Zeit zu Zeit in Schwierigkeiten und muss teuer überlagern oder importieren. Wir investieren aber auch sehr viel in die Kommunikation und positionieren den UrDinkel möglichst weit weg vom Weizen. Nicht beeinflussen können wir, und das war und ist glücklicherweise naturgegeben, dass UrDinkel rundum gute Eigenschaften hat, die perfekt in die Langzeit- und Ernährungstrends passen.

Die IG Dinkel sucht zusätzliche Dinkel-Flächen. Wie ist das Interesse der Bauern?
Wir haben bisher die Wachstumsziele erreicht. Wir haben jedes Jahr neue Produzenten und zusätzliche Flächen auf bestehenden Betrieben. Die Feinsteuerung läuft hier über die Preisrelation zum Weizenpreis. Aber auch der gute Strohertrag und die Tatsache, dass Dinkel in den meisten Kantonen als separate Kultur bei der Landschaftsqualität anerkannt ist, helfen.

Man hört immer wieder, dass Dinkel auch von Menschen mit Glutenunverträglichkeiten konsumiert werden könne. Stimmt das?
Nein. Dinkel und UrDinkel haben mehr Gluten als Weizen. Bei Zöliakie werden beide nicht vertragen. Ein anderes Thema sind spezifische Weizenallergien. Das Thema ist aber komplex und wir machen in diesem Bereich bewusst keine Werbung.

Die IG Dinkel versucht, vermehrt auch in der Westschweiz Fuss zu fassen. Wie erfolgreich sind Sie?
Das ist schwierig und braucht noch viele Jahre Aufbauarbeit. Dinkel ist traditionell ein alemannisches Getreide und in der Westschweiz gab es schon immer den Weizen. Mit dem Anbau, den wir in der Waadt vor 3 Jahren gestartet haben, hoffen wir, über die Produktion in der Landschaft eine Brücke zum Konsumenten zu schlagen.

Annahme- und Lagerkapazitäten sind vielerorts limitiert. Was bedeutet das für den Ausbau der UrDinkel-Produktion?
Das ist ein stetes Thema, das uns begleitet. Der Lagervolumen-Bedarf ist beim Dinkel mit dem tiefen Hektolitergewicht besonders gross. Zum Glück gibt es immer wieder Betriebe, die an den weiteren Ausbau des Dinkelmarktes glauben und in neue Lagerkapazitäten investieren. Wir haben aber auch die Pflichtenhefte leicht angepasst, so dass Röllmühlen neu auch mit je einer zusätzlichen Sammelstelle zusammenarbeiten können.

Vom Auslaufmodell zum Trendprodukt

Dinkel war um 1900 noch das wichtigste Brotgetreide der Schweiz. Danach verlor er stark an Bedeutung, weil die Bauern vermehrt auf den ertragreicheren Weizen setzten. Zu Beginn der 1990er Jahre war der Tiefststand erreicht. 1995 gründeten Bauern und Müller die IG Dinkel, um dem Getreide zu einer Renaissance zu verhelfen. Sie riefen die Marke „UrDinkel“ ins Leben und förderten den Anbau von alten Schweizer Dinkelsorten, die nicht mit Weizen gekreuzt wurden. Heute findet man in den Verkaufsregalen wieder Dinkel-Produkte wie Brot, Pasta oder Biscuits. Weitere Informationen unter www.urdinkel.ch

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